Stanislaw Lem ~ Der futurologische Kongress

Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2009 (1971)
Seiten: 138
Format: Taschenbuch
Der Raumfahrer Ijon Tichy nimmt am Futurologischen Kongress im Staat
Costricana teil, der die wachsende Weltbevölkerung zum Thema hat. Als Tichy plötzlich einen Anfall von unerklärlicher Liebe und Zuneigung "erleidet", wird ihm klar, dass das Trinkwasser versetzt wurde - mit sogenannten
Benignatoren (chemische Begütigungsmittel), durch die der Diktator des Landes einen Aufstand der unzufriedenen Bevölkerung verhindern will. Dennoch kommt es zum Aufstand, das Militär bekämpft die Bevölkerung, das Hilton wird zerstört. Tichy flieht mit einigen Kollegen in die Kanalisation, er halluziniert aufgrund der freigesetzten chemischen Stoffe des Militärs. Schließlich legt man ihn in flüssigen Stickstoff, und Tichy wacht in einer fernen Zukunft wieder auf...
In der Ich-Form berichtet uns Tichy seine Erlebnisse in der Zukunft, teilweise sind es Tagebucheinträge, in denen er seiner Verwirrung und seinem Unglauben über die unbekannte neue Welt Ausdruck verleiht. Die Welt, die er sieht, hat nach wie vor das Problem des überproportionalen Bevölkerungswachstums, doch herrscht nun Frieden, Wohlstand und Glück für jedermann. Tichy kommt schnell hinter das Geheimnis - es ist die
Psychemie, also der gezielte und unbemerkte Einsatz von Psychopharmaka, der die Menschen in ihren Gefühlen und Gedanken manipuliert. Ebenso hat sich die Sprache rasant verwandelt: Begriffe, die Tichy kannte, haben nun eine völlig andere Bedeutung, andere sind völlige Neuschöpfungen, so dass ihm eine Kommunikation als sehr schwierig erscheint.
Stanislaw Lem entwickelt in diesem Buch in rasantem Tempo eine Fülle an skurrilen Ideen und bizarren Phantasien, die man dennoch gut nachvollziehen kann. Das Spiel mit der Sprache treibt Lem ab einem gewissen Punkt auf die Spitze, so dass es nicht immer leicht ist zu folgen, manchmal mag man gar nicht mehr als ein paar Seiten am Stück lesen, weshalb ich für dieses kurze Buch auch mehrere Wochen gebraucht habe. In jedem Satz steckt eine neue ungeheure Idee, Lem lässt dem Leser kaum Zeit zum Durchatmen, denn schon geht es weiter in diesem Strudel. Dennoch steckt im Kern eine gewisse Wahrheit, die mir Unbehagen bereitet hat.
Ganz sicher kein Buch für zwischendurch. Wenn man unbefangen herangeht, wird man ein Kleinod der Science-Fiction-Lektüre kennenlernen.
