Tharxas and the Warrior Monks / Das Zaubergift


"Thraxas and the Warrior Monks" ist nach "Orks ante Portas" und "Das Wagenrennen" das mittlerweile 3. Buch über den nur ein ganz klein wenig magischen Detektiv Thraxas, das ich gelesen habe (alle im englischen Original).
Ich mag den übergewichtigen, versoffenen Antihelden Thraxas, der wie RStehn schon schrieb, an die amerikanischen hard-boiled Privatdetektive erinnert. Seine trockene Art, auch die dramatischsten Ereignisse zu schildern, der Widerwille, mit dem er neue Fälle annimmt, seine Freunde, die ebenfalls nicht direkt aus der feinen turainischen Gesellschaft stammen, sagen mir zu.
Auch die Darstellung von Turai selbst gefällt mir. Der Stadtstaat ist ganz und gar keine ideale Gesellschaft; die Klüfte zwischen den Gesellschaftsschichten sind groß, die Verwaltung zum Großteil korrupt, das Wetter - egal ob Sommer oder Winter - furchtbar, die Feinde zahlreich.
Selbst der Präsens als Erzählzeit, den ich sonst gar nicht mag, stört mich hier nicht weiter.
In diesem Buch befindet sich Thraxas zur Abwechslung mal nicht in Geldnöten. Sein voriger Fall war ertragreich und er hat sich vorgenommen, den unerträglich heißen Sommer mit seinen Lieblingsbeschäftigungen, nämlich faulenzen, Bier trinken und essen zu verbringen. Seine Ruhe wird abrupt durch Grosex gestört, der in das Büro stürzt und nur Zeit hat, "Ich war es nicht! Ich war es nicht!" zu brüllen, bevor er von der Wache verhaftet wird.
Was er nicht war, das ist der Mörder seines Lehrmeisters Drantaax, des besten Bildhauers der Stadt, der an einer Statue des Gottes arbeitete. Nun ist diese Bronzestatue verschwunden - ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man ihr Gewicht und die wenigen Minuten, in denen sie nur geklaut worden sein kann, bedenkt.
Widerwillig beginnt Thraxas seine Nachforschungen, in deren Verlauf er nicht nur von der Tochter eines ermordeten Zauberers beauftragt wird, den Mörder ihres Vaters zu finden, sondern auch auf 2 verfeindete Gruppen mysteriöser Kampfmönchen trifft, die ihn dazu bringen wollen, die verschwundene Statue zu finden.
Aber damit nicht genug - eine sehr seltsame, hippiemäßige Frau, will Thraxas engagieren, den verschwundenen magischen Heilungsstein der Delphine, mit denen sie angeblich kommunizieren kann, zu finden.
Und dann ist da auch noch die "Bruderschaft", die Mafia Turais, die hinter der Ladung Gold her ist, die vor einigen Tagen - leider nicht von ihnen - geraubt worden war. Aus welchem Grund auch immer glaubt die Bruderschaft, Thraxas könnte vom Verbleib des Goldes wissen.
Dieser Sommer - heiß wie eine orkische Hölle - verläuft also nicht so ruhig, wie Thraxas ihn sich vorgestellt hat. Alle wollen was von ihm, und je mehr er sich umhört, desto mysteriöser wird die ganze Sache. Verwicklungen über Verwicklungen ergeben sich, immer neue Personen tauchen auf, bis es mir irgendwann zu viel wurde.
Während mir die erste Hälfte wieder den einen oder anderen Schmunzler bescherte, begann das Buch irgendwann, mich leicht zu langweilen. Zu viele Handlungsstränge verderben das Buch, konnte ich hier leider konstatieren, wobei "verderben" vielleicht ein zu starkes Wort ist. Auch dass mir die Identität von Drantaax' Mörder vorzeitig klar wurde, störte mich etwas.
Aber für einen unterhaltsamen Nachmittag auf dem Sofa taugte auch dieser Teil, dem ich knappe

gebe.
Bemerken sollte ich vielleicht auch noch, dass in der deutschen Übersetzung, so weit ich das der Information bei Amazon entnehmen kann, die Namen teilweise geändert und zu "sprechenden" Namen gemacht wurden. So wurde aus dem Bildhauer Drantaax ein "Rodinaax", sein Lehrling Grosex zu "Gesox". Mmh.
Und was der deutsche Titel "Das Zaubergift" mit dem Buch zu tun hat, ist ein Rätsel, das nicht einmal Thraxas lösen könnte. Zwar wird (in Maßen) bezaubert, aber vergiftet wird niemand.
P.S.:
Mit Pratchett darf man die Bücher wirklich nicht vergleichen. Der Hintersinn, den man bei Pratchett findet, fehlt hier, der Humor ist ein viel einfacherer und roherer. Aber mir sagt Thraxas trotzdem ab und an zu.