Sooo, ich habs gestern endlich ausgelesen. Dass es so lange gedauert hat, lag nicht am Buch, sondern an den anderen Büchern, die ich vorab lesen "musste":
Meine Meinung:
Stephen Jones ist ein Frischling in der Schulungsabteilung von Zephyr Holdings und stellt sich schon bald die Frage: Was tut der Großkonzern eigentlich? Nicht nur, dass die Aufteilung der Hierarchien sehr resolut sind und sich sogar in der Etagenbeschriftung des Aufzugs auswirken, nein, Jones kann auch keinerlei Sinn im Unternehmen selbst entdecken, scheint doch eine Abteilung der Kunde der anderen zu sein. Schnell findet er heraus, was wirklich hinter dem Unternehmen steckt: Ein Geheimnis, das so ungeheuerlich ist, dass es wahr sein könnte.
Mit Zephyr Holdings verarbeitet Autor Max Barry, der sich bereits mit "Logoland" in mein Herz geschrieben hat, seine jahrelangen Recherchearbeit als Angestellter bei Hewlett-Packard, einem der weltweit größten Druckerhersteller. Nahm er einst die Globalisierung aufs Korn, so ist nun das amerikanische Management in sein Kreuzfeuer geraten. Wenn man seine Szenen zu Umstrukturierung, Rationalisierung und Konsolidierung so liest, dann hat man jedoch nicht nur amerikanische Unternehmen vor dem inneren Auge. Auch deutsche Konzerne dürften sich ohne große Anstrengungen erkennen.
Mit Stephen Jones hat Max Barry einen sympathischen jungen Mann geschaffen, der das Herz am rechten Fleck hat und trotz der Absicht, Karriere machen zu wollen, nicht über Leichen geht. Der Beginn war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, denn der Autor hält offensichtlich nichts von schnörkeligen Sätzen und ausschweifenden Beschreibungen. Außerdem tappt der Leser zuerst genauso im Dunkeln wie der unwissende Jones, was sich aber ab Seite 80 gibt und die Geschichte rasant anzieht.
Das Buch ist Satire pur und mit so viel verstecken Wahrheiten und offenem Humor, dass man "Chefsache" zur Pflichtlektüre jedem BWL-Studenten in die Hand drücken sollte.
