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Autor Thema: Stendhal - Rot und Schwarz  (Gelesen 2451 mal)

sandhofer

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Re: Stendhal - Rot und Schwarz
« Antwort #15 am: 12. Dezember 2007, 14:43:58 »

Zu dem Stil: das könnte wirklich an der Übersetzung liegen. Es gibt ja mehrere, und in meinem Nachwort stand, dass diese sich deutlich unterscheiden (eine trägt sogar als Titel "Rot oder Schwarz). Da hast Du vielleicht eine der schlechteren erwischt.

Hm ... Walter Widmer war (er starb 1965) eigentlich ein sehr guter und renommierter Übersetzer. Schreiben liegt dort in der Familie: Sein Sohn ist der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer ;).
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Aldawen

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Re: Stendhal - Rot und Schwarz
« Antwort #16 am: 12. Dezember 2007, 15:01:32 »

Bei so gegensätzlichen Einschätzungen gewinne ich den Eindruck, ich sollte das Buch doch endlich mal lesen. Auf meinem SuB liegt es immerhin schon, nachdem ich es bei irgendeinem Bookcrosser-Treffen mal eingesteckt hatte, mich vage an eine Verfilmung als Mehrteiler von vor ~ 30 Jahren erinnernd. Vielleicht schaue ich mich aber noch nach einer anderen Übersetzung um, ich habe ein ziemliches altes Exemplar mit einer Übersetzung von Arthur Schurig (mal sehen, ob ich dazu noch Details finde ...).

An sich ist die Zeit nämlich hochinteressant, immerhin ging 1830 eine erste, wenngleich in der öffentlichen Wahrnehmung heute durch jene von 1848/49 ziemlich verdrängte Revolutionswelle durch Europa. Ich habe an der FernUni mal ein Wochenendseminar zum Thema „Europa um 1830“ mitgemacht, da läßt sich hoffentlich dran anknüpfen. Zu irgendwas muß das Studium ja auch mal gut sein  :breitgrins:

Schönen Gruß,
Aldawen

Edit: Schon fündig geworden. Die FAZ hatte die Neuübersetzung von Elisabeth Edl natürlich auch besprochen und der dortige Rezensent hat für die Schurig-Übersetzung bemängelt, daß es starke Texteingriffe gegeben habe (Umstellungen und Streichungen), Widmer habe Stendhals karge Sprache gedehnt und ausgeschmückt. Hm, klingt ja nicht überzeugend. Dann werde ich wohl doch lieber mal nach der Neuübersetzung schauen, die quer durch alle Feuilletons gelobt wurde. Das ist zwar auch noch keine Garantie, läßt aber zumindest hoffen ...
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2007, 15:15:08 von Aldawen »
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Klassikfreund

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Re: Stendhal - Rot und Schwarz
« Antwort #17 am: 12. Dezember 2007, 16:29:45 »

Bei so gegensätzlichen Einschätzungen gewinne ich den Eindruck, ich sollte das Buch doch endlich mal lesen. Auf meinem SuB liegt es immerhin schon, nachdem ich es bei irgendeinem

Edit: Schon fündig geworden. Die FAZ hatte die Neuübersetzung von Elisabeth Edl natürlich auch besprochen und der dortige Rezensent hat für die Schurig-Übersetzung bemängelt, daß es starke Texteingriffe gegeben habe (Umstellungen und Streichungen), Widmer habe Stendhals karge Sprache gedehnt und ausgeschmückt. Hm, klingt ja nicht überzeugend. Dann werde ich wohl doch lieber mal nach der Neuübersetzung schauen, die quer durch alle Feuilletons gelobt wurde. Das ist zwar auch noch keine Garantie, läßt aber zumindest hoffen ...


Ich habe ja die Edl-Übersetzung gelesen. Also allein aufgrund der Sprache hat mich der Roman nicht überzeugt.

Gruß, Thomas
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sandhofer

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Re: Stendhal - Rot und Schwarz
« Antwort #18 am: 12. Dezember 2007, 16:51:58 »

Die FAZ hatte die Neuübersetzung von Elisabeth Edl natürlich auch besprochen und der dortige Rezensent hat für die Schurig-Übersetzung bemängelt, daß es starke Texteingriffe gegeben habe (Umstellungen und Streichungen), Widmer habe Stendhals karge Sprache gedehnt und ausgeschmückt. Hm, klingt ja nicht überzeugend. Dann werde ich wohl doch lieber mal nach der Neuübersetzung schauen, die quer durch alle Feuilletons gelobt wurde. Das ist zwar auch noch keine Garantie, läßt aber zumindest hoffen ...

