Ich habe das Buch damals auch mit Interesse gelesen.
Und dann das zweite.
Und das dritte.
Das Interesse nahm dabei immer weiter ab.
Letzte Woche habe ich das Buch ihrer Mutter -Dschungeljahre - in der Bücherei gelesen.
(Doris Kuegler: Dschungeljahre)

Und das kam mir so komisch vor, dass ich mal anfing, zu googeln.
Was ich fand:
Zwei Infos.
Erste:
Sabine Kuegler vertreibt/vertrieb (jetzt kann ich sie jedenfalls gerade nicht aufrufen...) eine Webseite, auf der sie anbietet, die eigene
Biografie ihrer Kunden zu vermarkten...
Und dann die Info, dass ihre Eltern nicht unbedingt in erster Linie als Linguisten, sondern eher
als Missionare zu den Fayu kamen; Mission: Die Bibel in deren Sprache, bzw. in alle Sprachen der Welt übersetzten.
Zum Buch Dschungelkind:Mir stellten sich, vor allem nach nochmaligem Lesen jetzt, mehrere Fragen.
Die erste:
In dem Buch sind Sabines Interessen vor allem Tiere, "Abenteuer" und kleine Kinder (man sieht sie auf den Fotos oft mit kleinen Kindern au dem Arm).
Schule soll ihr nicht so viel Spaß gemacht haben.
Warum studiert so jemand ausgerechnet Wirtschaft?
Warum nicht Kulturwissenschaften, Pädagogik, Biologie?
Dann wird immer und immer wieder von der Sehnsucht nach dem Dschungel geredet.
Aber sie lebt immer noch hier in Deutschland...
Sie scheint auch, nach dem was, sie schreibt, nicht, noch nicht mal vor Veröffentlichung des zweiten Buches, mal Urlaub bei dem Stamm gemacht zu haben.
Auch komisch:
Alle Kinder wurden recht schnell alleine in die weite Welt geschickt, nachdem vorher von Kulturschock bei den Heimatbesuchen die Rede war.
Auf den ersten Seiten des Buches ist davon die Rede, dass Sabine mit 17 ganz allein mit dem Zug von Hamburg in die Schweiz fahren muss.
Warum?
Hätten ihre Eltern sie nicht hinbringen müssen, vielleicht auch die ersten paar Wochen bleiben, wenn ihr diese Welt so fremd war?
Ich meine, wer würde seine 17jährige Tochter, die bis dato nur in Deutschland gelebt hat und noch nie alleine geflogen ist, alleine nach Indonesien schicken?
Auch wunderte mich schon beim ersten Lesen, dass der letzte Teil, der Bericht über das Leben nach dem Dschungel, extrem kurz geraten ist, vielleicht eher wie eine Rohfassung.
Auch vorher werden viele Ereignisse in dem Buch nur angerissen, vor allem der Schulbesuch in Jayapura...
Jetzt, als ich das Buch ihrer Mutter las, war ich sehr irritiert:Sabine Bücher unterscheiden sich sehr im Stil, Buch eins eher Richtung Jugendbuch, episodisch, Buch zwei eher sachlich, Buch 3 sehr distanziert, kalt.
Das Buch der Mutter erinnert SEHR an "Dschungelkind" in Stil und Inhalt.
Extrem, wie ich fand, vom Sprachstil und Aufbau her.
Ist das normal?
Hat man als Mutter nicht normalerweise einen anderen Schreibstil als die Tochter?
Bei beiden Büchern fällt mir das sehr schlechte Verhältnis Sabines zu ihrer Schwester Judith auf.
Ich habe auch Geschwister, auch einen Bruder, der mich gern und viel ärgerte, aber nie auf diesem Niveau.
So wirft Sabine Judith im Dschungel einmal eine tote Schlange hin, die Judith aber für lebendig = lebensgefährdend hält/ halten sollte.
Macht man so etwas mit seiner Schwester?
Dann findet Sabine das Haus nach einer Flug mit Spinnen bedeckt vor und als erstes fällt ihr ein, Judith zu wecken, sie hätte eine Überraschung für sie - woraufhin Judith so etwas wie einen Nervenzusammenbruch erleidet.
Auch die Geschichte der ersten Menstruation von Judith fand ich seltsam:
Sabine, die wusste, das ihre Familie deutsch, weiß und anders als die Fays ist/ lebt, glaubte, ihre Schwester würde von nun an in einer Hütte im Dschungel leben...?

Wenn man mal die Fotos in "Dschungelkind" genauer ansieht, fällt einem auf, dass auf vielen Gruppenfotos der weiße (div. Menschen) direkt in die Kamera strahlt, die Fayu aber neutral bis genervt schauen, auf einem Bild auch alle zum linken Bildrand hin...
Ich hätte keine Probleme damit, dass das Buch als Roman, animiert vom eigenen Leben veröffentlicht worden wäre.
Immer noch finde ich allerdings, dass es stärker hätte ausgearbeitet werden können/ müssen; vieles wirkt nur angerissen und unvollständig.
Für vieles fehlen Erklärungen, etwa warum die Kinder so schnell und anscheindend für immer so weit weg zogen, und warum so weit auseinander?
Ich an deren Stelle hätte doch wenigstens zum ersten Halt mit meinen Geschwistern zusammen sein wollen, so dass ich Unterstützung und Verständnis in der unbekannten Welt hätte finden können.
Warum kam niemand, wenigstens zeitweisen im Urlaub zurück?
Was beeinflusse die Entscheidung, in der "fremden Welt" ausgerechnet Wirtschaft zu studieren, ein doch recht trockenes und von der "Dschungelwelt" weit entferntes Fach?
Wie gelang die Akklimatisierung in die europäische Welt (darüber schreibt auch die Mutter extrem wenig, sie gibt als Beispiel nur Probleme an, sich an den Euro als Währung/ die Europreise zu gewöhnen)?
Am Ende frage ich mich, ob dies nicht, wie ich irgendwo las (Webseite vergessen) eine "typische", wenn auch drastische und vielleicht außergewöhnlich tiefgreifende Geschichte über den Verlust der Kindheit ist?Und ob nicht DAS vielleicht eher
den Reiz des Buches ausmacht, das Gefühl, das jeder Erwachsene mit einer einigermaßen glücklichen Kindheit kennt "Die unbeschwerten Jahre sind für immer vorbei" (die Jahre, als man eben ohne große Gedanken an die Zukunft unbeschwert vor sich hin lebte, nicht, dass man danach nie wieder unbeschwert leben kann...nur nicht so

).
Wie habt Ihr diese und andere evtl.Ungereimtheiten empfunden?LG
von Keshia