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Autor Thema: Ray Bradbury - Fahrenheit 451  (Gelesen 16258 mal)

nimue

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« am: 10. Januar 2004, 10:32:21 »



Hallihallo,

ein Buch, das jeder Bücherfan kennen sollte!

Fahrenheit 451 von Ray Bradbury

Klappentext

Im totalitären Amerika der Zukunft haben das allgegenwärtige Fernsehen und das Verbot jeglicher Bücher eine entindividualisierte, denkfreie, gleichgültige Massengesellschaft geschaffen. Die Feuerwehr löscht keine Brände mehr, sondern vernichtet gefundene Bücher mit einer 451 Grad Fahrenheit heissen Kerosinlösung. Feuerwehrmann Guy Montag beginnt, immer stärker an diesem System zu zweifeln und wird, ermutigt von der jungen Clarisse Mc Clellan, bald zum Anarchisten: Er nimmt unerlaubt bei Einsätzen Bücher mit nach Hause und beginnt zu lesen.

---------

Meine Meinung

Guy Montags schönstes Gefühl ist es, wenn er tausende von mit Kerosin überschütteten Büchern mit einem Flammenwerfer in Brand setzt. Denn Bücher sind heutzutage die Wurzel allen Übels: Sie bringen die Menschen zum Nachdenken und Zweifeln. Zum Erkennen von Unterschieden, obwohl das Ziel des Staates die absolute Gleichheit ist. Nach einem Einsatz lernt er die junge Clarisse McClellan kennen. Das Mädchen geht mit offenen Augen durch die Welt, kennt den Geruch von Laub und weiss noch, dass man morgens Tau im Gras findet. Durch ihre klugen Fragen in einer Welt, in der niemand Fragen stellen soll, öffnet sie auch Guy die Augen.

Was kann man über ein Buch schreiben, das bereits 1953 geschrieben wurde, das aber immer noch so beängstigend eine mögliche Zukunft prophezeit. Sieht man sich die Entwicklungen unserer Welt an, tun wir uns schwer, die beschriebene "Spaßgesellschaft" in Ray Bradburys Klassiker nicht zu erkennen. Bereits heute verbringen wir mehr Zeit vor dem Fernseher, tun uns dümmliche Soap Operas oder Talk Shows an - machen diese zu unserer "Familie". Sehr lange kann es nicht mehr dauern und "Fahrenheit 451" ist nicht mehr Utopie, sondern schreckliche Realität. Eine Feuerwehr, die Brände legt, anstatt sie zu löschen.

Einmal angefangen, kann man das Buch kaum wieder weglegen und auf der letzten Seite angelangt, bleibt viel Bestürzung und etwas Hoffnung zurück. So lässt sich das Buch mit seinen knapp 180 Seiten durchaus in einem Rutsch lesen (wie bei mir geschehen). Natürlich regt es zum Nachdenken an, doch es ist dabei sehr spannend und flüssig geschrieben und für jeden kritisch denkenden Menschen und Bibliophilen ohne Einschränkung empfehlenswert.

5ratten

Liebe Grüße
nimue
« Letzte Änderung: 16. August 2006, 09:40:24 von nimue »
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Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Charlotte

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #1 am: 19. Februar 2005, 22:52:17 »

Ich habe dieses Buch heute auch in einem Rutsch durchgelesen und war sehr beeindruckt.

Wirklich erschreckend wie nah wir teilweise einer solchen Zukunftsvision sind. Zum Beispiel zeigt es uns dieser Abschnitt aus dem Buch sehr gut:

"Beschäftige die Menschen mit Gewinnspielen - wer am meisten Schlagertexte kennt oder Hauptstädte aufzählen kann und dergleichen. Stopfe ihnen den Kopf voll unverbrennbarer Tatsachen, bis sie sich zwar überladen, aber doch als "Fundgrube des Wissens" vorkommen.
Dann glauben sie, denkende Menschen zu sein und vom Fleck zu kommen, ohne sich im geringsten zu bewegen.
Und sie sind glücklich, weil diese Tatsachen keinem Wandel unterworfen sind. Es wäre falsch ihnen so glitschiges Zeug wie Philosophie oder Soziologie zu vermitteln, um Zusammenhänge herzustellen.
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»Ein Buch ist wie eine Hand, die ins Dunkle ausgestreckt wird - in der Hoffnung, daß ihr eine andere Hand begegnet.«

Harriet Beecher-Stowe

Wendy

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #2 am: 19. Februar 2005, 23:17:21 »

Am Ende dieses Buches hatte ich das starke Bedürfnis, Peter Pan auswendig zu lernen  :breitgrins: . naja, weiter als 2 Seiten bin ich natürlich nicht gekommen, aber so ein Buch bringt einen halt doch zum Nachdenken!
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Galadriel43

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #3 am: 19. Februar 2005, 23:24:05 »

Ich hab das schon vor Jahren gelesen und ich fand es ein gutes Buch, kein schönes.

