Hallo zusammen!
Vorweg: Ich habe den Titel des Threads geändert, damit dieses blöde "&qou" aus der Anzeige verschwindet ...
Wieviel "Science" braucht SF? Meiner Ansicht nach nicht einmal wahnsinnig viel. Damit ein Text für mich Science Fiction ist, genügt es, dass ich sehe, dass der Autor davon ausgeht, dass eine Wissenschaft (egal ob Naturwissenschaft wie Physik, Humanwissenschaft wie Psychologie) eine signifikante Veränderung bzw. Entwicklung durchgemacht hat im Vergleich zu heute. Diese Entwicklung kann durchaus etwas sein wie ein ein nach heutigen Begriffen unmöglicher Hyperraumantrieb, ein "Spungtor" oder was weiss ich. Solange die Geschichte im übrigen in sich konsistent bleibt, akzeptiere ich das.
Was ich nicht akzeptieren kann, sind Dinge, die ich nicht glauben kann.
Wenn einer (wie in nimues SF-Forum geschehen) eine Internet-SF-Seite vorstellt, die schon damit beginnt, dass der Autor behauptet, zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei die Zahl Pi bis auf die letzte Stelle berechnet worden, weiss ich nicht, ob ich heulen soll oder lachen - ernst zu nehmende SF ist so etwas jedenfalls nicht. Wenn ein Autor seinen Helden (einen professionellen Archäologen!) auf einer Ausgrabung in eine Höhle abseilen lässt, und beim Anhalten ziehen sich die Karabiner (!) zusammen und der Held stöhnt vor Schmerz, dann zieht sich in mir auch so einiges zusammen.
Was für Dinge kann ich denn nun nicht glauben?
C.K. Chesterton hat in einer seiner Father Brown-Geschichten ungefähr Folgendes gesagt. (Er sprach natürlich vom damaligen Premierminister und der damaligen Königin. Ich übersetze auch ein bisschen in die heutige Zeit.)
Wenn mir jemand erzählt, der Premierminister sei der Geliebte der Königin von England, so kann ich das schockierend finden - aber: Ich kann es glauben, denn die Menschen könnten tatsächlich so ticken.
Wenn mir aber einer erzählt, der Premierminister hätte in Gegenwart der Königin gerülpst und gefurzt, sich auf ihren Stuhl gesetzt und die Füsse auf ihren Schreibtisch gelegt und sie in den Hintern gezwickt, dann kann ich das schlicht nicht glauben. Warum? Kein Premierminister und keine Königin ticken "wirklich" so, nicht einmal Tony Blair und Elizabeth II.
Und so gibt es eben auch sog. SF, die ich nicht lesen kann, weil ich ihre Grundvoraussetzung nicht glaube. Ich kann glauben (ich bin tatsächlich sogar davon überzeugt und ich habe Angst davor ... ), dass die USA sich auf eine religiös-fundamentalistische Diktatur hin bewegen. Aber ich kann nicht glauben, dass der Fundamentalismus so tickt, wie ihn Atwood beschrieben hat.
Ich kann glauben, dass Roboter und Computer die Energiegewinnung auch aus kleinsten Energiemengen entwickeln können. Aber ich kann nicht glabuen, dass das effizienter und kostengünstiger sein soll als das Anzapfen eines riesigen Energievorrates wie z.B. der Erdwärme. Hingegen glaube ich, dass Effizienz eine Grundmaxime eines Roboterhirns sein müsste, wenn die denn schon einen Krieg gegen die Menschen gewinnen.
In beiden Fällen sind es aber Grundvoraussetzungen der ganzen Story, die ich nicht glauben kann. Damit fallen für mich solche Werke ausser Rang und Traktanden.
Das Beamen bei Star Trek kann ich hingegen glauben, auch wenn ich weiss, dass es physikalisch unmöglich oder gar unsinnig ist. Aber ich kann ja auch an Geister glauben, an Wesen, die plötzlich irgendwo auftauchen. Schliesslich erlebe ich es im Alltag immer wieder, dass ein Objekt (z.B. meine Schlüssel) an einem Ort auftauchen, wo sie vor zwei Minuten noch nicht gewesen sind ...
Ich hoffe, ich war nun etwas klarer.
Grüsse
Sandhofer