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Autor Thema: Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?  (Gelesen 10958 mal)

fairy

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #15 am: 15. Mai 2006, 16:26:40 »

Ich glaube schon, dass ehrliche Kritik gewünscht ist, deshalb machen die Autoren ja unter anderem bei unseren Leserunden mit.
Klar ist es nicht toll kritisiert zu werden. Ich fühle mich zB auch etwas verletzt, wenn jemand etwas von mir nicht so gut findet, so ist das nun mal.
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Brigitte.Riebe

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #16 am: 17. Mai 2006, 17:03:40 »

Liebe Nimue,
schwierige Frage ... welcher Autor hört schon gerne - und dann auch noch live -, dass sein Roman den LeserInnen NICHT gefällt?
Anderseits: wo gibt es die Möglichkeit, das Ohr so nah am Puls der Leserschaft zu haben?

Kann nur f. mich antworten: Diese - von Ihrer Seite - sehr ehrliche Art, die Eindrücke und Meinung sehr frisch von Leber weg zu sagen, kann manchmal schon dazu führen, dass man sich als Autor unverstanden fühlt (so viel überlegt, so viel hineingedacht: und dann das!). Anderseits funktioniert genauso Lesen (auch bei mir!).
Ich würde sagen: versuchen, diese Spannung auszuhalten und sich freuen, wenn Intention und Ausformulierung gut ankommen. Und: überlegen, woran es gelegen hat (besomnders für das nächste Buch), falls es nicht der Fall ist ...

Dazu dieser schöne Spruch, den Sie alle sicherlich kennen:

Herr, gib mir die Stärke, zu ertragen, was ich ertragen muss; den Mut, mich gegen etwas zu wehren, das mir nicht gefällt - und die Weisheit, das eine von anderen zu unterscheiden.

In diesem Sinne: Ultreja!
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Sarah-HH

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #17 am: 17. Mai 2006, 20:14:07 »

Ich habe zwar noch nie an einer Leserunde mit einem AutorIn teilgenommen, aber solange es konstruktive Kritik ist, ist es ja eigentlich okay.
Ich denke jedem Autor/jeder Autorin ist bewusste, dass nicht jedem sein/ihr Werk gefällt. Aber das ist ja auch völlig natürlich. :)
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Wirklich reich ist,
wer mehr Träume in seiner Seele hat,
als die Realität zerstören kann.

Gheron

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #18 am: 22. Mai 2006, 20:36:46 »

Jeder Autor, der sich einer Leserunde stellt, muss sich bewusst sein, dass die Geschmäcker der LeserInnen nun einmal unterschiedlich sind und sein Werk sowohl auf Zustimmung wie auch auf Ablehnung stoßen kann. Ein Gebot der Fairniss wäre es allerdings, wenn die Kritik sachlich begründet würde. Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Wenn Leserunden allerdings zum Niedermachen von Autoren benutzt werden, sollten sich die LeserInnen Gedanken machen, ob damit auch andere Autoren verscheucht werden.

Gheron

nimue

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #19 am: 24. Mai 2006, 08:45:10 »

Zitat von: Gheron
Wenn Leserunden allerdings zum Niedermachen von Autoren benutzt werden, sollten sich die LeserInnen Gedanken machen, ob damit auch andere Autoren verscheucht werden.


Stimmt. Das kommt wohl in einem anderen Forum häufiger vor. Ich merke das in der letzten Zeit immer öfter, wenn ich Autoren anschreibe und sie erst mal antworten "Ich habe schon bei XYZ eine Leserunde begleitet und da habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist, weil....". Sehr schade :-(

Weratundrina

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #20 am: 24. Mai 2006, 08:53:18 »

Und was macht man dann, falls einem das Buch einfach nur "nicht gefällt" - so aus dem Bauch heraus? Lieber nichts sagen?

Meine erste Leserunde mit Autor steht hier ja auch kurz bevor.  :zwinker:
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Viele Grüsse,
Weratundrina

nimue

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #21 am: 24. Mai 2006, 08:56:20 »

Zitat von: Weratundrina
Und was macht man dann, falls einem das Buch einfach nur "nicht gefällt" - so aus dem Bauch heraus? Lieber nichts sagen?

Meine erste Leserunde mit Autor steht hier ja auch kurz bevor.  :zwinker:


Ich denke, den Autoren ist bewusst, dass sie nicht jeden Geschmack befriedigen können. Wenn einem ein Buch nicht gefällt, dann ist es mir wichtig, dass es auch begründet wird. Solche Begründungen kann man schon auch höflich formulieren, ohne zu schreiben "So ein Schrott! Ich verstehe nicht, wie das überhaupt jemandem gefallen kann" usw :-)

Weratundrina

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #22 am: 24. Mai 2006, 08:59:47 »

Na, wer sagt denn sowas?  :entsetzt:

Wenn ich jetzt formulieren würde (z.B.): "das Buch hat mir einfach nicht gefallen, ich weiss auch nicht warum, einfach so ein Bauchgefühl, das ich damit nicht warm werden konnte" - kann ja mal passieren.  :zwinker:
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Viele Grüsse,
Weratundrina

Maren

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #23 am: 25. Mai 2006, 18:46:38 »

Zitat von: Weratundrina
Na, wer sagt denn sowas?  :entsetzt:

Wenn ich jetzt formulieren würde (z.B.): "das Buch hat mir einfach nicht gefallen, ich weiss auch nicht warum, einfach so ein Bauchgefühl, das ich damit nicht warm werden konnte" - kann ja mal passieren.  :zwinker:


also begründet solte sowas schon sein

z. B. "ich kann mit dem Thema nichts anfangen", finde die Protagonisten nervig und doof", "der Schreibstil ist zäh und langweilig" oder irgendwas anderes.

