

Zum Inhalt:
Ein Mord in Kommissar Kluftingers beschaulichem Allgäuer Heimatort Altusried – jäh verdirbt diese Nachricht sein gemütliches Kässpatzen-Essen. Ein Lebensmittel-Chemiker des örtlichen Milchwerks ist stranguliert worden. Mit eigenwilligen Ermittlungsmethoden riskiert der liebenswert-kantige Kommissar einen Blick hinter die Fassade der Allgäuer Postkartenidylle – und entdeckt einen scheinbar vergessenen Verrat, dunkle Machenschaften und einen handfesten Skandal.
Meine Meinung:
Eigentlich kann ich meine Meinung ganz einfach in ein Wort fassen, nämlich „Primel“. Wer nun aber meint, ich suchte nach einem floralen Ausdruck um meine Begeisterung für dieses 309-Seiten-Buch kund zu tun, der irrt. „Primel“ ist ein Lieblingsausdruck des Kommissar Kluftinger und soll ganz einfach „prima“ bedeuten.
Kluftinger ist ein guter Kommissar, er hat seinen Job, der ihm normalerweise wenig Aufregendes bietet, im Griff. Auch ein Mordfall vermag daran nichts zu ändern. Stück für Stück kommt Kluftinger dem Täter auf symphatisch-grummelige Weise auf die Spur.
Da dies ein bayrischer Krimi ist, darf auch der entsprechende Dialekt nicht fehlen. Dieser wird allerdings nur benutzt, um die Persönlichkeit einzelner Protagonisten zu unterstreichen. Auch wer, wie ich, der bayrischen Sprache nicht mächtig ist, hat keinerlei Verständnisprobleme. Auf sehr amüsante Art und Weise werden die kleinen Ehestreitigkeiten des Kommissars geschildert und seine kleinen Befindlichkeitsstörungen als Strohwitwer.
Besonders die Vorbereitungen Kluftingers auf eine nächtliche Observation haben mich zum Lachen gebracht:
„Die wichtigste Grundlage für alle Aktivitäten war für ihn immer noch eine gute und vor allem reichliche Brotzeit. Also packte er ein, worauf er möglicherweise in der Nacht Appetit bekommen könnte: Ein Paar Schüblinge mit Semmel, ein Paar Landjäger mit Semmel, Senf für die Schüblinge und die Landjäger, eine Semmel mit geräuchertem Schinken und ein mit einer eineinhalb Zentimeter dicken Schicht aus Bauernsalami belegtes Brot (mit Wurst sollte man beim belegten Brot nicht sparen, das machten seiner Ansicht nach die meisten Menschen falsch), zwei Käsesemmeln, falls er keine Lust auf Wurst haben sollte, und außerdem, weil Käse den Magen schließt, eine Banane, um etwas Leichtes für zwischendurch zu haben, und eine Tafel Schokolade für den Nachtisch.“Diese Szene ist der Einstieg in weitere ausgesprochen amüsante Verwicklungen mit Kluftingers nächtlicher Brotzeit, ebenso wie der Einstieg in die einzige wirklich spannende Szene. Auch wenn sich jetzt die Frage stellt, ob ein guter Krimi, welches dieser zweifellos ist, nicht Unmengen spannender Szenen braucht, kann ich nur sagen, ich habe Entsprechendes nicht vermisst. Es fügt sich harmonisch Eines zum Anderen, wir begleiten Kluftinger bei seinen Ermittlungen ohne „Action“, sehen den 56-jährigen jedoch immer in Aktion.
Fazit:
Ein sehr unterhaltsamer Krimi, der Lust auf mehr macht. Schade, dass ich den zweiten Band nicht schon hier liegen habe!
