Ian McEwan: Saturday
Klappentext: Henry Perowne, 48, ist ein zufriedener Mann: erfolgreich als Neurochirurg, glücklich verheiratet, zwei begabte Kinder. Das einzige, was ihn leicht beunruhigt, ist der Zustand der Welt. Es ist Samstag, und er freut sich auf sein Squashspiel. Doch an diesem speziellen Samstag, dem 15. Februar 2003, ist nicht nur die größte Friedensdemonstration aller Zeiten in London. Perowne hat unversehens eine Begegnung, die ihm jeden Frieden raubt ...
Meine Meinung:Nachdem mir "Abbitte" recht gut gefiel, und ich auch viel Lob über "Saturday" gehört hatte, freute ich mich darauf, dieses Buch zu lesen. Leider wurde ich enttäuscht.
Es gibt Gedankenperlen in diesem Buch. Leider muß man sie aus einer Menge Gedankenmüll, oder freundlicher gesagt: Gelaber, herausfischen.
McEwan geht bis ins allerkleinste Detail. Das soll die Welt des Henry Perowne anschaulich machen, tut es auch, machte das Buch aber (für mich) an vielen Stellen langatmig. Auch die medizinischen Details waren mir manchmal zuviel, insbesondere an der Stelle,
wo die Operation an seiner zukünftigen Frau beschrieben wird.
Sowas lese ich einfach nicht gerne, ist wohl Geschmackssache.
Ich gehe auch nicht mit der Meinung konform, daß das ganze Buch an einem einzigen Tag spielt. Dieser Tag ist nur der Rahmen, es gibt jede Menge Rückblicke auf das Leben Henrys und seiner Familie.
Henry Perowne ist für mich keine sympathische Figur. Er mag hochgebildet, geistreich, kultiviert, rücksichtsvoll erscheinen - ich sehe die Absicht des Autors, Henry so darzustellen. Aber unter seiner netten, glatten Oberfläche ist er aggressiv, gewaltbereit, ängstlich, unzulänglich - genauso wie normale/einfache Menschen. Mir erscheint er eitel, arrogant, zu sehr von sich selbst (und seiner supertollen Familie) eingenommen. Henrys Leben wird beherrscht von Angst vor verschiedenen Bedrohungen, mit denen er sich schier verrückt macht. Ich weiß nicht, ob McEwan beabsichtigt hat, das so darzustellen.
Besonders in der Beschreibung des Squash-Spiels (mit dem McEwan meine Lesegeduld übrigens arg strapaziert hat) kommt Henrys Aggressivität sehr klar zum Ausdruck. Auch in seinem Verhalten nach dem Autocrash (welches meiner Meinung nach nicht mit seinem elitären Selbstverständnis konform geht) und in seiner Meinung zum Irakkrieg.
Das Ereignis, was ihm laut Klappentext "jeden Frieden raubt" wurde meiner Meinung nach zu lange vorbereitet und nahm dann viel zuwenig Raum im Buch ein. Es wirkte nur wie eine Episode. Ein wirkliches Bedrohungsgefühl konnte man als Leser hier kaum entwickeln, zumal das Ganze viel zu schnell (und meiner Meinung nach völlig unglaubwürdig) beendet wurde und alles wieder ins Lot kam, wie es sich gehörte. Ich sehe die Absicht des Autors, hier darzustellen, wie schnell ein glückliches, zufriedenes Leben durch Zufall sich wandeln kann und daß man sein Schicksal nicht in der Hand hat - ich finde dies aber nicht gelungen umgesetzt.
Und daß am Ende
Henry Perowne derjenige ist, der Baxter operiert,
ist für mich weniger eine gute Tat, als vielmehr glasklar eine Wiederherstellung der Machtverhältnisse, wie sie in Henrys Welt sein sollten.
Trotzdem war das Buch stellenweise unterhaltsam, es gab schöne Gedanken, interessante Sichtweisen. Gut hat auch mir der Besuch Henrys bei seiner Mutter gefallen.
Insgesamt kann ich dem Buch deshalb noch zweieinhalb Leseratten geben.

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Grüße, kaluma