Denn der Autor möchte sich ja gern verbessern. Eine vage Ausage hilft dabei dann nicht gerade.
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HoldenCaulfield

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #24 am: 25. Mai 2006, 21:17:45 »

@Maren
Ja aber manchmal kann man eben auch nicht genau definieren weshalb einem ein Buch nun eigentlich nicht gefallen hat. Man hat dieses Gefühl aber man kann es nicht richtig fassen.  Man kann nicht genau sagen was einem nicht gefallen hat weil es nicht ein bestimmter Eindruck ist sondern eher ein Gefühl. Da ist es schon schwierig zu formulieren weshalb es einem nun eigentlich nicht gefallen hat weil man es selbst nicht so recht weiß - bloß eben das es so ist.
Gut ich denke mir das so eine Antwort natürlich für den Autor nicht sehr befriedigend ist aber lieber sich dann irgendetwas aus den Fingern zu saugen oder gar nichts dazu zu sagen finde ich genauso falsch.
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sandhofer

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warm werden
« Antwort #25 am: 26. Mai 2006, 06:19:45 »

Hallo zusammen!

Zitat von: Maren
Zitat von: Weratundrina
Wenn ich jetzt formulieren würde (z.B.): "das Buch hat mir einfach nicht gefallen, ich weiss auch nicht warum, einfach so ein Bauchgefühl, das ich damit nicht warm werden konnte" - kann ja mal passieren.  :zwinker:

also begründet solte sowas schon sein

z. B. "ich kann mit dem Thema nichts anfangen", finde die Protagonisten nervig und doof", "der Schreibstil ist zäh und langweilig" oder irgendwas anderes.

Denn der Autor möchte sich ja gern verbessern. Eine vage Ausage hilft dabei dann nicht gerade.

@Weratrundrina: Bauchgefühl ist sicher schon mal besser als gar nix. Ich meine, dieselben Regeln sollten ja meiner bescheidenen Meinung nach für jedes Posting zu einem Buch gelten. Einfach "Ich finds zum Kotzen!" hilft ja nicht nur dem Autor nicht weiter sondern auch den andern Lesern hier im Forum nicht.

@Maren: "Ich find die Protagonisten nervig" hilft m.M.n. weder dem Autor noch mir  als Leser wirklich weiter :zwinker: , da möchte ich (und möchte wohl auch der Autor?) schon noch gerne wissen warum oder was an ihrer Gestaltung jemand so empfindet.


Grüsse

Sandhofer
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Maren

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #26 am: 26. Mai 2006, 14:16:00 »

@Sandhofer: Aber eine Ausage wie "fand die Charaktere nervig" würde mir dann schon weiterhelfen, indem ich fragen könnte, was genau der Leser daran nervig fand.


@Holden: Ja sicher verstehe ich das auch. Und ich hab auch schon einiges an Büchern gelesen, die zwar nicht direkt schlecht waren, aber mir überhaupt nicht gefielen. Z. B. finde ich "Das Parfum" und "Der Fänger im Roggen" absolut gräßlich, ebenso Ecos "Das faquoltsche Pendel". Bei letzterem finde ich die Handlung nur dämlich und den Schreibstil unglaublich zäh und langweilig.
Da aber alle 3 Bücher als Klassiker gelten ( na ja, das Pendel ist dafür noch zu frisch, hat sich aber auch ganz ordentlich verkauft ) und ihre Liebhaber haben, muss ja irgendwas dran sein.
Bloß entgeht mir halt, was genau an denen dran ist...
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Tobias O. Meißner

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Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #27 am: 30. Mai 2006, 15:46:12 »

Nur eine kurze Anmerkung als Autor:

Bislang bin ich beim Literaturschock ja ziemlich verwöhnt worden mit Positivreaktionen, insofern weiß ich nicht genau, wie es sich anfühlt, wenn ein Buch bei Euch durchfällt, aber:

Jede Form von Kritik muß erlaubt sein, auch solche "unter der Gürtellinie". Wenn man so etwas nicht verkraftet, sollte man besser nichts veröffentlichen, denn Öffentlichkeit bedeutet immer auch ein gewisses Sichpreisgeben und Sichverletzbarmachen.

Allerdings: Wenn ein Autor nur gedisst und verhöhnt wird in einem Forum, hat er natürlich auch das Recht, aus dem Forum auszusteigen.

