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Autor Thema: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway  (Gelesen 5358 mal)

chil

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #30 am: 23. Januar 2007, 00:52:26 »

Ich bin ja auch ein großer Virginia Woolf - Fan ! Ich liebe einfach alle Bücher von ihr, auch die Essays sind große Klasse !
Gruß von Steffi

Das liegt schon so lange auf meinem SUB! Es beruhigt mich, dass das doch soviele gut finden, denn demnächst mach ich bei der Mrs. Dalloway Leserunde mit. (Demnächst ist übertrieben. Ich hab grad gesehen, dass die am 21. April erst ist.)
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dumbler

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #31 am: 23. Januar 2007, 08:39:45 »

Hallo,

kann mir vielleicht jemand sagen, ob Mrs Dalloway auch zu den Büchern gehört, die 1989 zum ersten Mal in Deutschland erschienen sind, oder wurde es hier schon vorher veröffentlicht?
Irgendwie finde ich dazu nirgends etwas. :schulterzuck:
Die erste deutsche Übersetzung gab es bereits 1928 unter dem Namen "Eine Frau von fünfzig Jahren". Hier ein Link ins Antiquariat

Gruß,
dumbler
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*Sternenstauner*

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #32 am: 23. Januar 2007, 11:33:12 »

Ah, Dankeschön, dumbler! Es hätte mich auch gewundert, wenn das Buch hier erst 1989 zu haben gewesen wäre.
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chil

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #33 am: 11. März 2009, 23:12:07 »

Endlich, endlich, endlich bin ich auch damit durch. Hier meine Rezension:

Es ist ein Juni-Mittwoch im London des Jahres 1923. Am Abend will Clarissa Dalloway, Dame der Londoner Gesellschaft, eine Party geben. Clarissa geht ihren täglichen Verrichtungen nach, außerdem widmet sie sich den Party-Vorbereitungen. Der Leser begleitet Clarissa durch diesen Tag, ebenso wie einige ihrer Party-Gäste, Dienstboten und Menschen aus dem näheren Umfeld der Dalloways.

Beinahe minutiös wird der Juni Tag beschrieben, man begleitet die Figuren durch London. Es ist ein Buch, in dem äußerlich rein gar nichts passiert, doch gerade diese Kleinigkeiten, von denen berichtet wird, führen den Erzählfaden ins Innere der Figuren. Äußerlich ruhig, aber innerlich durchleben die Figuren ihre eigenen Abgründe.

Die Figuren gehen in gewisser Weise ihrer eigener Wege, geleitet von äußerlichen Geschehen wie das Schlagen Big Bens oder eine Fehlzündung eines Autos, sind aber doch miteinander verknüpft und streben auf einen gemeinsamen Höhepunkt zu, der in der Party Clarissas schließlich sein Finale erlebt.

Das Besondere an diesem vierten Roman von Virginia Woolf ist nicht das Erzählte an sich, sondern die Art und Weise des Erzählens. Man erhält als Leser in dieser Stille des heißen Junitages eine handvoll Figuren mit ihren eigenen Geschichten, die nicht explizit erzählt werden, sondern sich aus Dialogen und Monologen zusammensetzen. „Mrs. Dalloway“ ist ein Buch, das man nicht abends im Bett lesen sollte, man schläft nämlich spätestens nach einer halben Seite ein. Aber es ist das richtige Buch für gestresste Menschen, die sich eine Auszeit gönnen wollen. Ganz okay, ein Buch ,dem ich auf Englisch irgendwann noch eine Chance geben werde.
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Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (21. April 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866155042
ISBN-13: 978-3866155046

3ratten
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Avila

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Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #34 am: 28. September 2009, 12:20:52 »

Auch auf die Gefahr hin, gesteinigt zu werden, aber ich hatte ganz und gar überhaupt keinen Zugang zu diesem Buch.

