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Autor Thema: Arthur Schnitzler - Traumnovelle  (Gelesen 5179 mal)

Juggalette

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #15 am: 27. Dezember 2007, 21:36:38 »

Ich liebe die Traumnovelle!!!  :klatschen:
Es war mein erstes Buch von Arthur Schnitzler und ich war begeistert.

während Albertine ziemlich plastisch, real geträumt hat, lebte Fridolin wie im Traum - und dieses Verwischen zwischen Traum und Realität ist das Bemerkenswerte an dieser Novelle.

Genau das was Dumbler geschrieben hat fand ich auch so interessant an dem Buch und dem hab ich auch nichts mehr hinzuzufügen! :breitgrins:
Den Film habe ich auch gesehen und ich finde ich auch nicht so schlecht, jedoch unterscheidet sich der Film schon sehr von der Vorlage...
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Lullyblue

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #16 am: 03. März 2008, 14:27:14 »

Ich beneide euch alle.

Leider hab ich die Traumnovelle überhaupt nicht verstanden und immer noch keinen blassen Schimmer, was mir der Autor damit sagen will. Irgendwie passt die Rahmenhandlung um Fridolin und Albertine für mich so gar nicht zur eigentlichen Geschichte. Wieso zum Beispiel erkennt Fridolin im Leichenschauhaus beim Blick auf die Tote, die er nicht einmal identifizieren kann, dass er mit Albertine leben will, auch wenn er sie kurz vorher nicht mehr leiden konnte? Was ist in diesem Ballsaal passiert und warum tat man das? Eigentlich bleiben alle Fragen offen in dieser Geschichte ... Mir kam es eher so vor, als sei dem Autor die Fantasie ausgegangen und er konnte deshalb nicht beenden, was er so hoffnungsvoll begann. Auch kapier ich überhaupt nicht, was der Anfang der Geschichte (der Text aus dem Märchen der Tochter), der eigentlich noch mal eine Rahmenhandlung ist, mit dem Rest zu tun hat.

Der Schreibstil ist schon toll, da gibts gar nichts. Aber interpretieren könnte ich dieses Buch nie und nimmer. Leider eben!
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Tia

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #17 am: 04. März 2008, 12:58:22 »

Hallo,

mir hat die Traumnovelle auch sehr gut gefallen. Ich hatte vor einigen Jahren mal eine regelrechte Schnitzlerphase und dieses war mein liebstes von ihm. Ein traumtrunkenes, verwirrendes Werk, in dem Realtität und Traum interessant verwoben werden. Mir ging es damals wie den meisten hier, für mich steht vor allem der reale Traum und die traumhafte Realität im Vordergrund. Fast unweigerlich stellt sich die Frage, ob tatsächlich eins von beiden besser oder schlechter als das andere ist, bzw. ob es denn überhaupt so ein großer Unterschied ist. Ich finde, das ist, mehr oder weniger unterschwellig, eine gewagte These. Denn die Beziehung von Albertine und Fridolin findet ja dadurch, dass beide "Erlebnisse" hatten wieder ihr Gleichgewicht. Sie akzeptieren sich als Menschen und finden gerade durch die Entfernung oder Entfremdung wieder zu einander. Darin liegt ihre Gleichheit.
Ich weiß, dass Freud von der Traumnovelle begeistert war (im Bezug auf Schnitzler allgemein, schrieb Freud in einem Brief an ihn sogar von einer "Doppelgängerscheu", die ihn dazu veranlasst hat, den Kontakt zum Autor ein bisschen zu meiden). Ich denke, Eros und Thanatos kommen gerade in der Traumnovelle gut zum Ausdruck. Andere psychoanalytische Motive wahrscheinlich auch (die Lektüre liegt bei mir leider schon zu lange zurück, als dass ich das noch genau bennen könnte - ich glaube, ich sollte wohl mal wieder die Traumnovelle lesen  :breitgrins:). Das ist sehr spannend.

Den Film habe ich erst später gesehen und fand ihn auch sehr gelungen. Allerdings hätte ich mir die Umsetzung etwas anders vorgestellt.

@Lullyblue
Ich würde gerne etwas zu Deinen Fragen sagen. Leider ist es schon zu lange her, dass ich die Traumnovelle gelesen habe und ich befürchte, dass ich mit dem Abstand etwas falsch interpretieren könnte. Die Szene mit der Toten, durch die Fridolin wieder an ein Leben mit Albertine denkt, ist mir z.B. gar nicht mehr richtig im Gedächtnis. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass die Gewissheit eines sicheren Endes, die Liebe wieder beflügeln mag. Egal wie sehr man sich von einem eigentlich geliebten Menschen entfernt hat, kann der Anblick des Todes (der ganz gewiss auch diesen Menschen irgendwann ereilen wird) das ganze doch wieder relativieren. So würde ich das eventuell verstehen. Aber, wie gesagt, ich erinnere mich gar nicht mehr so richtig an diese Stelle. Dass Schnitzler die Ideen ausgegangen sind, glaube ich persönlich nicht. Ich denke, er hat die Traumnovelle schon genau so konzipiert und gewollt. Dass der Eindruck allerdings trotzdem enstehen kann, kann mir aber auch gut vorstellen.

Liebe Grüße
Tia 
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Grotesque

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #18 am: 06. April 2009, 11:16:16 »

Nach dem Lesen bin ich ein wenig geteilter Meinung. Ich hab das Buch eigentlich nur "zwischendurch", immer mal ein paar Seiten, gelesen. Allerdings merke ich, dass durch das nur schrittweise Lesen des Buches mir der Anfang der Novelle schon fast wieder in Vergessenheit geraten ist.

Der Schreibstil Schnitzer's gefiel mir sehr gut, mir wurden die Szenen vor Augen regelrecht lebendig. Besonders die Beschreibung des Balles in der Villa und der Begegnung mit der geheimnisvollen, nackten Frau stachen für mich als recht beeindruckend heraus.
Der Traum Albertine's und die erlebte Realität Fridolin's, die so traumähnlich verschwommen und ungreifbar wirkte, scheinen die Alltäglichkeit ihres Ehelebens allerdings nicht vordergründig beeinflusst zu haben. Am Ende wird der Bogen zum Anfang wieder geschlossen, das tägliche Klopfen des Dienstmädchens weckt sie und damit beginnt ein neuer Tag, der den die Erlebnisse beider vorangegangenen Alltag wieder herstellt. Für mich wird nicht deutlich, ob Albertine und Fridolin nun tatsächlich in ihren angestammten Rhythmus mit der alten, sich auflösenden Liebe verfallen oder die Erkenntnisse von Traum und Wirklichkeit nutzen, um einen neuen Anfang wagen zu können. Nach ihren Erlebnissen in Traum und Realität sollten sie sich ihrer Liebe näher bewusst geworden sein, allerdings lässt das Ende nicht auf eine langfristige Erneuerung ihrer Liebe hoffen. Beide haben einander betrogen, Albertine unbewusst während ihres Traumes, womit sie vielleicht das eintönige Eheleben verarbeitet, welches sie nicht befriedigt. Fridolin hingegen betrügt sie mit dem Herzen, nicht sexuell. Er sehnt sich nach all diesen anderen Frauen, die ihm im Laufe der Nacht begegnet sind. Der geheimnisvollen Unbekannten forscht er sogar wie in einem Wahn nach. An Albertine denkt er währenddessen fast gar nicht mehr. Er wird sich erst der Vergeblichkeit seiner Suche nach der Unbekannten bewusst, als er den toten Leichnam der Frau sieht und erkennt, dass sein Nachforschen keinen Sinn mehr hat. Das Höchste an Erregung, an Spannung und an sexueller Gier scheint er während des Tanzes mit der nackten Frau erlebt zu haben, sodass eine Steigerung hiermit unmöglich wäre. Diese Erkenntnis treffend kehrt er zu seiner Frau und seinem alten, gewohnheitsgetreuen, eintönigen Leben zurück. 

Für dieses nachdenklich machende Werk, bei dem mir jedoch irgendetwas fehlt - vielleicht ein eindeutigeres Ende, vielleicht eine bessere Zukunft für Albertine und Fridolin - gebe ich: 4ratten
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sandhofer

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #19 am: 06. April 2009, 13:18:54 »

Für dieses nachdenklich machende Werk, bei dem mir jedoch irgendetwas fehlt - vielleicht ein eindeutigeres Ende, vielleicht eine bessere Zukunft für Albertine und Fridolin -

So verschieden sind die Leut': Ich mag das und für mich ist es gerade die Stärke Schnitzlers, eindeutige Enden zu vermeiden ... :winken:
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mondy

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #20 am: 29. April 2009, 19:40:46 »



Ich muss mich jetzt hier mal als Arthur-Schnitzler-Fan outen!  :breitgrins: Ich mag seinen Schreibstil und man weiß nie, wo er einen als nächstes hinführt. Gerade in der "Traumnovelle" ist man sich nicht so sicher, was nun Realität und was Traum ist ... selbst dem Hauptcharakter scheint alles wie im Nebel und nicht wirklich zuordbar.
Allerdings bin ich durchaus der Meinung, dass Fridolins Erlebnisse wirklich stattfinden (auch wenn er es selbst kaum glauben mag!). In einer Nacht lernt er verschiedene Frauen kennen, in deren Lebensgeschichte er einen kurzen Einblick erhält, die "Tür" aber sofort wieder vor ihm verschlossen wird. Die Geschehnisse können später von ihm nicht überprüft werden, da die Frauen am nächsten Tag alle verschwunden sind. Da bleibt natürlich ein Gefühl der Unsicherheit!
Für den Leser kommt noch dazu, dass wir auch von den anderen Personen nicht besonders viel erfahren. Das macht die ganze Sache noch undurchsichtiger. Auch die vielen offenen Fragen am Schluss verunsichern (was ich persönlich für einen Vorteil des Buches halte!):
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Achja, ich liebe solche Enden. Da kann man sich ewig seine eigenen Gedanken machen und man weiß doch nie, wie es "wirklich" war!
Die ganze Novelle ist von Symbolen durchsetzt, leider kann ich alleine nicht alle erkennen und begreifen ... ich glaube, das nimmt ein bisschen vom Lesegefühl!

