Marcel Proust ~ Unterwegs zu Swann
Seiten: 614
Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsjahr:1913
Dank der
Leserunde habe ich mich an einen der größten Romaciers herangetraut und den ersten Band der
Recherche gelesen.
Unterwegs zu Swann ist in drei Teile gegliedert.
Im ersten Abschnitt begleiten wir den jungen Erzähler durch seine Kindheit im französischen Combray. Er beschreibt mit sehr viel Fantasie und Beobachtunggabe kleine Begebenheiten in seiner Umgebung und vor allem eigene Bewusstseinszustände, die einem trotz der ausgeprägten Liebe zum Detail nie langweilig werden. Denn Proust ist wahrlich mit einem wunderschönen sprachlichen Ausdruck gesegnet. Auch noch so kleine und vermeintlich unbedeutende Details werden mit einer Poesie und Sinnlichkeit beschrieben, dass man als Leser ganz verzaubert ist und sich fühlt, als wäre man in Watte gepackt.
Im zweiten Teil wird die Liebesbeziehung zwischen Swann und der Kurtisane Odette de Crécy beschrieben. Swann ist fasziniert von ihr, weil sie für ihn die Ästhetik der Figuren von Botticelli widerspiegelt. Odette jedoch hält Swann zum Narren, was dieser viel zu spät merkt. Diese sehr ungesunde Beziehung spitzt sich langsam zu, endet jedoch anders, als man es als Leser erwartet hätte. In diesem Abschnitt wird ebenso die Gesellschaft des Fin de Siècle in Frankreich zwar sehr ironisch, aber dennoch liebevoll dargestellt. Nichts ist so, wie es scheint, und am besten sind die Menschen der gehobenen Schicht im Heucheln und Intrigieren.
Im letzten Abschnitt kehren wir zum Erzähler aus dem ersten Teil zurück, der nun einige Jahre älter geworden ist und seine erste Verliebtheit erlebt. Und wir erfahren hier, was aus Swann und Odette geworden ist.
Auch wenn ich mich mit
Wie Proust ihr Leben verändern kann von Alain de Botton auf dieses Werk eingestimmt habe, so ist mir der Einstieg in die Geschichte nicht immer leicht gefallen. Die langen verschachtelten Sätze fordern schon einiges an Aufmerksamkeit vom Leser, man sollte sich also Zeit und Ruhe nehmen, um dieses Meisterwerk ganz unbeschwert genießen zu können. Hat man sich aber erst einmal an die Ausdrucksweise gewöhnt (man merkt hier erst einmal, wie verkümmert unser Wortschatz heutzutage geworden ist), entwickelt die Sprache ihren ganz eigenen Fluss, dem man schwer widerstehen kann. Proust malt förmlich mit Worten und kreiert dadurch eine unheimlich dichte und sinnliche Atmosphäre, in die man mit allen Sinnen eintauchen kann. Man kann förmlich die Blüten des beschriebenen Weißdornbusches riechen und schmeckt die Madeleine, die beim Erzähler einen Strom aus Kindheitserinnerungen weckt. Proust arbeitet viel mit Motiven und Andeutungen an zukünftige Geschehnisse, die den Leser neugierig machen auf das, was noch kommen mag.
Dieses Buch ist eines der schönsten, die ich je gelesen habe, und kann auch als Anleitung dafür dienen, im Alltag genauer hinzuschauen und die Schönheit der kleinen und einfachen Dinge zu erkennen.
