Gleich vorweg: Mir hat der zweite Teil noch besser gefallen als der erste. Endlich befindet man sich in der Tintenwelt ... ich glaube, danach habe ich ungefähr so stark gegiert wie Meggie. Auch ich wollte endlich mehr über die Feuerelfen, Nixen, Gaukler und ähnliches erfahren. Der kleine, aber feine Unterschied ist, dass ich nur davon lese, während Meggie sich direkt in die Geschichte hinein begibt. Was dann alles passiert, habe ich mit einer Freude gelesen, das es manchmal kaum zu ertragen war.
Ich war schon immer begeistert von Beschreibungen fantastischer Welten und ihrer Bewohner. Cornelia Funke beschreibt besonders anschaulich "ihre" Tintenwelt, ich war sofort gefangen von ihrer Wortwahl und den vielen Vergleichen, die sie benutzt. Vor meinem inneren Auge flatterten kleine Elfen, tauchte Ombra aus dem Nebel auf und ragte die Nachtburg in den Himmel. Ich mag weder seitenlange Beschreibungen der Landschaft noch gänzlich abwesende Darstellungen ... Cornelia Funke gelingt hier der perfekte Mix!
Eine Figur hat sich in diesem Teil besonders in mein Herz geschlichen: Staubfinger. Trotz seiner offensichtlich "guten" Gesinnung bleibt er eine ambivalente Figur. Man weiß nie so genau, was er empfindet und wie er handeln wird. Seine Feuerspiele werden unglaublich toll beschrieben und seine verborgene Liebe zu Gwin bzw. Farid lässt einen schmunzeln und manchmal auch weinen. Ich war den Tränen nahe, als er endlich seine geliebte Roxane wiedersieht, und am Schluss völlig aufgeweicht. Solche Emotionen werden von Büchern selten bei mir ausgelöst, umso mehr erkennt man den Sog, den dieses Buch auf mich auswirkte.
Eine andere Person hingegen verlor gänzlich meine Zuneigung: Fenoglio. Er wurde mir zunehmend unsympathischer, für ihn scheint alles nur ein lustiges Spiel zu sein, das Leben der Figuren sieht er nur aus dem Blickwinkel der Unterhaltung. Kein besonders netter Charakter.
Eines habe ich aber doch zu bemängeln: Der Cliffhanger am Schluss! Wie kann man nur so gemein sein?

Von mir gibts, wie nicht anders zu erwarten: