Hi!
Nachdem ich spontan «Vergebung» gekauft hatte und erst zuhause merkte, dass es der dritte Teil einer Trilogie ist, kaufte und las ich zunächst die ersten Bände. Es hat sich gelohnt

Inhalt:
Der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist wird wegen Verleumdung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte einen schwedischen Industriellen als Betrüger bezeichnet, ohne es beweisen zu können. Da er Mitinhaber des Magazins ist, in dem er die Behauptungen aufgestellt hat, kann ihm die Chefin nicht einfach kündigen, aber tragbar ist er eigentlich auch nicht mehr. Da kommt das Angebot, statt der üblichen Journalistenarbeit eine Biographie der Familie Vanger zu schreiben, gerade recht. Das Angebot kommt von Henrik Vanger, einem der Oberhäupter des weitverzweigten Vanger-Clans. Die Vangers sind Grossindustrielle und gleichzeitig eine Familie mit vielen dunklen Geheimnissen.
Eines der Geheimnisse betrifft das nie geklärte Verschwinden der jungen Harriet Vanger in den sechziger Jahren. Mehr als vierzig Jahre nach dem Ereignis soll Blomkvist nicht nur die Vanger-Biografie schreiben, sondern auch herausfinden, was mit Harriet geschah. Blomkvist betrachtet den Auftrag zunächst als eine willkommene Gelegenheit, aus der Schusslinie zu verschwinden und im einsamen Hedeby auf Spurensuche zu gehen. Doch bald ist er vom Fall Harriet genauso fasziniert wie Henrik Vanger.
Als Blomkvist mit dem Fall nicht mehr alleine weiterkommt, greift er auf die Hilfe der Privatdetektivin Lisbeth Salander zurück, die in dem Buch die zweite Hauptfigur ist und die in dem unteren Abschnitt näher vorgestellt wird.
Meine Meinung:
Ein äusserst gelungenes Buch, das Unterhaltung im allerbesten Sinne bietet und fast keine Schwächen aufweist. Das einzige, das ich Larsson ankreiden würde, ist die vornehme Zurückhaltung mit Fakten. Vieles wird nur vage angedeutet (so etwa, was es mit Lisbeth Salanders Abneigung gegen Behörden auf sich hat) oder viel zu spät erklärt, um die Spannung hoch zu halten. Dabei wären solche Kunstgriffe gar nicht nötig, um den Leser ans Buch zu fesseln - es ist auch so spannend genug. Andrerseits handelt es sich bei «Verblendung» um den Auftakt einer Trilogie* und deshalb rechne ich damit, dass die fehlenden Puzzleteilchen in den Folgebänden noch geliefert werden.
Abgesehen davon kann ich dieses Buch, bei dem nicht ganz klar ist, ob man es unter Krimi, Thriller oder Familiensaga einordnen soll, nur loben. Die Geschichte ist kompliziert, es gibt mehrere Handlungsstränge, von denen jeder einzelne ein eigenes Buch füllen würde und den Überblick über die unzähligen Vangers zu behalten, ist praktisch unmöglich. Das ist trotzdem kein Grund zur Panik, Larsson führt einen sicher durch dieses Labyrinth und es kommt nie die Befürchtung auf, das man den Anschluss verlieren könnte. Dazu trägt auch die gelungene Aufteilung bei: Das Vorgeplänkel (=die Stelle, an der man sich alles erlesen hat, was man bereits aus dem Klappentext weiss) ist zwar nicht kurz, aber erfrischend kurzweilig. Der Mittelteil und der Schluss sind als solche erkennbar, vor allem der Schluss wird nicht einfach auf 30 Seiten hingeschludert (wie so oft bei diesem Genre), sondern Larsson nimmt sich Zeit und Platz, die Geschichte zu Ende zu erzählen. Sowas ist sehr erfreulich.
Sogar noch besser sind die Charaktere gelungen, allen voran die sozial inkompetente, aber hochintelligente Lisbeth Salander. 25 Jahre alt, 1,50 Meter klein, keine 40 Kilo schwer, gepierct, tättowiert und unter Vormundschaft stehend, erwartet man als Leser zunächst nicht die Power, die in dieser Frau steckt. Es dauert allerdings nicht lange und man ist einfach nur noch fasziniert. Schon alleine wegen Lisbeth Salander werde ich die beiden anderen Teile noch lesen. Sie ist eine verstockte und unzugängliche Person, mit der ich im realen Leben wohl Mühe hätte, aber als Charakter in einem Buch ist sie ein wahres Geschenk und schon jetzt einer meiner Lieblinge.
Das Buch umfasst 688 Seiten und kaum eine davon ist zu viel drin, weil die Geschichte sehr dicht und kompliziert ist. Larsson fand genau die richtige Mischung von Beschreibungen, Action, Enthüllungen und gelungenen Dialogen, dass nie ein Gefühl der Langatmigkeit aufkommt. Das Buch hat genau die richtige Länge, was selten genug vorkommt.
8 von 10 Punkten.

Alfa Romea