Spielte der erste Band "Tintenherz" noch komplett in der realen Welt, darf der Leser nun Meggie, Farid und Staubfinger endlich in die Tintenwelt begleiten. Auch der Autor Fenoglio ist dort gelandet und versucht mit Meggies Hilfe, seine aus dem Ruder gelaufene Geschichte wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch immer mehr geht schief in der Tintenwelt und so manche Situation kann selbst der Autor nicht wieder geraderücken.
Lange hat es gedauert, bis mich dieser zweite Band gefesselt hat. Ich fand es zwar schön, mit Meggie zusammen die Tintenwelt zu erforschen, Staubfingers Rückkehr zu seiner Roxanne zu verfolgen und Ombra, die kunterbunte Welt der Spielleute und vieles mehr kennenzulernen. Spannung kommt aber sehr lange nicht auf. Die Handlung plätschert über mehrere hundert Seiten vor sich hin und ich musste mich immer wieder zwingen, das Buch überhaupt zur Hand zu nehmen. Auf den letzten 200 Seiten war die Spannung dann plötzlich wieder da, ich konnte endlich wieder mit Meggie und all den anderen Charakteren mitfiebern und bin jetzt auch gespannt, wie Cornelia Funke die Trilogie in "Tintentod" zu Ende bringt.
Auch an Tintenherz störte mich schon, dass alle Charaktere strikt in gut und böse eingeteilt und auch eher eindimensional sind. Die Zielgruppe der Trilogie dürften wohl trotz der vielen Seiten eher Kinder sein, doch auch denen traue ich zu einzusehen, dass Menschen sowohl positive als auch negative Eigenschaften haben können. Ein weiteres Problem habe ich mit Meggies Alter und ihrer angeblichen großen Liebe. Ich habe als kleines Mädchen auch gerne romantische Geschichten gelesen und fand den ein oder anderen Jungen süß. Trotzdem glaube ich nicht, dass man mit 13 schon in diesem Ausmaß verliebt sein kann und eine beinahe erwachsene Beziehung eingeht. Wäre Meggie ein paar Jahre älter, wäre das alles viel glaubhafter.
Insgesamt fand ich "Tintenblut" vor allem wegen der fehlenden Spannung schwächer als "Tintenherz". Trotzdem hat es Cornelia Funke geschafft, eine fantasievolle Welt zu erschaffen. Insbesondere aber liest sich die Tintentrilogie wie eine einzige Liebeserklärung an die Literatur und das Schreiben. Und deshalb kann ich auch ein paar Augen zudrücken, wenn die Handlung nicht ganz meinem Geschmack entspricht.
