Hallo,
mir hat die Traumnovelle auch sehr gut gefallen. Ich hatte vor einigen Jahren mal eine regelrechte Schnitzlerphase und dieses war mein liebstes von ihm. Ein traumtrunkenes, verwirrendes Werk, in dem Realtität und Traum interessant verwoben werden. Mir ging es damals wie den meisten hier, für mich steht vor allem der reale Traum und die traumhafte Realität im Vordergrund. Fast unweigerlich stellt sich die Frage, ob tatsächlich eins von beiden besser oder schlechter als das andere ist, bzw. ob es denn überhaupt so ein großer Unterschied ist. Ich finde, das ist, mehr oder weniger unterschwellig, eine gewagte These. Denn die Beziehung von Albertine und Fridolin findet ja dadurch, dass beide "Erlebnisse" hatten wieder ihr Gleichgewicht. Sie akzeptieren sich als Menschen und finden gerade durch die Entfernung oder Entfremdung wieder zu einander. Darin liegt ihre Gleichheit.
Ich weiß, dass Freud von der Traumnovelle begeistert war (im Bezug auf Schnitzler allgemein, schrieb Freud in einem Brief an ihn sogar von einer "Doppelgängerscheu", die ihn dazu veranlasst hat, den Kontakt zum Autor ein bisschen zu meiden). Ich denke, Eros und Thanatos kommen gerade in der Traumnovelle gut zum Ausdruck. Andere psychoanalytische Motive wahrscheinlich auch (die Lektüre liegt bei mir leider schon zu lange zurück, als dass ich das noch genau bennen könnte - ich glaube, ich sollte wohl mal wieder die Traumnovelle lesen

). Das ist sehr spannend.
Den Film habe ich erst später gesehen und fand ihn auch sehr gelungen. Allerdings hätte ich mir die Umsetzung etwas anders vorgestellt.
@Lullyblue
Ich würde gerne etwas zu Deinen Fragen sagen. Leider ist es schon zu lange her, dass ich die Traumnovelle gelesen habe und ich befürchte, dass ich mit dem Abstand etwas falsch interpretieren könnte. Die Szene mit der Toten, durch die Fridolin wieder an ein Leben mit Albertine denkt, ist mir z.B. gar nicht mehr richtig im Gedächtnis. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass die Gewissheit eines sicheren Endes, die Liebe wieder beflügeln mag. Egal wie sehr man sich von einem eigentlich geliebten Menschen entfernt hat, kann der Anblick des Todes (der ganz gewiss auch diesen Menschen irgendwann ereilen wird) das ganze doch wieder relativieren. So würde ich das eventuell verstehen. Aber, wie gesagt, ich erinnere mich gar nicht mehr so richtig an diese Stelle. Dass Schnitzler die Ideen ausgegangen sind, glaube ich persönlich nicht. Ich denke, er hat die Traumnovelle schon genau so konzipiert und gewollt. Dass der Eindruck allerdings trotzdem enstehen kann, kann mir aber auch gut vorstellen.
Liebe Grüße
Tia