Ich habe mich zwar bis zum Schluss durchgequält, wobei ich sagen muss, dass meine Konzentration und somit auch meine Lesefreude (oder andersherum?) zum Ende gegen null sank.  :rollen:

Der Stil an sich wie literarisch-wertvoll er auch sein mag, aber ich persönlich hab den "wundervollen Sprachfluss" überhaupt nicht erkannt. Ich fand die indirekten Redesätze eher viel zu verwirrend. Da redet einer und geht dabei durch ganz London und jeder einzelne Schritt wird erklärt und das ohne Punkt, nur mit Komma abgetrennt - nein, das war mir wirklich ein wenig zu viel des Guten. (Ja, ich weiß, das ist übertriebenm aber so ungefähr kams mir vor.)
Und irgendwann kam ich auch mit den ganzen Personen nicht mehr mit. Ich konnte sie teilweise nicht mehr zu ordnen, aber zurückblättern, wollte ich auch nicht, da ich über jede gelesene Seite so froh war, dass mir dazu die Muße fehlte.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich momentan allgemein mit meinen Gedanken nicht ganz so beisammen bin, wie es sein sollte - vor allen Dingen bei so einem Buch. Wer weiß, vielleicht werd ich das Buch irgendwann nochmal lesen, irgendwann ... aber bisdahin kann ich dem Buch nicht mehr als

 1ratten

geben. Und die bekommt es nur, da ich die Geschichte stellenweise - in dem ich den Verlauf ganz folgen konnte - auch sehr interessant war. Nur war das Folgen leider nur auf einige wenige Stellen beschränkt.
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Heimfinderin

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Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #35 am: 28. September 2009, 13:15:38 »

@Avila
Nein, du stehst nicht alleine da. Ich stell mich zum Steinigen neben dich.  :breitgrins:

Ich konnte mit dem Buch auch nichts anfangen und habe es sogar nach 30 Seiten abgebrochen, weil mir der Stil überhaupt nicht gefallen hat nur bewirkt hat, dass mich absolut nicht interessiert hat, was da passiert. Es war mir einfach egal. Vielleicht muss ich es noch mal anfangen, um es zu verstehen, aber ganz ehrlich, dafür habe ich zu viele andere Bücher, die gelesen werden wollen  :smile:
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HoldenCaulfield

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Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #36 am: 28. September 2009, 13:27:24 »

Schade das ihr zu dem Roman keinen Zugang gefunden habt, ich gehöre ja zur Gattung^^ der Virginia Woolf Fans und Mrs. Dalloway war das erste Buch das ich von ihr gelesen habe.
Ich denke es hängt auch mit dem eigenen Geschmacksempfinden zusammen ob man einen Roman und sei er noch so Anspruchsvoll geschrieben und von hoher Qualität mag oder nicht mag. Ich kann mir schon auch vorstellen das man mit seinen Gedanken ganz dabei sein muss um alles zu erfassen, aber der eigene Geschmack spielt ja dann trotzdem eine Rolle. Das heißt ja nur das es einem persönlich nicht gefallen hat.
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Avila

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Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #37 am: 28. September 2009, 14:46:04 »

Vielleicht muss ich es noch mal anfangen, um es zu verstehen, aber ganz ehrlich, dafür habe ich zu viele andere Bücher, die gelesen werden wollen  :smile:

Ja, deswegen weiß ich auch nicht, ob ich das Buch nochmal anfangen werde, aber man soll ja niemals nie sagen und manchmal hab ich so Zeiten, da hab ich einfach nochmal Lust auf ein Buch. Vielleicht wirds damit ja ähnlich sein. ;)

Schade das ihr zu dem Roman keinen Zugang gefunden habt, [...] Das heißt ja nur das es einem persönlich nicht gefallen hat.

Ich finds auch schaden, aber nun ja. Und ich es ist so wie du sagst, ich will das Buch ja nicht schlecht reden - es ist ja nur mein eigenes Empfinden. ;) Und es gibt ja auch kein Buch, bei dem ALLE der gleichen Meinung sind. - Gott sei Dank!
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chil

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Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #38 am: 05. Oktober 2009, 21:58:39 »

Also ich hab auch mehrmals anfangen müssen, bis ich es endlich geschafft hatte, mal "rein" zu kommen. Es war ganz anders als alles, was ich bis dahin gelesen hatte und ich muss sagen: Man braucht eine Menge Aufmerksamkeit dafür. Ich bin sicher kein Dalloway/Woolf-Fan, aber vielleicht werde ich es irgendwann nochmal lesen. Mal sehen.
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Ophelia

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #39 am: 23. August 2011, 16:00:52 »

