Eragon - Der Auftrag des Ältesten 

Zum Inhalt: "Der Auftrag der Ältesten" ist der zweite Teil der Eragon Saga. Nach der finalen Schlacht im ersten Teil müssen sich die Varden (Widerstandskämpfer gegen den Tyrann Galbatorix) neu ordnen. Ihre neue Anführerin beschließt, nach Surda zu fliehen, um sich mit den Menschen dort zusammenzutun. Eragon setzt seine Ausbildung als Drachenreiter bei den Elfen fort. Parallel dazu schließt sich auch sein Cousin Roran dem Widerstand an, nachdem das Dorf Carvahall von Galbatorix Schergen bedrängt wird.
Meine Meinung: Tja, was ich das zum Inhalt geschrieben habe ist bis auf ein, zwei Spoiler auch schon alles. Dafür braucht der gute Paolini fast 800 Seiten - viel mehr muss man wohl nicht sagen. Wie schon beim ersten Teil lehnt sich das meiste entweder an Star Wars oder an den Herrn der Ringe an, zusätzlich gibt es dann noch die Drachen (ok, gibt's bei Tolkien auch, aber tatsächlich in einer anderen Rolle). Weiterentwicklung der Protagonisten ist Fehlanzeige und insgesamt wirken sie auch alle ziemlich statisch und emotionslos. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, dass da ein Film mit ziemlich schlechten Schauspielern vor mir abläuft - das Buch wirkte auf mich wie diese Bücher, die nachträglich zu erfolgreichen Filmen geschrieben wurden und wo dann lediglich die Handlung nacherzählt wird, ohne den Figuren Leben einzuhauchen. Kleines Beispiel: Gleich zu Anfang des Buches stirbt eine wichtige Person aus dem letzten Buch. Was eigentlich eine sehr dramatische Situation hätte sein können, wird einfach platt heruntererzählt und auch wenn natürlich alle beteuern, wie traurig und betroffen sie sind, wirkt das ganze vollkommen unecht und leblos. Eben so, als ob man das Ganze völlig unbeteiligt von aussen beobachtet und keinen persönlichen Zugang dazu hat.
Eragon verändert sich durch seine Verbindung mit den Drachen zwar äusserlich, bleibt ansonsten aber eigentlich der Gleiche wie im ersten Buch. Sprich, trotz aller Schlachten und Erfahrungen, die er so gemacht hat, lernt er nix dazu. Da er in diesem Buch vor allem seine Ausbildung vorantreibt, fällt das besonders auf. Ewig macht er die gleichen Fehler, um dann darauf in Selbstmitleid zu versinken. Die zweite Hauptperson - Roran - (keine Ahnung, wozu es den Handlungsstrang um Roran überhaupt gibt) mutiert vom tumben Dorfbewohner zum Schlächter. Nach jedem Kampf folgt unweigerlich der Satz: "Jetzt habe ich schon xxx Menschen getötet". Spätestens beim dritten Mal hätte ich ihm gerne recht und links eine dafür gelangt. Die Selbstzweifel scheinen aber keine Wirkung zu haben, da er sich bei der nächstbesten Gelegenheit wieder genauso verhält. Da Galbatorix Schergen sich aber immer noch dümmer verhalten als Roran, gewinnt er selbstredend immer - so mit Hammer und ohne Schild gegen ausgebildete Soldaten und die Razac (bei Tolkien die Nazgul), ist ja klar.
Logikfehler gibt's ebenfalls reichlich. Schönes Beispiel ziemlich am Anfang: Das Dorf wird angegriffen (geschätzte Einwohnerzahl ca 200-300 Leute). Roran fällt ein, dass ein Schutzwall total toll wäre und ordnet an, etwa 50 Bäume zu fällen. Klar, 50 Bäume reichen bestimmt aus, um ein Dorf dieser Größe mit einem Wall zu versehen. Die Dorfbewohner schaffen das Fällen und Heranschaffen der Bäume selbstredend in wenigen Stunden und schaffen es noch zusätzlich, einen Graben davor auszuheben. Wer schonmal einfach bloss Holz gehackt hat, weiss wovon ich rede

Geschweige denn, einen gefällten Baum zu transportieren. Sehr interessant fand ich auch, dass Fingerhut im Frühling blüht und ein Strauch ist.
Am Ende gibt es dann noch eine dramatische Enthüllung - klar, die Leser sollen ja auch Teil 3 kaufen. Die nähren Umstände dieser Enthüllung waren für mich aber wiederrum nicht nachvollziehbar, eigentlich müssten sowohl Eragon als auch Roran lange tot sein.
Beim ersten Teil war ich mit dem Urteil ja noch gnädig, schließlich war der Autor erst fünfzehn und so weiter und es ist auch einiges passiert. Beim zweiten Band erwarte ich dann aber doch etwas mehr, zumal der Verlag da auch einen fähigen Lektor zur Seite stellen könnte. Keine Handlung, platte Figuren und unlogische Geschichte, da bleibt nicht viel über. Aber man will die Kuh wohl melken so lange es geht und da sind mehr Bände mit wenig Inhalt vermutlich die bevorzugte Lösung. Irgendwie passt da wunderbar ins Bild, dass der Autor laut Wikipedia von seinem Eltern zu Hause unterrichtet wurde und nie wirklich in die Schule gegangen ist - viel Lebenserfahrung, die man in Büchern vermitteln könnte, kann's da nicht geben.
Einzig für den Drachen Saphira vergebe ich noch
