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Autor Thema: George Orwell - 1984  (Gelesen 18783 mal)

Aeria

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George Orwell - 1984
« am: 30. Januar 2006, 15:15:48 »



Kann es wirklich sein, dass zu diesem genialen Buch noch keine Rezi hier im Board existiert? Oder hat mich die Suchfunktion getrogen?

"1984" von George Orwell

Geschrieben hat es George Orwell im Jahre 1949.
Bei dem Roman handelt es sich um eine Anti-Utopie (Dystopie). Selbst jemand, der das Buch nie gelesen hat, kennt den Leitsatz: BIG BROTHER IS WATCHING YOU!
Es geht um eine totalitäre Gesellschaft, die den Menschen so zerbricht und zurechtbiegt, dass er nur noch eine leere Hülle ist.

Die Handlung:

Winston Smith arbeitet im Wahrheitsministerium. Er ist zuständig für die Verfälschung von Dokumenten, Zeitungsartikeln und anderem geschriebenen Zeug. Er rebelliert gegen das ihm aufgezwungene Leben, in dem er ein Tagebuch führt. Als er Julia kennen lernt und sich in sie verliebt, weiß er, dass er seine Überlebens-Chancen gleich Null sind.

Meine Meinung:

Puhhh... Es ist ein Buch zum Nachdenken.
Über allem und alles steht die PARTEI und der GROSSE BRUDER. Der "normale" Mensch wird durch versteckte Mikros und Videoschirme überwacht, er hat keine Privatsphäre mehr. Liebe und Familie sind zu Fremdwörtern geworden. Kinder spionieren ihre Eltern aus, um sie an die Gedankenpolizei zu verraten. S.e.x. ist unter Eheleuten zur "Pflicht gegenüber der Partei" geworden und dient ausschließlich der Fortpflanzung. Es herrscht bereits jahrelang Krieg, es kann sich niemand mehr an Friedenszeiten erinnern. Alles ist knapp - Rasierklingen, Schokolade, Tee. Selbst die Sprache wird langsam geändert - aus dem normalen "Altsprech" wird "Neusprech", d. h. alles wird abgekürzt und umdefiniert. So heißt zum Beispiel das Ministerium für Liebe in Neusprech "Minilieb". Die Namen der vier Ministerien bedeuten genau das Gegenteil – so ist das Ministerium für Liebe zuständig für Gedankenverbrecher und Folterungen, das Ministerium für Frieden steht für Krieg, das Ministerium für Überfülle befasst sich mit der Verteilung von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen und das Ministerium für Wahrheit steht für die Verfälschung der Vergangenheit.
George Orwell hat eine Welt geschaffen, in der es keinen Platz mehr für Menschlichkeit gibt.
Erschreckend.

5ratten

***
Aeria
« Letzte Änderung: 16. August 2006, 09:31:21 von nimue »
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Wenn schon Edward, dann Rochester!

HoldenCaulfield

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George Orwell - 1984
« Antwort #1 am: 30. Januar 2006, 15:22:14 »

Das Buch ist wirklich dermaßen genial!! An einer stelle war es sogar so unheimlich das ich regelrecht zusammengezukt bin und um mich geschaut hab weil ich dachte ich werde beobachtet.  :rollen: Also ich kann mich deiner Rezi nur voll und ganz anschließen
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

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Sonnenschirm

Sunflower79

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George Orwell - 1984
« Antwort #2 am: 30. Januar 2006, 22:21:13 »

Kann mich euch beiden absolut anschliessen und finde das Buch auch super klasse.
Es ist duester und erschreckend. In Orwells beschriebener Welt ist kein Platz fuer Vertrauen, Ehrlichkeit und Privatspaehre, stattdessen sind alle gehirngewaschen und natuerlich Big Brother is watching you  :entsetzt:
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elahub

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George Orwell - 1984
« Antwort #3 am: 30. Januar 2006, 23:05:39 »

Hallo allerseits

Zitat von: Sunflower79
Kann mich euch beiden absolut anschliessen und finde das Buch auch super klasse.
Es ist duester und erschreckend. In Orwells beschriebener Welt ist kein Platz fuer Vertrauen, Ehrlichkeit und Privatspaehre, stattdessen sind alle gehirngewaschen und natuerlich Big Brother is watching you  :entsetzt:


Naja Sunflower, alle ja wohl nicht, wenn ich mich recht entsinne. Da waren doch die Proles (oder wie hießen die noch genau??), das einfache Volk ....

Das Buch ist wirklich genial, erschreckend genial und es gibt schon viel zu viele Parallelen heute.

