  | | Autor: Robert Schneider Titel, Jahr: Schlafes Bruder, 1992 Verlag: Reclam ISBN: 3-379-01518-0 Ausgabe: Taschenbuch Seiten: 204 |
InhaltEschberg, ein kleines Dorf in Vorarlberg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mehr geduldet als akzeptiert geschweige denn geliebt, wächst Johannes Elias Alder als Bauerssohn heran. Im Alter von gerade mal 5 Jahren hat er eine unglaubliche Erfahrung. Und er kann den Herzschlag eines noch ungeborenen Mädchens hören. Des Mädchens, das ihm von Gott vorherbestimmt scheint und dessen Herzschlag er nie wieder vergessen wird. Elsbeth. Seit diesem Ereignis ist er imstande, Töne wahrzunehmen wie es niemand anderes vermag. Seit diesem Erlebnis hat sich die Farbe seiner Augen in ein Gelb verwandelt, dass ihm unter den Dorfbewohnern den Namen "Gelbseich" einbringt und noch weiter an den Rand der Gesellschaft drängt. Zudem besitzt er ein unglaubliches musikalisches Talent, welchem leider kaum Beachtung geschenkt wird. Seine ganze Liebe zu Elsbeth lässt er in seine Musik einfließen....
Meine MeinungWas für ein seltsames Buch! Was für eine Schande, dass das Manuskript von über zwanzig Verlagen abgelehnt wurde bevor es dem Leser zugänglich gemacht wurde.
Sprachlich der damaligen Zeit angepasst, verleiht dies dem Buch gleich eine gewisse Authentizität. Die Beschreibungen des damaligen Landlebens, auch wenn bekanntermaßen nicht einfach, ließen mich vor Fassungslosigkeit öfters den Kopf schütteln. Dieser Egoismus, diese Kaltherzigkeit, Grausamkeit und Intoleranz.... erschreckend. Die Handlung selbst fand ich ergreifend, Sprache und Stil außergewöhnlich und eindrücklich. Ein Wort das mir während des Lesens immer wieder in den Sinn kam: Gewaltig. Das Buch übte auf mich eine ungewohnte Sogwirkung aus, obwohl ich öfters pausieren musste denn Entspannungslektüre ist dies keine. Beschreibungen von Sinneseindrücken kann ich normalerweise wenig abgewinnen. Aber die Seiten über Elias' Spiel auf dem Feldberger Orgelfest
hörte ich mehr als dass ich sie las.
Elias' Liebe zu seiner Cousine Elsbeth ist alles andere als eine klassische romantische Liebesgeschichte mit Happy End. Sie ist tragisch und endet auch in einer Tragödie. Niemals jedoch gesteht er ihr seine Liebe, sie lebt nur in ihm und vor allem in seiner Musik. Elsbeth ist ihm gottgegeben, davon ist er überzeugt.
Er liebte die Frühlinge, er verteidigte die Winter, und der Herbst war ihm kein Zeichen des Sterbens mehr. Er war sich dessen gewiss, daß er das Herzschlagen des ihm vorbestimmten Geliebten gefunden hatte. Und zu Peter sagte er einmal: "Was müssen die armen Menschen suchen und irren! Von einem Geliebten zum anderen hetzen sie und wissen nicht, daß Gott ihnen einen Menschen von Ewigkeit her zugedacht hat. Einen Menschen, der dasselbe Herzschlagen trägt wie sie[...]"
Als er durch Gottes Gnaden schlußendlich 'befreit' wird, lebt er nicht etwa endlich sein Leben, sondern beschließt diesem ein Ende zu setzen. Durch Schlafentzug.... denn wer wahrhaft liebt, schläft nicht.
Gestört haben mich an dem Buch nur Kleinigkeiten wie etwa Elias' wundersame Wandlung, die war mir nun doch etwas zu grotesk. Alles in allem aber ein Lese
erlebnis welches ich nicht missen möchte.

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