Inhalt:Meursault ist ein Büroangestellter in Algier. Er nimmt sich für die Beerdigung seiner Mutter zwei Tage frei, obwohl ihn ihr Tod nicht weiter berührt. Als er von der Beerdigung zurückkehrt, beginnt er bereits am nächsten Tag eine Beziehung mit seiner früheren Kollegin Maria. Er und Maria werden von seinem Nachbar Raymond, aufgrund eines Gefallens den Meursault für ihn getan hat, zu einem Strandausflug ein. Auf diesem Ausflug kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Raymond und drei Arabern. Später, nachdem er eine Pistole an sich genommen hat, trifft er wieder auf einen der Araber, von dem er sich bedroht fühlt und erschießt ihn. Mersault wird verhaftet und sein Fall wird vor Gericht verhandelt.
Meine Meinung:"Der Fremde" ist ein Buch, das mich während des Lesens wenig gefesselt hat, mich im Nachhinein aber nachdenklich zurücklässt.
Camus zeichnet mit dem Protagonisten Meursault eine tragische Figur. Er ist während großen Teilen des Buches nicht in der Lage Gefühle zu zeigen, selbst der Tod seiner Mutter scheint ihn nicht zu berühren. Er hat kaum Empfindungen und wenn es welche sind, sind es eher Genervtheit, aber er scheint sich nicht freuen zu können. Dies war ein Aspekt des Buches das es für mich etwas schwierig gemacht hat, mich in die Geschichte einzufühlen, da es so wenige Emotionen transportiert wurden. Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Meursault beschrieben wird, erleben wir nur durch ihn die Emotionen der anderen Menschen um ihn herum und selbst diese scheint er nur bedingt wahrzunehmen. Er ist ein in-sich-gekehrter Mensch, der "nicht zu viel zu sagen hat und es deshalb nicht tut". Er beobachtet das Geschehen um ihn herum und hört seinen Mitmenschen zu. Selbst seiner Verlobten gegenüber kann er keine wahren Gefühle zeigen. Er hat sich mit ihr verlobt, da sie ihn heiraten wollte, aber er scheint bei dem ganzen eher unbeteiligt, als wenn es ihn nicht angehen würde, ob er sie nun heiratet oder auch nicht. Mitgefühl scheint er auch nicht zu kennen. Denn selbst als sein Nachbar Raymond ankündigt seine Geliebte zu verprügeln, schreitet er nicht ein und auch nicht als er sie vor Schmerzen schreien hört.
Die Geschichte ist in einfachen Sätzen geschrieben, sodass es nicht schwer fällt, der Geschichte zu folgen. Die Ereignisse wurden für mich zum größtenteil erst in der Gerichtsverhandlung in einen Zusammenhang gebracht. Daher empfand ich den zweiten Teil des Buches deutlich angenehmer zu lesen. Da jedoch die Ereignisse von dem Staatsanwalt zusammengefasst werden, sind sie sehr von seiner Meinung gefärbt. Meursault ist auch während der Gerichtsverhandlung emotional unbeteiligt, sodass man nicht seine Version oder seine Schlussfolgerungen zu diesem Fall mitbekommt.
Dem Autor ist es gelungen, die Tragik des Protagonisten hervorzuheben. Ein Mensch, der sowieso schon durch seine Emotionslosigkeit gestraft wird, weil er nie wirklich glücklich ist, wird auch hierfür bestraft. Obwohl er ein grausames Verbrechen begangnen hat, habe ich angefangen für ihn mitzufühlen. Sein eigenes Leben scheint ihm unwichtig und es ist ihm auch egal, was mit ihm geschieht.
Zusammenfassend war es für mich ein Buch, dass nicht unbedingt ein Lesegenuss war, aber mich zum Denken angeregt hat. Daher vergebe ich
