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Autor Thema: Robert Schneider - Schlafes Bruder  (Gelesen 4517 mal)

Sanctus

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Schlafes Bruder Gestalt/Form
« Antwort #30 am: 03. Februar 2008, 16:52:50 »

Hallo zusammen

Ich bin neu hier und habe mich registriert da ich mir erhoffe das mir hier jemand helfen kann.

Ich muss für einen Vortrag das Buch Schlafes Bruder literaturgeschichtlich einordnen aufgrund der Form/Gestalt des Textes.

kann mir da jemand helfen (Naturalismus, Realismus, magischer Realismus, Romantik...??)
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sandhofer

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Re: Schlafes Bruder Gestalt/Form
« Antwort #31 am: 03. Februar 2008, 16:56:20 »

Als erstern Schritt empfehle ich Dir, mal in einer Literaturgeschichte (oder allenfalls auch online auf Wikipedia) abzuklären:

  • Wann war der Realismus, Naturalismus etc.?
  • Wann ist Schlafes Bruder erschienen?
  • Wer hat Schlafes Bruder verfasst?
  • ...


PS. Schlafes Bruder = Weltliteratur? Na ja ... de gustibus ...
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Sanctus

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Re: Schlafes Bruder Gestalt/Form
« Antwort #32 am: 03. Februar 2008, 17:20:39 »

ich weiss schon wer es verfasst hat und wann... das heisst aber noch nicht was es dann auch ist schlussendlich...


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sandhofer

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Re: Schlafes Bruder Gestalt/Form
« Antwort #33 am: 03. Februar 2008, 17:24:37 »

Na ja - wenn das Buch 2008 erschienen ist, kann es literaturgeschichtlich nicht zum Realismus gehören, wenn der 1773 stattgefunden hat. ;)
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Sanctus

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Re: Schlafes Bruder Gestalt/Form
« Antwort #34 am: 03. Februar 2008, 17:39:28 »

aber man kann es so schreiben wie jene es getan haben oder?  :zwinker:
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sandhofer

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Re: Schlafes Bruder Gestalt/Form
« Antwort #35 am: 03. Februar 2008, 17:52:15 »

Es gehört aber literaturgeschichtlich trotzdem nicht mehr dazu ;) ...
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Lara

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Re: Schlafes Bruder - Robert Schneider
« Antwort #36 am: 13. Februar 2008, 21:03:33 »

Hallo!

Ich lese auch gerade Schlafes Bruder für die Schule und muss sagen mir geht es da ähnlich wie bellastella. Als ich damit begonnen habe ist mir auch sofort das Parfum von Süskind in den Sinn gekommen. Aber dann denke ich mir wieder, die beiden Werke sind doch nicht vergleichbar. Irgendwie wird zwar dauernd erwähnt welch geniales Gehör dieser Elias doch besitzt, aber diese wunderbaren Schilderungen von Sinneseindrücken wie im Parfum, wo dem Leser die beschriebenen Düfte beinahe selbst in die Nase steigen, vermisse ich hier ein wenig. Seine Genialität spielt meiner Meinung nach doch eine eher untergeordente Rolle. Vielleicht interpretiere ich es ja falsch, aber ich habe den Eindruck der Elias zerbricht am Ende an der Lieblosigkeit seiner Mitmenschen. Was die Sprache anbelangt stimme ich euch zu - einfach genial! Auch wenn mich diese seltsamen Namen ziemlich nerven!  :breitgrins:
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Blume88

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Re: Robert Schneider - Schlafes Bruder
« Antwort #37 am: 05. April 2009, 11:47:40 »

Gestern Abend habe ich Schlafes Bruder fertig gelesen und bin ebenfalls begeistert und auch geschockt von den Umständen damals.
Bei dem Vergleich mit dem Parfüm muss ich Lara zustimmt, denn Schlafes Bruder hat mich einfach nicht hören lassen wir er spielt. Wobei ich denke, dass es auch schwieriger ist zu beschreiben wie sich etwas anhört...hm, natürlich ist es aber auch schwer zu beschreiben wie etwas riecht  :zwinker:
Ich muss sagen die Sprache fand ich gar nicht sooo überwältigend wie ihr; ich fand die Geschichte selbst eigentlich mitreisender. Mit den Namen hatte ich anfangs auch meine Probleme...
Es gibt einen Punkt in der Geschichte, wo es für mich irgendwie hackt:

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Liebe Grüße
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(Paul Auster)

sandi

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Antw:Robert Schneider - Schlafes Bruder
« Antwort #38 am: 06. Januar 2010, 22:26:44 »

Autor: Robert Schneider
Titel, Jahr: Schlafes Bruder, 1992
Verlag: Reclam
ISBN: 3-379-01518-0
Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 204

Inhalt
Eschberg, ein kleines Dorf in Vorarlberg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mehr geduldet als akzeptiert geschweige denn geliebt, wächst Johannes Elias Alder als Bauerssohn heran. Im Alter von gerade mal 5 Jahren hat er eine unglaubliche Erfahrung. Und er kann den Herzschlag eines noch ungeborenen Mädchens hören. Des Mädchens, das ihm von Gott vorherbestimmt scheint und dessen Herzschlag er nie wieder vergessen wird. Elsbeth. Seit diesem Ereignis ist er imstande, Töne wahrzunehmen wie es niemand anderes vermag. Seit diesem Erlebnis hat sich die Farbe seiner Augen in ein Gelb verwandelt, dass ihm unter den Dorfbewohnern den Namen "Gelbseich" einbringt und noch weiter an den Rand der Gesellschaft drängt. Zudem besitzt er ein unglaubliches musikalisches Talent, welchem leider kaum Beachtung geschenkt wird. Seine ganze Liebe zu Elsbeth lässt er in seine Musik einfließen....