Daniela
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bitte wühlt bei booklooker mal in meinen Angeboten (elahub) - ich verkaufe für die Katzenhilfe Göttingen :) -

HoldenCaulfield

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George Orwell - 1984
« Antwort #4 am: 30. Januar 2006, 23:17:47 »

Ja die ganzen Paralellen sind manchmal richtig unheimlich. Vorallem wenn man bedenkt dass das  Buch 1948 erschienen ist. Schon unheimlich in wie weit das auf heute noch zutrifft.. Obwohl es ja damals eher auch eine wiederspiegelung der damaligen Zeit ist. Ich glaube schon das er das Buch auch im Hinblick auf die verschiedenen Diktatoren geschrieben hat die ja auch mit ihrem Gedankengut Gehirnwäsche betrieben haben.
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Sonnenschirm

Sunflower79

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George Orwell - 1984
« Antwort #5 am: 30. Januar 2006, 23:25:44 »

Zitat
Naja Sunflower, alle ja wohl nicht, wenn ich mich recht entsinne. Da waren doch die Proles (oder wie hießen die noch genau??), das einfache Volk ....


Da hast du natuerlich recht  :zwinker: (ich bin mehr von Winstons Sichtweise ausgegangen).
Ich habe das Buch nun vor mir liegen und die heissen wirklich Proles  :smile: . Beim blaettern ist mir aufgefallen wie viele Details ich doch schon wieder vergessen habe. Vielleicht sollte ich mir das Buch mal wieder zu Gemuete fuehren.
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Ragle

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George Orwell - 1984
« Antwort #6 am: 01. Februar 2006, 13:28:16 »

Hallo!

Ich liebe das Buch, es ist echt genial. Deswegen war es auch Teil meiner Fachbereichsarbeit. Überhaupt lese ich extrem gerne Orwell.
Hmm...
Ich finde irgendwie nirgendwo den Smilie für hundert Leseratten  :zwinker:

Na ja fünf tun's auch:  5ratten

LG,

Ragle
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sandhofer

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genial
« Antwort #7 am: 01. Februar 2006, 13:31:35 »

Hi Ragle!

Darf ich Dich fragen, was Du genau an 1984 genial findest? Ich habe das Buch vor Jahren gelesen, überlege, ob ich es wiederlesen sollte, da meine Erinnerungen langsam verblasst sind.

Grüsse

Sandhofer
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Ragle

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George Orwell - 1984
« Antwort #8 am: 01. Februar 2006, 13:51:39 »

Hallo sandhofer,

ja, also was find ich eigentlich genial...

Erstmal find ich Orwells Stil genial. Er hat meiner Meinung nach eine extrem gute Art Situation, Sachen, Umgebungen, was auch immer zu beschreiben. Sehr empfehlenswert: Die kurzen, aber einprägsamen Erzählungen "Einen Mann hängen" und "Einen Elefanten erschießen".

Dieses fähige Beschreiben trägt auch sehr zu der beeindruckenden Wirkung des Buches bei. Ich glaube mir fällt kein Roman ein, der mich mehr bedrückt hat.

Dazu kommen dann noch das übliche Hintergrundzeug. Autobiographisches und historisches.

Und das Ende erst. Puuh...

LG,

Ragle

P.S.: Falls du ein paar Zitate haben willst, ich such dir gerne gute raus...
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sandhofer

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Danke!
« Antwort #9 am: 01. Februar 2006, 15:56:30 »

Hallo zusammen!

Danke!

Zitat von: Ragle
Falls du ein paar Zitate haben willst, ich such dir gerne gute raus...

Ja, gerne.

Grüsse

Sandhofer
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Ragle

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George Orwell - 1984
« Antwort #10 am: 02. Februar 2006, 15:59:24 »

Hallo!

So hier ist mal eines, auf das - meiner Meinung nach - dieses fähige Beschreiben zutrifft. Ein Stelle die eher am Anfang ist und noch zu dem Einführungsteil gehört. Winston Smith befindet sich in der Kantine (eigentlich egal, aber sicherheitshalber gespoilert):

Zitat von: 1984
Voll Ingrimm dachte er über die physische Beschaffenheitdes Lebens nach. War es schon immer so gewesen? Hatte das Essen immer so geschmeckt? Er blickte sich in der Kantine um. Ein niedriger, gedrängt voller Raum, dessen Wände durch die Berührung unzähliger Leiber schmutzig geworden waren. Verbeulte Metalltische und -stuhle, so eng zusammengerückt, daß man sich imsitzen mit den Ellbögen berührte. Verbogene Gabeln, am Rand abgestoßenes Geschirr, grobe weiße Becher, auf allen Flächen fettglänzend, Schmutz in jedem Sprung. Und ein säuerlicher Geruch über allem, zusammengesetzt aus schlechtem Gin, minderwertigem Kaffee, leicht metallisch schmeckenden Eintopf und unsauberen Kleidern. Immer regte sich im Magen und auf der Haut ein Protest - das Gefühl um etwas betrogen worden zu sein, worauf man ein Anrecht hatte. Zwar hatte er keine Erinnerung an etwa wesentlich anderes. Soweit er sich genau zurück erinnern mochte, hatte es nie wirklich genung zu essen gegeben, hastte man nie Socken oder Unterhosen, die nicht voll Löcher waren, war das Mobilar immer schadhaft und wackelig gewesen, waren die Zimmer unghenügend geheizt, die Untergrundbahn überfüllt, die Häuser zerfallen, das Brot dunkel, der Tee eine Rarität, der Kaffee schauderhaft, die Zigaretten zu wenig gewesen. Nichts war billig oder reichlich vorhanden gewesen, außr dem synthetischen Gin. Und obwohl man das alles mit dem älterwerden alles natürlich schlimmer empfand, war es nicht ein Zeichen, daß dies nicht die natürliche Ordnung der Dinge sein konnte, wenn einem stets das Herz wehtat bei der Unbehaglichkeit, dem Schmutz und dem Mangel, den endlosen Wintern, den verfilzten Socken, den nie funktionierenden Fahrstühlen, dem kalten Wasser, der sandigen Seife, den zerbröckelnden Ziogaretten, den künstlichen Nahrungsmitteln mit ihrem verddächtigen Geschmack? Warum empfand man das als so unerträglich, wenn man nicht eine altererbte Erinnerung in sich trug, daß die Dinge einmal ganz anders gewesen waren.



