Eins vorweg: ich bevorzuge leise, psychologisch ausgefeilte Krimis, die blutspritzenden Thriller sind nicht so mein Ding. Deshalb passen skandinavische Krimis grundsätzlich in mein Beuteschema, wie auch "Verblendung" durchaus hinein passt.
Meinen ersten Eindruck zur ersten Hälfte des Buches, den ich weiter oben beschrieben habe, kann ich leider nur teilweise zurück nehmen. Auch wenn das Buch dann durchaus spannend wurde, sind 350 Seiten Einleitung einfach zu viel. Oft ist ja der erste Teil einer neuen Krimi-Reihe ein wenig zäh, weil Personen und Szenario erst einmal eingeführt werden müssen; das ist bei diesem Buch aber nicht der Fall, denn über die Hauptfiguren Blomkvist und Salander erfährt man noch nicht allzu viel (lediglich der Salander-Handlungsstrang, in dem man Lisbeth schon recht gut kennen lernte, vermochte mich bei der Stange zu halten) - das kommt aber erst in der zweiten Hälfte ein wenig, aber vielleicht gibt es über Blomkvist auch nicht viel zu sagen: er ist mir nicht wirklich sympathisch, zu glatt und langweilig, aber auch zu unprofessionell (Cecilia) - Salander dagegen ist eine taffe junge Frau, die bei mir viele Sympathiepunkte gesammelt hat. Die unorthodoxe Lösung ihres Rechtsanwaltsproblems hat mir sehr gut gefallen.
Alle Figuren außer Salander sind oberflächlich gezeichnet und erreichen nie die psychologische Tiefe, die Emotionen erzeugt. Das ist für mich ein wesentlicher Mangel dieses Buches. Manche Figuren wirken sogar wie Karikaturen (Harald Vanger, Isabella Vanger), die aber glücklicherweise nicht so oft auftauchen.
Die Geschichte selbst ist dick aufgetragen und die Auflösung wird kurz und lieblos geliefert - da rächt es sich, dass Blomkvist mehr als 300 Seiten brauchte, um die Ermittlungen richtig aufzunehmen, denn dann bleiben eben nur noch knapp 400, um eine gute Geschichte zu entwickeln, die unter die Haut geht.
Ich kann immer noch nicht verstehen, dass dieses Buch so hoch gelobt wird - dabei ist es nicht schlecht, nur auch nicht besonders gut, für einen Thriller zu lahm, für einen atmosphärisch dichten Krimi zu oberflächlich - Durchschnitt eben.
Den zweiten Teil der Millenium-Trilogie werde ich sicher lesen (schon allein deshalb, weil das Buch bereits auf meinem SUB liegt

) und auch der dritte Teil wird sicher den Weg auf meinen Nachttisch finden, denn ich habe die Hoffnung, dass sich die Startschwierigkeiten nur auf den ersten Teil der Reihe beschränken.
Fazit: nach dem Getöse hatte ich mehr erwartet, trotzdem habe ich mich recht gut unterhalten.

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