Meine Meinung
Was für ein seltsames Buch! Was für eine Schande, dass das Manuskript von über zwanzig Verlagen abgelehnt wurde bevor es dem Leser zugänglich gemacht wurde.

Sprachlich der damaligen Zeit angepasst, verleiht dies dem Buch gleich eine gewisse Authentizität. Die Beschreibungen des damaligen Landlebens, auch wenn bekanntermaßen nicht einfach, ließen mich vor Fassungslosigkeit öfters den Kopf schütteln. Dieser Egoismus, diese Kaltherzigkeit, Grausamkeit und Intoleranz.... erschreckend. Die Handlung selbst fand ich ergreifend, Sprache und Stil außergewöhnlich und eindrücklich. Ein Wort das mir während des Lesens immer wieder in den Sinn kam: Gewaltig. Das Buch übte auf mich eine ungewohnte Sogwirkung aus, obwohl ich öfters pausieren musste denn Entspannungslektüre ist dies keine. Beschreibungen von Sinneseindrücken kann ich normalerweise wenig abgewinnen. Aber die Seiten über Elias' Spiel auf dem Feldberger Orgelfest hörte ich mehr als dass ich sie las.

Elias' Liebe zu seiner Cousine Elsbeth ist alles andere als eine klassische romantische Liebesgeschichte mit Happy End. Sie ist tragisch und endet auch in einer Tragödie. Niemals jedoch gesteht er ihr seine Liebe, sie lebt nur in ihm und vor allem in seiner Musik. Elsbeth ist ihm gottgegeben, davon ist er überzeugt.

Zitat von: Schlafes Bruder, S. 118
Er liebte die Frühlinge, er verteidigte die Winter, und der Herbst war ihm kein Zeichen des Sterbens mehr. Er war sich dessen gewiss, daß er das Herzschlagen des ihm vorbestimmten Geliebten gefunden hatte. Und zu Peter sagte er einmal: "Was müssen die armen Menschen suchen und irren! Von einem Geliebten zum anderen hetzen sie und wissen nicht, daß Gott ihnen einen Menschen von Ewigkeit her zugedacht hat. Einen Menschen, der dasselbe Herzschlagen trägt wie sie[...]"

Als er durch Gottes Gnaden schlußendlich 'befreit' wird, lebt er nicht etwa endlich sein Leben, sondern beschließt diesem ein Ende zu setzen. Durch Schlafentzug.... denn wer wahrhaft liebt, schläft nicht.

Gestört haben mich an dem Buch nur Kleinigkeiten wie etwa Elias' wundersame Wandlung, die war mir nun doch etwas zu grotesk. Alles in allem aber ein Leseerlebnis welches ich nicht missen möchte.

4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:
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"Man hat in der Welt nicht viel mehr, als die Wahl zwischen Einsamkeit und Gemeinheit." A. Schopenhauer

:blume: :engel:
SLW 2011: 1/20
Italien: 0/22 Österreich: 0/9 Deutschland: 1/16 Russland: 0/83 USA: 4/50 Welt: 2/226

M.a.n.u.e.l

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Re: Robert Schneider - Schlafes Bruder
« Antwort #39 am: 25. Juni 2011, 15:31:57 »

Hallo!
Auch ich habe gestern den Schlafes Bruder - meine aktuelle Schullektüre - beendet und bin nicht ganz so begeistert wie die meisten hier. Erstmal zum positiven: die gesamte Atmosphäre und der Ort des Geschehens wurde sehr gut eingefangen und man fühlte sich wirklich wie im 19. Jahrhundert in einem kleinen Bauerndorf das primär von Arbeit und Unzucht geprägt war.
Die Beschreibungen des Elias Alder als musikalisches Genie und dessen Ähnlichkeit zu dem Parfüm wurde hier ja schon mehrfach angesprochen, wobei ich Schneiders Darstellung des verzweifelten Genies deutlich gelungener und weniger überzogen fand (generell bin ich auch kein großer Fan von dem Parfüm).

Das eigentlich Problem, dass ich mit diesem Buch habe ist allerdings der gesamte Mittelteil. Während Anfang und besonders das Ende mehr als gelungen sind ist der Mittelteil einfach nur eine Erzählung wahrlos ausgewählter Ereignise in Elias' Leben, die dessen gesamte Verzweiflung am Ende erklären soll. Da frage ich mich nur wieso der Elias nicht schon vorher verrückt geworden ist. Wer so viele schreckliche Ereignisse in seinem Leben ertragen musste zerbricht nicht erst als man ihm die Fähigkeit zu lieben nimmt. Hier ist mir der Elias Alder einfach viel zu absurd und seine doch eher "nüchterne" Entscheidung des Selbstmordes passt hier irgendwie nicht richtig rein.

Als zweiten Kritikpunkt sehe ich die Sprache von Schneider. Es ist zwar sehr interessant wie er den Leser direkt anspricht und ihn in den Text einbezieht, doch prinzipiell ist die Sprache sehr stumpf und meiner Meinung nach nichts besonderes. Des weiteren erschienen mir die Beschreibung von Elias' musikalischen Werken eher als blosse Aneinandereihung von musiktheoretischen Fachbegriffen, wobei das wohl die wenigsten besser hätten machen können.

Letztlich gebe ich also 3,5/5 Punkten, wobei ich bevor ich das Ende gelesen hatte das Buch definitiv nicht als besonders lesenswert angesehen hätte.
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Zitat von André Glucksmann:
Philosophieren bedeutet zuallererst, gegen die eigene Dummheit zu kämpfen.