Leider seh ich immer mehr, das es wirklich sich in die Richtung entwickelt. Wer heute fragen stellt, der hat doch schon fast verloren. Und das Pseudowissen, was in den Gameshows abgefragt wird, bekommst du in Dokumentationen vermittelt.  :sauer:
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Liebe Grüße
Galadriel

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Skywalkerin

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #4 am: 20. Februar 2005, 10:42:23 »

Ich hab das Buch auf meinem SUB und um ehrlich zu sein, wollte ich es gar nicht so recht lesen, weil mich alleine der Gedanke an verbrannte Bücher ganz fertig macht.
Vielleicht sollte ich mich aber doch überwinden.

Viele Grüße
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Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.
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Kringel

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #5 am: 10. August 2005, 09:24:53 »

Ja, die Sache mit der Rundum-Berieselung über Bildschirmwände kommt einem erschreckend bekannt vor - damals Zukunftsvision, heute im Zeitalter ununterbrochener Sitcoms, Soaps, Telenovelas und Schmuddeltalksendungen, die über superflache Riesenplasmabildschirme flimmern und aus Dolby-Surround-Anlagen dröhnen, schon Realität!
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Zoltar

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #6 am: 10. August 2005, 09:28:34 »

Ich kann mich nimue nur anschließen: Neben "1984" und "Standing On Zanzibar" sicherlich DAS beklemmendste SF-Buch, das ich gelesen habe. Allerdings wesentlich "poetischer" geschrieben...
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Gesegnet diejenigen, die nicht gegoogelt haben, und dennoch glauben.

nimue

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #7 am: 10. August 2005, 09:29:11 »

Hallo Kringel,

Zitat von: Kringel
Ja, die Sache mit der Rundum-Berieselung über Bildschirmwände kommt einem erschreckend bekannt vor - damals Zukunftsvision, heute im Zeitalter ununterbrochener Sitcoms, Soaps, Telenovelas und Schmuddeltalksendungen, die über superflache Riesenplasmabildschirme flimmern und aus Dolby-Surround-Anlagen dröhnen, schon Realität!


Ich glaube, das war es auch, was ich am erschreckensten fand! Beängstigend, wenn Autoren so in die Zukunft sehen können  :entsetzt:

Es ist ja inzwischen wirklich so, dass das TV einer Ersatzfamilie gleichkommt. Womit werden Kinder ruhig gehalten? Womit beschäftigt man sich abends? Sehr traurig.

Liebe Grüße
nimue
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Zoltar

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #8 am: 10. August 2005, 09:33:23 »

Zitat von: nimue

Es ist ja inzwischen wirklich so, dass das TV einer Ersatzfamilie gleichkommt. Womit werden Kinder ruhig gehalten? Womit beschäftigt man sich abends? Sehr traurig.


Nur, wenn man es zuläßt, nimue. Bei mir ist die Glotze nur ein "Staubfänger" (ich weiß gar nicht mehr, wann ich sie das letzte mal einschaltete - wird wohl vor Wochen sein... hmmm... eigentlich ein gutes Zeichen, oder?)
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nimue

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #9 am: 10. August 2005, 09:35:30 »

Hallo Zoltar,

Zitat von: Zoltar
Nur, wenn man es zuläßt, nimue. Bei mir ist die Glotze nur ein "Staubfänger" (ich weiß gar nicht mehr, wann ich sie das letzte mal einschaltete - wird wohl vor Wochen sein... hmmm... eigentlich ein gutes Zeichen, oder?)


Das ist aber leider nicht die Regel. Ich selbst schalte den TV auch eher selten an - o.k... am Wochenende dann schon für eine schöne DVD. Aber wenn ich mir so ansehe, was die Kids im Umfeld unseres Pflegekinds so treiben. Dann Gute Nacht. Da hört man nur "Lesen ist was für Bekloppte" (O-Ton unserer Pflegegöre vor zwei Tagen).

Liebe Grüße
nimue
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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #10 am: 10. August 2005, 09:54:25 »

Zitat von: nimue
Aber wenn ich mir so ansehe, was die Kids im Umfeld unseres Pflegekinds so treiben. Dann Gute Nacht. Da hört man nur "Lesen ist was für Bekloppte" (O-Ton unserer Pflegegöre vor zwei Tagen).


