Auch Übersetzungen sind ganz eindeutig Modeerscheinungen unterworfen.
Was auch nur natürlich ist. Trotzdem möchte ich keine Übersetzung lesen, die den Ausgangstext grundlegend umschreibt, sei es durch Streichungen, Umstellungen oder Hinzufügungen. Manches ist natürlich einfach durch andere Sprachstrukturen bestimmt, daher gilt ein gewisser Grad an übersetzerischer Freiheit, das ist ok, sollte aber das sprachlich bedingte Maß nicht übersteigen.
Praktisch mit denselben Argumenten, die hier pro Edl gebracht werden, wurde vor ein paar Monaten eine neue Übersetzung von Moby-Dick in den Himmel gehoben. Und in 20 Jahren wird wieder was anderes im Vordergrund stehen.
Vermutlich, das halte ich aber nicht für schlimm. Schließlich bin ich auch kontextgebunden in dieser Zeit, warum soll ich also nicht eine „passende“ Übersetzung lesen, die das Ausgangswerk aber wenigstens respektiert.
Moby Dick liegt – neben einer Reihe älterer Übersetzungen (die nicht alle schlecht sind) – in zwei neueren vor. Die Übersetzung von Jendis soll sehr gut sein, was ich glaube, weil er zumindest auch etwas von Seefahrt versteht, das ist mir bei anderen maritimen Bücher aus seiner Übersetzung aufgefallen. Die Übersetzung von Rathjen haben zwar auch viele Kritiker gelobt, ich halte sie für schlicht unleserlich.
"Stendhals karge Sprache" ... Ja ... Genau ... So kann man es auch formulieren ... Bei einer Lektüre von Stendhals La Chartreuse de Parme hatte ich tatsächlich nicht den Eindruck, hier einen begnadeten Stilisten vor mir zu haben. (Im Gegensatz z.B. zu Victor Hugo
.)
Wenn die Geschichte und die Protagonisten überzeugend sind, kann ich mit Schwächen im Stil unter Umständen auch leben ...