Stieg Larsson: VerblendungDa der Inhalt weiter vorne zur Genüge zusammengefaßt wurde, hier:
Meine Meinung: Das Buch hat eine sehr lange Einleitung. Ich will nicht sagen, daß ich mich gelangweilt hätte, aber diese Wirtschaftsdinge und Verstrickungen der Wennerström- und sonstigen Firmen sind an mir vorbeigerauscht. Solche Dinge zu verstehen fällt mir immer sehr schwer. Das macht aber nichts, denn die Familiengeschichte der Vangers ist ja auch interessant und insgesamt ist das Buch überaus spannend. Ich habe es innerhalb von knapp 3 Tagen ausgelesen (allerdings kann man ja bei der Hitze momentan auch kaum etwas anderes tun als den ganzen Tag lesen).
Die Hauptpersonen, Mikael Blomqvist und Lisbeth Salander, werden sehr ausführlich vorgestellt. Man bekommt ein plastisches, konsistentes Bild von ihnen, wobei Blomkvist mir ein bißchen zu sehr der lose Weiberheld ist, und Lisbeth Salander freilich höchst ungewöhnlich und extravagant ist. Aber warum nicht, sie ist sehr erfrischend. Einiges aus ihrer Vergangenheit wird nur angedeutet, ich denke mal, daß in den Folgebänden darauf noch näher eingegangen wird.
Im Klappentext war die Rede vom "Ermittler
team" Blomkvist und Salander, allerdings fand ich, daß man sehr lange warten muß - fast bis in die Mitte des Buches - bis die beiden sich endlich mal persönlich kennenlernen und ein Team werden.
Ein paar kleinere Abzüge sehe ich in Sachen Realismus. Wir haben hier eine ziemliche Häufung von Sexual-, Gewalt- und Wirtschaftsverbrechen. Es gibt ja nun viele schwedische Krimiautoren (Mankell, Edwardson) und wenn ich diese Bücher lese, frage ich mich immer, ob es wirklich so viele Serienmörder, Psychopathen und kaputte Familien gibt in dem sozialen Schweden mit seinen nur 9 Mio Einwohnern. Das Verhältnis Schweinehunde zu normalen/sympathischen Menschen scheint mir hier doch sehr verzerrt. Na gut, es sind erfundene Geschichten, aber warum beschäftigen gerade solche Dinge die schwedischen Autoren immer so stark?
Daß der Fall letzen Endes mit Hilfe von
gelöst wird, erinnert mich sehr stark an die Bücher von Sjöwall/Wahlöö aus den sechziger/siebziger Jahren (die für mich immer noch
die Referenzbücher schlechthin für schwedische Krimis mit sozialem Anspruch sind) und bei denen es in "Die Tote im Götakanal" ganz ähnlich zur Auflösung des Falls kommt.
Jetzt lese ich, daß Larsson vorgehabt hat, 10 Bände zu schreiben - eine weitere Parallele zu Sjöwall/Wahlöö. Auch der Stil Larssons erinnert mich stellenweise an Sjöwall/Wahlöö, besonders diese genauen Beschreibungen z.B. wo penibel aufgezählt wird, was Blomkvist alles eingekauft hat, oder was er im einzelnen dann und dann getan hat, welche Bücher er liest usw.
Übrigens liefern Sjöwall/Wahlöö in "Die Tote im Götakanal" eine viel plausiblere Erklärung für die
, als Larsson dies in "Verblendung" tut:
Dieser religiöse Fanatismus, der sich in den zu den Morden passenden Bibelsprüchen zeigt - darauf wird dann gar nicht mehr eingegangen und für mich ist da einiges nicht ganz schlüssig.
Den Film habe ich nun auch gesehen, fand ihn auch spannend, habe aber auch hier einige kleine Kritikpunkte. Ich denke, ich hätte die Filmhandlung niemals verstanden, wenn ich das Buch nicht vorher gelesen hätte, weil vieles viel zu knapp erwähnt wird. Die ganze mühsame Recherchearbeit Blomkvists fehlt. (Okay, wäre langweilig im Film.) Und es hat mich gestört, daß einige Dinge im Film anders dargestellt wurden als im Buch - und zwar auch ganz Wesentliches, so z.B.
Lisbeths Verhalten beim Tod von Martin. Im Buch kann sie nichts mehr tun. Im Film läßt sie ihn bewußt sterben, obwohl sie ihn vielleicht hätte retten können. Auch wenn es sehr gut nachvollziehbar ist, daß sie keinen Rettungsversuch unternimmt: das finde ich schon einen ganz wesentlichen Unterschied.
Trotzdem war der Film sehenswert - allein schon die Landschaft!!
Natürlich werde ich Teil 2 und 3 lesen, sobald ich sie in die Finger bekomme (hoffentlich bald) und das Buch bekommt von mir, hauptsächlich wegen der Spannung
(und hoffentlich habe ich alles richtig verspoilert, was zuviel verrät)