

Mein erstes, aber garantiert nicht letztes Buch von Sándor Márai habe ich in schwedischer Übersetzung unter dem Titel "Észters arv" gelesen.
Észter ist zwar erst Ende 40, hat aber trotzdem schon mit ihrem Leben abgeschlossen und wartet auf ihren Tod. Sie erzählt in der Rückschau von den Ereignissen vor drei Jahren und, um diese verständlicher zu machen, von ihrem Leben davor.
Als junge Frau verliebte sie sich in Lajos, einen charmanten aber völlig unzuverlässigen Betrüger, der nicht nur sie sondern auch die anderen Familienmitglieder bezauberte. Nach vielen Enttäuschungen und Betrügen von denen die größte Lajos' Eheschließung mit Észters Schwester war, verschwindet Lajos aus dem Blickfeld der Familie, nicht ohne gefälschte Wechsel zu hinterlassen, die nahezu den finanziellen Ruin der Familie bedeuteten.
20 Jahre später kündigt Lajos sich plötzlich brieflich wieder an, was Észter und ihre Umgebung in helle Ausregung versetzt und sie alle beschließen lässt, dieses Mal hart gegen ihn zu bleiben und ihm keinen Pfennig zu geben. Denn durchschaut haben sie ihn - sehr genau wissen alle, dass Lajos höchstes Interesse darin besteht, sich Hab und Gut seiner Mitmenschen anzueignen.
Er kommt, und alles ist wie gehabt. Voller Geschick gelingt es ihm auch dieses Mal, alle wider besseren Wissens zu manipulieren und Észter bleibt materiell und emotionell noch ärmer zurück als sie vorher war.
Wow! Welch ein Buch! Mich hat es begeistert und ich konnte das Büchlein nicht aus der Hand legen bis ich es beendet hatte. Márai schildert die emotionell abhängige Frau und den gewissenlosen, charmanten Betrüger meisterhaft. Natürlich hatte ich Észter immer wieder schütteln und ihr zurufen mögen, sie solle dem Mistkerl einen Arschtritt verpassen und ein unabhängiges Leben beginnen, aber gleichzeitig konnte ich sehr gut nachvollziehen, wieso sie, obwohl sie Lajos durchschaut, von diesem nicht loskommt und sich in ihr (von ihm zugedachtes) Schicksal fügt. Lajos ist ein Meister seiner Zunft, und Észters Leben hatte von Anfang an (seit ihrer frühen Jugend zumindest) seine emotionelle Basis in Lajos. Ohne ihn kann sie nicht wirklich leben; sie bezeichnet sich selbst als Schlafwandlerin, die nur wirklich aufwacht, wenn Lajos sich nähert. Für diese Stunden ist sie bereit, alles zu opfern und auch wenn sie weiß, dass alle seine Versprechungen auf Sand gebaut sind, kann sie der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nicht widerstehen. Auf mich wirkte ihr Verhalten (so bescheuert ich es auch finde) vollkommen schlüssig.
Zu der emotionell mitreißenden Geschichte kommt noch eine wunderbare Sprache (auch in der schwedischen Übersetzung) und mein Urteil lautet:

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