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Autor Thema: Gabriel García Márquez - Die Liebe in den Zeiten der Cholera  (Gelesen 1251 mal)

Liisa

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Ich hoffe, es gibt nicht schon anderswo einen Thread mit Rezensionen zu diesem Roman. Jedenfalls hat meine Suche danach keinen ausgeworfen. Nur den Thread wo es um die kommende Leserunde geht.

Auf jeden Fall kommt hier jetzt die Rezension zu "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" von Gabriel Garcia Marquez. Gelesen habe ich das Buch im Zusammenhang mit  dem SUB-Listen-Wettbewerb 2006, da es auf meiner Liste steht.

Ganz unbestritten ist, daß Gabriel García Márquez zu den herausragenden Schriftstellern unserer Zeit zählt. Nicht umsonst wurde er 1982 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sein Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" war es, der ihm den internationalen Durchbruch verschaffte und der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Nun wollte ich also "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" lesen.

Die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe. Ungewöhnlich deswegen weil es Jahrzehnte dauert, bis sie ihre Erfüllung findet. Und auch hier erweist sich Márquez als großartiger Erzähler. Die Geschichte selbst ist ungewöhnlich und irgendwie auch recht traurig (fand ich zumindest). Das Thema des Romans an sich, ist aber eines, für das ich persönlich mich nicht so sehr erwärmen konnte. Es ist glaube ich, nur Marquez herausragender Erzählgabe zu verdanken, daß der Roman fesselt - weniger die Handlung und Figuren an sich, die in seltsamen (veralteten) Konventionen gefangen sind und sich im Grunde erst am Ende ihres Lebens dazu durchringen können ihren eigenen Weg zu gehen, wobei ihnen das scheinbar nur dadurch möglich wird, indem sie sich sozusagen zurückziehen und aus dem normalen Leben ausklinken.

Was die Erzählkunst angeht, würde ich 4ratten vergeben und eine Empfehlung aussprechen, diesen Roman von Márquez zu lesen. Meine ganz persönliche Wertung bezogen darauf, daß ich mich für die Geschichte an sich nicht so recht erwärmen konnte, sind  3ratten .

EDIT: Autorennamen im Betreff korrigiert. LG, Saltanah
« Letzte Änderung: 16. Dezember 2009, 19:30:03 von Saltanah »
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Anonyma

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Re: Gabriel Garcia Marquez - Die Liebe in den Zeiten der Cho
« Antwort #1 am: 21. April 2006, 22:21:42 »

Zitat von: Liisa

Das Thema des Romans an sich, ist aber eines, für das ich persönlich mich nicht so sehr erwärmen konnte. Es ist glaube ich, nur Marquez herausragender Erzählgabe zu verdanken, daß der Roman fesselt - weniger die Handlung und Figuren an sich, die in seltsamen (veralteten) Konventionen gefangen sind und sich im Grunde erst am Ende ihres Lebens dazu durchringen können ihren eigenen Weg zu gehen, wobei ihnen das scheinbar nur dadurch möglich wird, indem sie sich sozusagen zurückziehen und aus dem normalen Leben ausklinken.

 
Ich fand eigentlich, dass der Roman genau deswegen so gut war, weil er nicht Menschen zeigt (wie fast alle romantische Bücher), die immer die Konventionen brechen. Solche Menschen gibt es sehr wenige, vielleicht keine, weil ständig eine Revolution machen ist sehr anstrengend. Das Buch zeigt das alltägliche Leben von Menschen, zeigt wie 2 Menschen miteinander alt werden und zeigt das gar nicht so langweilig, wie man das sich vorstellen würde. Genau deswegen ist Marquez so genial - er kann normale und alltägliche Szenen mit viel Humor zeigen.
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wolves

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Gabriel Garcia Marquez - Die Liebe in den Zeiten der Cholera
« Antwort #2 am: 04. Mai 2006, 09:43:58 »

Im Rahmen der Leserunde, habe ich das Buch beendet. Ich stimme mit Liisa absolut überein, dass Márquez ein überragender Erzähler ist. Nur das (und die Leserunde) hat mich letztendlich dazu gebracht, dass Buch zu Ende zu lesen.
Die Geschichte selbst, konnte mich nicht sehr fesseln. Die konventionellen Probleme der Hauptfiguren konnte ich nicht nachvollziehen und einiges konnte ich auch nur als Ironie lesen.
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Aldawen

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Re: Gabriel García Márquez - Die Liebe in den Zeiten der Cholera
« Antwort #3 am: 01. März 2008, 10:16:45 »