Da hast du natürlich recht. Wenn man Kindern so ein Weltbild vermittelt, wie du es erwähnt hast, dann grenzt das für mich an geistige Körperverletzung!

Als ich vor ungefähr einem Jahr beschloß, auf die Glotze weitgehend zu verzichten, hatte ich sogar die Befürchtung, dass ich in meinem Bekanntenkreis einfach nicht "mithalten" werde können. Heutzutage sehe ich, dass dieses "Problem" faktisch nicht existent ist. Durch das Internet versorge ich mich mit Informationen, über Soaps und TV-Shows unterhalte ich mich einfach nicht. Und, was soll ich sagen, meine Kollegen haben es akzeptiert...
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Kringel

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #11 am: 10. August 2005, 09:59:40 »

Bei mir ist die Glotze auch hauptsächlich für die Donnerstägliche DVD und für die allabendliche Zocksession da. Aber irgendwer muß doch die ganzen Schrottsendungen gucken, sonst würden sie nicht rund um die Uhr gezeigt werden.

Schon lustig, daß die Kids einen heute mit staunenden Augen angucken, wenn man erzählt, daß es mal so etwas wie einen "Sendeschluß" gegeben hat.

"Onkel, was ist Sendeschluß?"
"Wenn das Programm aufhört"
"Wie - aufhört?"
"Na, wenn danach nix mehr kommt in der Glotze!"
"Nichts mehr kommt??!??!?"

Und so weiter...
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Halley

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #12 am: 10. August 2005, 13:38:05 »

Meine Schwester (7 Jahre) verbringt nicht weniger als 4 Stunden vor dem Ferseher jeden Tag. Das schlimmste daran ist, dass ich da teilweise selber schuld bin. Sie weiß nicht, wie sie sich alleine beschäftigen könnte, und dann kommt sie zu mir. Und da ich meine Ruhe haben möchte, sage ich: "Ok, du darfst den Fernseher einschalten". Dann ist sie oberglücklich und lässt mich in Ruhe.

Was fahrenheit 451 angeht, ich finde das Buch große Klasse, wie auch vieles andere von Ray Bradbury.
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Valentine

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #13 am: 10. August 2005, 13:43:02 »

Zitat von: Zoltar
Zitat von: nimue
Aber wenn ich mir so ansehe, was die Kids im Umfeld unseres Pflegekinds so treiben. Dann Gute Nacht. Da hört man nur "Lesen ist was für Bekloppte" (O-Ton unserer Pflegegöre vor zwei Tagen).


Da hast du natürlich recht. Wenn man Kindern so ein Weltbild vermittelt, wie du es erwähnt hast, dann grenzt das für mich an geistige Körperverletzung!


*unterschreib*

Da tut es richtig gut, Leute wie unsere Nachbarn kennenzulernen. Helena (4) und Henrik (knapp 2) dürfen nur im absoluten Ausnahmefall fernsehen - und wollen auch gar nicht.
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
George Eliot: Middlemarch

Nischa

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Ray Bradbury - Fahrenheit 451
« Antwort #14 am: 22. August 2005, 23:07:32 »

Hallo,

ich habe "Fahrenheit 451" auch vor einiger Zeit gelesen.
Die Bücherverbrennung ging schon sehr nahe und ich mußte mir vorstellen, wie es mir wohl erginge, wenn das Lesen und Besitzen von Büchern gänzlich verboten wäre.
Wäre ich auch in de Untergrund gerutscht? Wäre ich ein Büchermensch geworden? Da ist die Frage "Welches Buch bist Du?" aus einem anderen Teil dieses Forums, durchaus in einem anderen Licht zu sehen.

Wie Ihr oben schon schriebt, ist es für die Kinder und Jugendlichen einfach nicht mehr cool oder hip oder fett (ich weiß noch nicht einmal mehr welches Wort dafür gerade "in" ist).
Da wird über Leseratten und Bücherwürmer gelacht.
Ich galt ja schon in meiner Jugendzeit als "Freak", weil ich gerne und viel las. Ich habe mir dann auch nur Freunde gesucht, die das auch taten. Da waren wir dann die "Komischen".
Das kann man fast als Verbot des Lesens sehen, wenn die Peergroup einen nicht mehr anerkennt, wenn man liest.

Das Phänomen TV greift immer mehr um sich. Die Geräte müssen immer größer werden und immer mehr High Tech anbieten.
Wer sagt, er hätte keinen "Fernseher", wird schief angesehen und als Sonderling abgetan.
Sehr bedauerlich diese Entwicklung.

Gruß
Nischa
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Habent sua fata libelli