Also: Ihr dürft alles denken, schreiben und tun - der Autor jedoch muß sich nicht alles gefallen lassen, denn er hat ja unter Umständen Besseres zu tun als sich fertigmachen zu lassen, z. B. sein nächstes Buch schreiben.  Insofern gelten also höchstens die allgemein anerkannten (und durchaus sinnvollen) Regularien des höflichen Miteinanders, innerhalb derer man sich gegenseitig wertschätzt, und vor allem auch die Mühe und Anwesenheit des Anderen honoriert. Innerhalb dieser Regularien ist alles erlaubt. Was die Sache interessant und irgendwie auch unberechenbar macht.

Tobias O. Meißner
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Tamlin

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Re: Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #28 am: 17. September 2006, 01:46:14 »

@ Alle (& Nimue):

(1) Wenn Leute glauben, sie müßten vor Autoren den Kotau machen und könnten nicht ehrlich sagen, was sie meinen, dann ist das ihr Problem. Unfair ist jedoch, den eigenen Unwillen, an einer Leserunde (mit Autor) teilzunehmen, besser gesagt die eigene Unlust, sich vorab gründlich(er) mit dem Werk des Autors auseinanderzusetzen, damit zu begründen, a priori jeder Leserunde zu unterstellen, nur der Lobpreisung des Autors dienen zu sollen.

(2) Natürlich hören Autoren lieber Lob und Begeisterung als Kritik. Natürlich könnte sich eine Leserunde auch mal in Richtung von Fan-Mania entwickeln. Aber da Buchautoren keine Popstars sind, dürften sich hysterische Begeisterungshymen eher in Grenzen halten und etwaige Kritiker kaum Grund zur Sorge zu haben, um Leib und Leben fürchten zu müssen.

(3) Wenn Autoren die Kritik - egal wie sie ausgedrückt wird - an ihren Büchern persönlich nehmen, begehen sie einen großen Fehler. Salopp ausgedrückt: "Was juckt's die deutsche Eiche, wenn eine Sau sich daran schubbelt?"
Jedem Buch (und auch jeder Leserunde (mit Autor)) ließe sich Valentin Loebers Verslein voranstellen:
"An die Leser:
Gefallen werd ich nicht den Hör und Lesern allen:
Mir will auch jeder Hör und Leser nicht gefallen."
(Valentin Loeber, 1620-1685)

(4) "Kritik ist die Kunst, zu urteilen, ohne zu verletzen."
Daß es unhöflich ist, einem Autor quasi ins Gesicht zu sagen (schreiben), "Dies ist das schlechteste Buch aller Zeiten..." oder "Du kannst überhaupt nicht schreiben...", steht somit außer Frage. Implizierte Nebenbedeutung ist fast immer "Das könnte ich ja besser...", auch als Fenimore-Cooper-Syndrom bekannt. Konstruktiv ist diese Art der Kritik nicht, aber in meinen Augen dadurch noch nicht illegitim, denn es gibt nun einmal Bücher, die man aus subjektivem Empfinden heraus als "Schrott" betrachtet. (Nebenbei gesagt, wenn man ein Buch wirklich gnadenlos verreißen will, so läßt sich das weitaus eleganter mit formal unanfechtbaren "Stilmitteln" erreichen als mit grobschlächtiger Polemik.)

(5) Sich zum Äußern grober Kritik hinreißen zu lassen, ist jedoch für Forenkritiker höchst "gefährlich". Denn dann müssen sie sich auch die Frage gefallen lassen, "warum" sie dieser Meinung sind? Und können sie ihre Meinung nicht fundiert und qualifiziert begründen, so stehen sie dumm da und nicht der Autor. Überdies hat der Autor den Kritikern immer voraus, daß er auf die Idee gekommen IST, einen Stoff so und so darzustellen, während Kritiker sich ihre Meinung erst bilden, nachdem sie gesehen haben, wie es gemacht werden kann. Wobei insbesondere wildgewordenen Forenkritikern stets entgegenzuhalten wäre, daß sie - ob als Spötter oder Kritiker - weder Kaiser noch Reich-Ranicki sind.

Ein Autor sitzt immer am längeren Hebel, weil ein Kritiker, der sich zu behaupten erdreistet, "das könne er ja besser", den Beweis dafür erst antreten müßte und das nur dadurch machen kann, indem er den Autor imitiert. Es steht jedoch zu bezweifeln, daß wildgewordene Forenkritiker sich auf das Wagnis einlassen würden, vor aller Augen ein Exempel ihrer angeblich tauglicheren Kost abzuliefern, denn... damit würden sich die Rollen sofort verkehren.
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Historikus

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Re: Leserunden mit Autoren: Ehrliche Kritik (un)erwünscht?
« Antwort #29 am: 26. Dezember 2006, 13:36:31 »

Wer Kritik nicht verträgt, sollte auch nichts veröffentlichen.

Das ist doch genau absurd, als würde man absichtlich Nüsse essen, obwohl man darauf allergisch ist.

 :zwinker:
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