Auf dieses Buch wurde ich nur durch eure sehr unterschiedlichen Meinungen hier im Forum aufmerksam. Zuvor war mir die Östereicherin Marlen Haushofer nur als Kinderbuchautorin ein Begriff.
Klappentext
Eine Frau folgt einer Einladung in die Jagdhütte von Freunden. Nach ihrer Ankunft gehen die Gastgeber noch in den nahen Ort, kehren aber nicht wie verabredet zurück. In Sorge macht sich die Frau auf den Weg, um zu erkunden, wo die beiden geblieben sind. Alles um sie herum ist so, wie es immer war: das Tal, die Bäume, die Bergwiesen. Doch ehe sie das Dorf erreicht, stößt sie gegen eine unsichtbare, unüberwindliche Wand, jenseits derer Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, umgeben von Tieren, richtet sich die Frau aufs Überleben ein, dabei ihr Verhältnis zur Natur und sich selbst neu bedenkend.
Meine Meinung
Nach dem Lesen des Klappentextes kam mir zuerst der Gedanke, dass es sich hier um einen Science Fiction-Roman handelt, aber außer der Wand geschieht hier nichts, was auch nur annähernd mit SF zu tun hat. Die namenlose Protagonistin berichtet eher sachlich davon, wie sie sich plötzlich mit der Wand konfrontiert sieht und ihr Dasein sich auf das bloße Überleben reduziert. Dabei kommt ihr zugute, dass sie in jungen Jahren landwirtschaftliche Erfahrungen sammeln konnte, was ihr nun dabei hilft, Kartoffeln und Bohnen anzubauen oder einen Heuvorrat für den Winter anzulegen. Zu ihrem Jagdhund laufen ihr noch eine Kuh und eine Katze zu, die beide trächtig sind, und damit ist die scheinbare Idylle komplett.
Sie tut wenig, was einem Aufbegehren in ihrer Situation gleich käme. Stattdessen hatte ich fast den Eindruck, als sei die Wand das beste, was ihr passieren konnte, so nahtlos fügt sie sich ein in diese neue Welt. Gedanken an ihr früheres Leben kommen zwar immer wieder auf, aber mit eher wenig Wehmut. Von Tag zu Tag nähert sie sich mental einem Zustand, der sich nur noch auf das Wesentliche beschränkt, das zum Überleben notwendig ist, und blendet Gedanken an frühere Verschwendung und Luxus aus.
Offen bleibt die Frage, warum die Wand erschien und ob sie die Frau nun ein- oder aussperrt. Wer lieber ein Buch mit einem „richtigen“ Ende liest, mag an diesem Punkt enttäuscht sein. Ich empfand gerade richtig so, weil ich ebensowenig wie die Frau weiß, was ihr die Zukunft bringt.
Die Wand wird als Marlen Haushofers bester Roman bezeichnet. Leider wird es nie eine Fortsetzung geben, denn die Autoren starb bereits 1970 im Alter von 49 Jahren. Mich hat der Roman beeindruckt durch seinen stilistisch einfachen aber eingängigen Stil, passend zu den Abläufen in der Geschichte, die sich auf die elementarsten Dinge beschränken. Die Spannung wird immer aufrecht erhalten, indem die Frau in ihrem Bericht zwar erzählt, dass einigen ihrer Tiere etwas zustößt, was das jedoch ist, wird erst gemäß dem tatsächlichen chronologischen Ablauf entsprechend offenbart.
Der Gedanke von Marlen, dass sich die Wand nur im Kopf der Frau abspielt, hat mir ganz gut gefallen, allerdings konnte ich ihn nicht ganz mit allen Ereignissen vereinbaren.
Von mir gibts auf jeden Fall