Dann gibt es da natürlich Sätze und Aussagen wie:

Zitat von: 1984
Der Goße Bruder sieht dich an!


Oder:

Zitat von: 1984
Freiheit ist die Freiheit zu sagen, daß zwei und zwei gleich vier ist.


Hoffe du liest es nochmal und erzählst dann was.



Zitat von: HoldenCaufield
Ich glaube schon das er das Buch auch im Hinblick auf die verschiedenen Diktatoren geschrieben hat die ja auch mit ihrem Gedankengut Gehirnwäsche betrieben haben.


Und wie er das hat! da gibt es schon einige Parallelen. Zu der Zeit kam es zur Entwicklung einiger totalitärere Systeme. Am offensichtlichsten ist wohl die Ähnlichkeit Stalins mit dem Großen Bruder. Es soll zum Beispiel auch die Prozentzahl der Nichtprivilgierten mit denen der Proles übereinstimmen. Die Veränderungen der Sprache findet man im NS, etc.

Zitat von: George Orwell
Seine [des Schriftstellers] Stoffwahl ist durch die Epoche bestimmt, in der er lebt - zumindest gilt dies für eine so aufgewühlte, revolutionäre Zeit wie unsere [...].


LG,

Ragle
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sandhofer

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Danke!
« Antwort #11 am: 02. Februar 2006, 16:13:49 »

Hallo Ragle!

Danke!

Zitat von: Ragle
Hoffe du liest es nochmal und erzählst dann was.

Mal schauen ... vielleicht quetsche ich es irgendwo rein ... im Moment liegt anderes an.  :zwinker:

Grüsse

Sandhofer
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Manjula

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George Orwell - 1984
« Antwort #12 am: 03. Februar 2006, 18:05:19 »

Hallo zusammen,

es ist schon einige Jahre her, dass ich 1984 gelesen habe, aber mir ist ganz stark das "Neusprech" im Gedächtnis geblieben. Den Gedanken, bestimmte Wörter (wie Rebellion, Aufstand) aus der Sprache auszutilgen mit der Folge, dass auch die dazugehörigen Taten nicht mehr möglich sind, finde ich faszinierend. Und die Stelle, als Winston mit seiner größten Angst konfrontiert wird - die werde ich wohl nie vergessen  :angst:

Ein sehr lohnendes Buch.

Liebe Grüße
Manjula
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epona

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George Orwell - 1984
« Antwort #13 am: 03. Februar 2006, 20:25:38 »

Hallöchen,

wir mußte das Buch im Deutschunterricht in der Handelsschule lesen.
Ich fand es richtig gut. Aber es hat mir auch Angst gemacht, denn es ist technisch durchaus möglich Menschen bis in den geheimsten Winkel seiner selbst zu beobachten.  :entsetzt:

Wer weiß denn wirklich, ob er nicht irgendwo abgehört, gefilmt oder sonst wie beobachtet wird.
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Unsere Weisheit stammt aus unserer Erfahrung, und unsere Erfahrung stammt aus unseren Dummheiten.
(Sascha Guitry)

Vitamin

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George Orwell - 1984
« Antwort #14 am: 03. Februar 2006, 22:16:18 »

:entsetzt: ich krieg jetzt noch Gänsehaut.
Manche Dinge haben mich so auf ie Palme gebracht. Eben die sache mit den Teleschirmen. Ich fing an mih umzusehen. Du konntest ja noch nichtmal träumen oder so. Was ist wenn du sprichst. Dann gehts auf auf Reisen.
Besonders das Ende hat mich beunruhigt. *schüttel*

George Orwell wollte ochdazu eine Fortsetzung schreiben, oder?
Gott sei Dank hat ers nich getan. Ich glaube das hätte alls versaut.
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http://exlibris.parlaris.de

Vitamin liest gerade:
Leo Tolstoi - Anna Karenina (LR)