Inhalt: Doktor Juvenal Urbino stirbt durch einen Unfall beim Versuch, den entflogenen Hauspapagei wieder einzufangen. Bei der Totenfeier kümmert sich unauffällig ein älterer Herr um vieles. Es ist Florentino Ariza, der Urbinos Witwe Fermina Daza in Jugendzeiten ewige Liebe geschworen hat, und ihr nun sogleich versichert, daß er zu diesen Worten noch immer stehe. Rückblickend wird die Geschichte von Florentino, Fermina und Juvenal erzählt. Ferminas Vater, der sich für seine Tochter eine gute Partie und gesellschaftlichen Aufstieg erhoffte, zumal seine Geschäfte zweifelhafter Natur sind, unternimmt mit ihr eine längere Reise, als er das Liebesbriefverhältnis zwischen Florentino und Fermina bemerkt. Zurückgekehrt und gereift erkennt Fermina, daß sie Florentino, trotz ihres Versprechens ihm gegenüber, nicht zum Mann nehmen kann und will. Sie fügt sich schließlich sogar dem Wunsch des Vaters, den angesehenen Arzt Juvenal Urbino zu heiraten. Die Ehe scheint nach außen ausgesprochen glücklich und harmonisch, ist tatsächlich aber mit den ganz normalen Streitigkeiten und Problemen einer Beziehung behaftet. Derweil hält Florentino seinen Schwur ewiger Treue, denn seine vielen, vorwiegend S.e.x.uell inspirierten Beziehungen stehen dem – für ihn – nicht entgegen. Für Fermina bemüht er sich sogar um eine berufliche Karriere, die ihm im Flußschiffahrtsunternehmen seines Onkels auch gelingt. Nach Juvenals Tod sieht er die Chance gekommen, Fermina doch noch für sich zu gewinnen. Ein erneuter Briefwechsel und regelmäßige Besuche setzen ein ...


Meine Meinung: Ich hatte zunächst durchaus Befürchtungen, hier mit einer ähnlich absurden Geschichte wie z. B. in Hundert Jahre Einsamkeit konfrontiert zu werden, aber ganz im Gegenteil. Im Grunde erzählt García Márquez eine ganz einfache Geschichte von lebenslanger Liebe und später Erfüllung. Dabei sind die Männer eindeutig die Schwächlinge, Fermina ist der starke Pol sowohl in Juvenals als auch Florentinos Leben und macht auch die interessanteste Persönlichkeitsentwicklung durch. Sie braucht aber lange, um sich über ihre eigene Position und ihre Gefühle klar zu werden. Da Florentino Fermina nicht bekommt, driftet er in überwiegend flüchtige Beziehungen mit einer ausgeprägt S.e.x.uellen Komponente. Damit wird er Fermina, für die er eigentlich seine Unschuld bewahren wollte, zwar körperlich untreu, nach seinem Verständnis aber nicht im Herzen, und als unverbesserlicher Romantiker ist dies für ihn das entscheidende. Über Florentinos Liebesleben erfährt man eine Menge Details und ich hatte durchaus den Eindruck, daß etwas weniger hier mehr hätte sein können. Juvenal ist zwar ein ausgemachter Macho, aber andererseits – je älter, je mehr – von seiner Frau abhängig und ihrem starken Willen hat er nichts rechtes entgegenzusetzen.

Vor allem die drei Protagonisten handelten für mein Empfinden ihrer Sozialisation und ihrem Umfeld gemäß und damit glaubwürdig. Manches daran wirkt heute anachronistisch, ist aber sicher recht realistisch in Anbetracht der Zeit der Handlung und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die hier zu berücksichtigen sind. Hinzu kommt, daß García Márquez ein toller Erzähler ist, den ich mit Genuß lesen kann. Da ich ein ausgesprochener Kapitelleser bin, also bevorzugt am Ende eines solchen unterbreche, hat mich aber deren Länge hier gestört – mit im Schnitt 70 bis 100 Seiten sind sie doch arg umfangreich geraten.

 4ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
« Letzte Änderung: 01. März 2008, 10:19:45 von Aldawen »
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Yoshi

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Antw:Gabriel Garcia Marquez - Die Liebe in den Zeiten der Cholera
« Antwort #4 am: 15. Dezember 2009, 19:49:29 »


Die Geschichte an sich klingt zuerst recht interessant, ein Mann, der über 50 Jahre auf seine große Liebe wartet. Allerdings gestaltet sich das Ganze dann leider doch nicht ganz so spannend, wie man es vielleicht erwartet hätte. Die Liebenden in Wartestellung führen teilweise recht ereignislose Leben und selbst die unzähligen Liebschaften von Florentino Ariza bringen keine Abwechslung. Einzig einige lustige Anekdoten aus Fermina Dazas Ehe vermögen einen zu unterhalten. Keine wirklich guten Vorraussetzungen für einen Roman mit über 600 Seiten. Doch Gabriel Garcia Maquez schafft es, dank seiner unglaubliche Erzählgabe, kaum Langeweile aufkommen zu lassen.  Ich bin eigentlich nie sehr begeistert, wenn ein Buch seitenlange Beschreibungen von Orten, Menschen, Gegenständen etc. enthält, aber hier haben sie mich kaum gestört, im Gegenteil, sie haben mir tatsächlich am besten gefallen und ließen einen tief in das Kolumbien des 19/20 Jahrhunderts eintauchen.
Hätte die Geschichte es nur geschafft, ein klein wenig mitreissender zu sein, wäre dies wirklich ein ganz großartiges Buch geworden.
Einzig das Ende war sehr passend und gelungen und hat mich dann doch noch ein wenig mit der Geschichte versöhnt.

Ich kann aber, trotz der eher schwachen Geschichte, mit gutem Gewissen  4ratten vergeben!
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