Auch Übersetzungen sind ganz eindeutig Modeerscheinungen unterworfen. Praktisch mit denselben Argumenten, die hier pro Edl gebracht werden, wurde vor ein paar Monaten eine neue Übersetzung von Moby-Dick in den Himmel gehoben. Und in 20 Jahren wird wieder was anderes im Vordergrund stehen.

"Stendhals karge Sprache" ... Ja ... Genau ... So kann man es auch formulieren ... Bei einer Lektüre von Stendhals La Chartreuse de Parme hatte ich tatsächlich nicht den Eindruck, hier einen begnadeten Stilisten vor mir zu haben. (Im Gegensatz z.B. zu Victor Hugo ;).)
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Aldawen

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Re: Stendhal - Rot und Schwarz
« Antwort #19 am: 12. Dezember 2007, 19:09:33 »

Auch Übersetzungen sind ganz eindeutig Modeerscheinungen unterworfen.

Was auch nur natürlich ist. Trotzdem möchte ich keine Übersetzung lesen, die den Ausgangstext grundlegend umschreibt, sei es durch Streichungen, Umstellungen oder Hinzufügungen. Manches ist natürlich einfach durch andere Sprachstrukturen bestimmt, daher gilt ein gewisser Grad an übersetzerischer Freiheit, das ist ok, sollte aber das sprachlich bedingte Maß nicht übersteigen.

Praktisch mit denselben Argumenten, die hier pro Edl gebracht werden, wurde vor ein paar Monaten eine neue Übersetzung von Moby-Dick in den Himmel gehoben. Und in 20 Jahren wird wieder was anderes im Vordergrund stehen.

Vermutlich, das halte ich aber nicht für schlimm. Schließlich bin ich auch kontextgebunden in dieser Zeit, warum soll ich also nicht eine „passende“ Übersetzung lesen, die das Ausgangswerk aber wenigstens respektiert. Moby Dick liegt – neben einer Reihe älterer Übersetzungen (die nicht alle schlecht sind) – in zwei neueren vor. Die Übersetzung von Jendis soll sehr gut sein, was ich glaube, weil er zumindest auch etwas von Seefahrt versteht, das ist mir bei anderen maritimen Bücher aus seiner Übersetzung aufgefallen. Die Übersetzung von Rathjen haben zwar auch viele Kritiker gelobt, ich halte sie für schlicht unleserlich.

"Stendhals karge Sprache" ... Ja ... Genau ... So kann man es auch formulieren ... Bei einer Lektüre von Stendhals La Chartreuse de Parme hatte ich tatsächlich nicht den Eindruck, hier einen begnadeten Stilisten vor mir zu haben. (Im Gegensatz z.B. zu Victor Hugo ;).)

Wenn die Geschichte und die Protagonisten überzeugend sind, kann ich mit Schwächen im Stil unter Umständen auch leben ...
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sandhofer

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Re: Stendhal - Rot und Schwarz
« Antwort #20 am: 12. Dezember 2007, 19:26:11 »

Trotzdem möchte ich keine Übersetzung lesen, die den Ausgangstext grundlegend umschreibt, sei es durch Streichungen, Umstellungen oder Hinzufügungen.

Jede Übersetzung schreibt mehr oder weniger um. Streichungen oder Hinzufügungen sind (für mich!) natürlich untolerierbar; wenn ich aber z.B. in der aktuellen Glöckner-Leserunde sehe, dass es auch welche gibt, die froh sind, dass Hugos weitschweifige Einführung des Datums auf eine schlichte Jahreszahl gekürzt wurde, so sind da wohl andere auch anderer Meinung. Auch "Readers's Digest" hat sein Publikum.

Schließlich bin ich auch kontextgebunden in dieser Zeit, warum soll ich also nicht eine „passende“ Übersetzung lesen, die das Ausgangswerk aber wenigstens respektiert.

Einverstanden. Solange hier nicht einfach mit dem Begriff "bessere Übersetzung" operiert wird ...

Wenn die Geschichte und die Protagonisten überzeugend sind, kann ich mit Schwächen im Stil unter Umständen auch leben ...

Auch einverstanden. Und Stendhal lebt m.M.n. definitiv nicht vom Stil. Wenn man allerdings mit der Psyche / Psychologie seiner Figuren auch nichts anfangen kann, dann bleibt wenig ...  :winken:
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