@ Alle (& Nimue):
(1) Wenn Leute glauben, sie müßten vor Autoren den Kotau machen und könnten nicht ehrlich sagen, was sie meinen, dann ist das ihr Problem. Unfair ist jedoch, den eigenen Unwillen, an einer Leserunde (mit Autor) teilzunehmen, besser gesagt die eigene Unlust, sich vorab gründlich(er) mit dem Werk des Autors auseinanderzusetzen, damit zu begründen, a priori jeder Leserunde zu unterstellen, nur der Lobpreisung des Autors dienen zu sollen.
(2) Natürlich hören Autoren lieber Lob und Begeisterung als Kritik. Natürlich könnte sich eine Leserunde auch mal in Richtung von Fan-Mania entwickeln. Aber da Buchautoren keine Popstars sind, dürften sich hysterische Begeisterungshymen eher in Grenzen halten und etwaige Kritiker kaum Grund zur Sorge zu haben, um Leib und Leben fürchten zu müssen.
(3) Wenn Autoren die Kritik - egal wie sie ausgedrückt wird - an ihren Büchern persönlich nehmen, begehen sie einen großen Fehler. Salopp ausgedrückt: "Was juckt's die deutsche Eiche, wenn eine Sau sich daran schubbelt?"
Jedem Buch (und auch jeder Leserunde (mit Autor)) ließe sich Valentin Loebers Verslein voranstellen:
"An die Leser:
Gefallen werd ich nicht den Hör und Lesern allen:
Mir will auch jeder Hör und Leser nicht gefallen."
(Valentin Loeber, 1620-1685)
(4) "Kritik ist die Kunst, zu urteilen, ohne zu verletzen."
Daß es unhöflich ist, einem Autor quasi ins Gesicht zu sagen (schreiben), "Dies ist das schlechteste Buch aller Zeiten..." oder "Du kannst überhaupt nicht schreiben...", steht somit außer Frage. Implizierte Nebenbedeutung ist fast immer "Das könnte ich ja besser...", auch als Fenimore-Cooper-Syndrom bekannt. Konstruktiv ist diese Art der Kritik nicht, aber in meinen Augen dadurch noch nicht illegitim, denn es gibt nun einmal Bücher, die man aus subjektivem Empfinden heraus als "Schrott" betrachtet. (Nebenbei gesagt, wenn man ein Buch wirklich gnadenlos verreißen will, so läßt sich das weitaus eleganter mit formal unanfechtbaren "Stilmitteln" erreichen als mit grobschlächtiger Polemik.)
(5) Sich zum Äußern grober Kritik hinreißen zu lassen, ist jedoch für Forenkritiker höchst "gefährlich". Denn dann müssen sie sich auch die Frage gefallen lassen, "warum" sie dieser Meinung sind? Und können sie ihre Meinung nicht fundiert und qualifiziert begründen, so stehen sie dumm da und nicht der Autor. Überdies hat der Autor den Kritikern immer voraus, daß er auf die Idee gekommen IST, einen Stoff so und so darzustellen, während Kritiker sich ihre Meinung erst bilden, nachdem sie gesehen haben, wie es gemacht werden kann. Wobei insbesondere wildgewordenen Forenkritikern stets entgegenzuhalten wäre, daß sie - ob als Spötter oder Kritiker - weder Kaiser noch Reich-Ranicki sind.
Ein Autor sitzt immer am längeren Hebel, weil ein Kritiker, der sich zu behaupten erdreistet, "das könne er ja besser", den Beweis dafür erst antreten müßte und das nur dadurch machen kann, indem er den Autor imitiert. Es steht jedoch zu bezweifeln, daß wildgewordene Forenkritiker sich auf das Wagnis einlassen würden, vor aller Augen ein Exempel ihrer angeblich tauglicheren Kost abzuliefern, denn... damit würden sich die Rollen sofort verkehren.