Trotzdem finde ich die Novelle super und vergebe  4ratten
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Yannick

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #21 am: 23. Mai 2009, 20:48:22 »

Hey :winken:,

ich fand die traumnovelle auch super, ich denke ich habe auch alles verstanden nur den teil mit der tochter des kostümverleihersist mir noch nicht so ganz klar vielleicht kann mir den einer erklären?

ich vergebe: 4ratten

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Annabas

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Antw:Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #22 am: 16. August 2009, 12:04:31 »

Hallo miteinander,

gestern abend habe ich die Traumnovelle auch gelesen - im zweiten Versuch.

Der erste Versuch scheiterte an meinem Eindruck, Schnitzlers Sprache sei altmodisch. Komischerweise hatte ich diesmal nicht das gleiche Gefühl, im Gegenteil, diesmal schien sie mir geradezu modern. In jedem Fall ist es ein wunderbarer Schreibstil.

Das Herausziehen dieser kurzen, aber entscheidenden Episode aus Albertines und Fridolins Leben gefällt mir auch gut. Die Ungewissheit, woher die beiden kommen und wohin sie - nach diesen Erlebnissen - gehen, lässt dem Leser viel Spielraum für eigene Überlegungen, trotzdem wirkt die Geschichte auf mich abgeschlossen und rund - Albertine und Fridolin sind erwacht, in jedem Sinne.

Den Film werde ich mir demnächst mal ausleihen, jetzt bin ich doch neugierig geworden.

Viele Grüße von Annabas  :winken:
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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #23 am: 28. Juni 2011, 15:39:25 »

Hallo,
auch ich habe heute Mittag die Traumnovelle fertig gelesen und bin sehr beeindruckt. Die Sprache war zwar nicht modern aber doch klar und frisch. Ich denke über den Inhalt wurde schon sehr ausführlich geschrieben und ich kann dem eigentlich nichts hinzufügen. Trotzdem würde ich gerne erwähnen, dass die Erzählung über die Orgie, in die Fridolin rutscht eine der besten war, die ich seit längerer Zeit gelesen habe.
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Breña

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Re: Arthur Schnitzler - Traumnovelle
« Antwort #24 am: 11. März 2012, 22:22:22 »

Wien zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Arzt Fridolin führt ein glückliches Leben mit seiner Frau Albertine und ihrer gemeinsamen Tochter. Nach einem Krankenbesuch führt ihn sein Weg eines Nachts nicht nach Hause, sondern in eine Bar, wo er einen alten Bekannten wiedertrifft. Und wo die Ereignisse dieser Nacht ihren Anfang nehmen.

Fridolin ging mir in seiner selbstgerechten Art unglaublich auf die Nerven. Zwar ist er derjenige, der nächtens von einem Abenteuer zum nächsten stolpert, aber angesichts des erotischen Traums seiner Frau ist Albertine gleich für ihn gestorben? Er spielt mit den Gefühlen einer jungen Frau in einer aufwühlenden Situation, schleicht sich auf einem ausschweifenden Maskenball ein und landet bei einer Hure - und verschweigt seiner Frau zuerst all das. Seine Fantasien sind ständig sehr eindeutig, auch wenn es nie zum Äußersten kommt. Aber als seine Frau ihm ihren Alptraum erzählt, in dem sie sich mit einem Anderen vergnügt, während er leidet, sieht er die Ehe als nicht fortsetzenswert an? Eine ordentliche Abreibung hätte ich diesem scheinheiligen Schnösel mehr als gegönnt.

Vielleicht hat mich mein Unverständnis für das Handeln von Fridolin daran gehindert, mich auf die Erzählung einzulassen, aber die Geschehnisse haben mich nicht packen können. Diese traumhaft-surrealen Züge der Ereignisse und das nur vordergründig glückliche Zusammenleben des Ehepaars waren zu schemenhaft. Die Botschaft, die sich für mich herauskristallisierte, ist, seinem Partner besser nicht offen und ehrlich gegenüberzutreten - keine besonders moralische Moral. Wollte Schnitzler vielleicht nur eine anrüchige Novelle schreiben und hat sich dabei des Traumhaften bedient, wobei er dank seines Könnens ein kleines stilistisches Meisterwerk verfasste? Ich glaube nicht, dass es an der Kürze der Novelle lag, dass sie für mich nicht funktioniert hat. Ohne Frage ist sie hervorragend komponiert, allerdings konnte mich das nicht über die anderen Punkte hinwegtröstet.

2ratten

Viele Grüße
Breña
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