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Autor Thema: Ralph Giordano - Sizilien, Sizilien! Eine Heimkehr  (Gelesen 995 mal)

Doreén

  • Gast
Ralph Giordano - Sizilien, Sizilien! Eine Heimkehr
« am: 18. August 2004, 09:51:10 »

“Zitschilia” - Reiseberichte von Ralph Giordano



Die Sehnsucht ist eine große Motivation, ein starker Impuls, um selbst in späten Lebensjahren auf weite Reise zu gehen und neue, vielleicht letzte Abenteuer zu wagen. Manch Suche nach dem äußerlichen Ereignis kann dabei, wie im Fall von Ralph Giordano, zum Ausflug in die eigene Psyche werden.

Giordano, Publizist und gebürtiger Hamburger ging im Jahr 2000 auf Reise, um die Wurzeln seiner italienischen Familie aufzuspüren. Ziel ist Sizilien, wo sein Großvater vor mehr als 100 Jahren lebte und von der Insel dem “piccolo” Ralph als sein “Zitschilia” berichtete.

Die Erlebnisse der monatelangen Reise hat Giordano in dem 2002 erschienen Buch “Sizilien, Sizilien”” zusammengefasst. Giordano ist Journalist der alten, wortgewandten Klasse; stimmungsvolle Episoden sind detailreich ausformuliert, wie sie heute bei Autoren jüngster Generationen selten sind. Das Buch ist aber nicht nur wegen dem reinen Wort-Lesevergnügen für Italien-Verliebte anregend. Schwärmerisch-romantisch umreißt Giordano die Herzlichkeit und Großzügigkeit der Sizilianer, die sanfte Schönheit der Natur und die kulturhistorischen Orte wie Agrigent. Die Stärken des Buches sind ferner die ausgiebigen Informationen zur Historie der Insel, dem Ätna als dem schicksalsbestimmenden Vulkan, Einführungen in das Leben der weltbekannten, sizilianischen Autoren Sciascia und Lampedusa und die Vorstellung vieler Orte des touristisch unbekannten Siziliens wie die Höhlen von Pantalica.

Mehr als 10.000 Kilometer hat Giordano, damals 77-Jährig, per Auto und Schiff und mit seinem Begleiter Antonio Morten in Sizilien zurückgelegt. Der Untertitel “Eine Heimkehr” ist mehr Bindeglied für die Geschichten als ganzes Thema des Werkes. Die Recherche nach seinem Großvater Rocco steht nicht im Vordergrund seiner Reisebeschreibungen, vielmehr läßt Giordano sich durch Sizilien treiben. Er reist ohne erkennbare Route die Insel ab, fährt mit der jungen Catanierin Clara durch ihre Stadt, kraxelt auf der Insel Stromboli den Vulkan empor und lernt die unbedingte, spontane Gastfreundschaft der Sizilianer immer wieder kennen. Das ist Italien pur. Es gibt kaum Regeln, Denkmäler sind nicht zu besichtigen, da die Restaurierung weiter anhält. Die Straßen sind unbeschildert und nur mit einem inneren Kompass und viel Glück zu befahren. Das Deutschsein holt Giordano in solchen Situationen schnell ein. Manche Unvollkommenheit der Italiener macht ihn ärgerlich, gar wütend. Der Einwurf jedoch, dass mit der Schlampigkeit der Sizilianer “Auschwitz nicht funktioniert (hätte), weil die Züge nicht pünktlich abgefahren wären”, ist auch ihm als Naziopfer nicht zu verzeihen und hat in dem Buch nichts verloren. Gesamt ist das Werk etwas fürs Gemüt und zum Schwelgen in der “sicilianità”, der typisch sizilianischen Art des “Vedremo” - wir werden sehen.

Zum Ende des Buches hin wird Giordano urkundenbezeugter Ehrenbürger von Riesi, der Geburtsstadt seines Großvaters. Überraschend lernt er entfernte Verwandte, ähnlich alt wie er selbst, kennen. Emotional gerade erst in Sizilien angekommen, schaut er wehmütig zurück zur Insel, als dann die Fähre Richtung Norden, Deutschland ablegt.

Doreén Pick

Ralph Giordano “Sizilien, Sizilien! Eine Heimkehr”, Verlag Kiepenheuer&Witsch 2002, ISBN 3-462-03140-6, 352 Seiten, 22,90 Euro
« Letzte Änderung: 30. Juli 2006, 15:42:57 von Alfa_Romea »
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Nachttraum

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Sizilien: Ein Reisebericht
« Antwort #1 am: 28. August 2004, 16:00:58 »

Ralph Giordanos Begleiter hat uns mal das Buch vor längerer Zeit geschenkt; ich bin überrascht, hier eine Besprechung zu finden und werde es jetzt wahrscheinlich auch mal lesen, so gut wie das hier klingt!
Wie klein die Welt ist!
(ein Ausspruch, den ich schon immer mal verwenden wollte  :breitgrins: )
Allerdings hast du glaube ich vergessen, Leseratten zu vergeben.

nachttraum
Dieser Begleiter ist übrigens auch selbst Schriftsteller.
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Doreén

  • Gast
Zitschilia
« Antwort #2 am: 30. August 2004, 08:52:37 »

hallo,

ja es ist sehr lesenswert, insbesondere wenn du es aus den Händen von Herrn Morton hast. Gerade jetzt, wenn der Sommer sich verabschiedet, tun ein paar Gedanken an Wärme, Italien, Sizilien ganz gut.
ciao Doreén

PS: Wieso bist du überrascht hier eine Rezension zu finden? Was machst du so?
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