Im Rahmen der Leserunde habe ich nun "Mrs Dalloway" beendet und muss mich den letzten Meinungen hier (vor alle, Avilas^^) anschließen. Ich habe bis zum Ende keinen einzigen Zugang zu den Personen und dem Geschehen (eigentlich passiert ja nichts^^) bekommen, es hat mich absolut kalt gelassen. Ganz ehrlich, von der so hoch geprisesenen Tiefgründigkeit und Darlegung innerer Regungen der Charaktere konnte ich hier nichts finden, und ich lese nun wirklich keine anspruchslosen Bücher. Aber das hier scheint für mich dann doch mehr Schein als Sein darzustellen. Sehr schade, ich habe wirklich etwas Aufwühlendes und Bewegendes erwartet, stattdessen musste ich mich oftmals durchringen, die Augen überhaupt aufzuhalten. Mich hat dieses Buch nicht ansatzweise berührt, nicht einmal im Negativen, sondern sehr gleichgültig und desinteressiert zurückgelassen.

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Klassikfreund

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Re: Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #40 am: 24. August 2011, 09:09:30 »

Schade das ihr zu dem Roman keinen Zugang gefunden habt, ich gehöre ja zur Gattung^^ der Virginia Woolf Fans und Mrs. Dalloway war das erste Buch das ich von ihr gelesen habe.
Ich denke es hängt auch mit dem eigenen Geschmacksempfinden zusammen ob man einen Roman und sei er noch so Anspruchsvoll geschrieben und von hoher Qualität mag oder nicht mag. Ich kann mir schon auch vorstellen das man mit seinen Gedanken ganz dabei sein muss um alles zu erfassen, aber der eigene Geschmack spielt ja dann trotzdem eine Rolle. Das heißt ja nur das es einem persönlich nicht gefallen hat.

Woolf ist schon schwer zugänglich. Sie erfordert mehr Konzentration als ein Klassiker wie Proust. Auf diese handlungsarme Welt muss man sich erst mal einlassen, bei Woolf ist das Buch dann schon vorbei, bevor man hineingekommen ist.

Gruß, Thomas
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Ophelia

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Re: Antw:Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #41 am: 24. August 2011, 10:06:45 »

... bei Woolf ist das Buch dann schon vorbei, bevor man hineingekommen ist.


Genau das ist es! Das Buch hat mich ganz dezent erst auf den letzten 40-50 Seiten interessiert, davor fand ich das "Geschwafel" einfach unerträglich. Es hat m. M. n. an allen Ecken und Enden etwas gefehlt. Dann kam das Ende und ich dachte - ja und? Dass Peter sie noch liebt, erfahren wir ja das ganze Buch über mehrfach...  :rollen:
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Anja

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #42 am: 24. August 2011, 21:19:57 »



Inhalt:

>>>Ein Junitag im Jahre 1923. Clarissa Dalloway, (sie hatte schon einen Auftritt in "Die Fahrt hinaus"), Gattin eines Parlamentsabgeordneten, trifft die Vorbereitungen für eine große Abendgesellschaft. Während dieser Verrichtungen ergeht sie sich in Erinnerungen, lotet ihr Leben aus und wird sich der Enge und Leere ihres Daseins schmerzlich bewußt. Mrs. Dalloways Reflexionen, wie überhaupt die inneren Monologe des Romans, bilden den eigentlichen Kern der Handlung, während die Darsteller puppengleich auf dem gesellschaftlichen Parkett agieren.<<<
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:

Schon lange wollte ich "Mrs Dalloway" lesen und irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen. Durch die Leserunde (danke, tina!) hatte ich nun endlich die nötige Motivation und wurde von dem Buch auch nicht enttäuscht.

Anders als befürchtet, war ich sofort mitten in der Geschichte, besser gesagt, im "Bewusstseinsstrom". Faszinierend, wie wenig (äußerlich) und gleichzeitig wie viel (innerlich) in diesem Roman passiert. Ebenso, wie Virginia Woolf die Fäden zwischen den vielen verschiedenen Personen spinnt und wie viele Themen sie in den doch recht übersichtlichen 188 Seiten des Romans anspricht (Gesellschaftskritik, Frauenrechte, Homosexualität, Kriegstraumata, Kritik an Ärzten, soziale Fragen, Kriegstraumata und Depressionen u.v.a.).

Die Sprache ist wunderbar bildhaft und kommt einige Male auch herrlich zynisch daher  ("Seit fünfundfünfzig Jahren schwamm er [Hugh Whitbread, ein Bekannter von Clarissa Dalloway, angestellt am Königshof] als Fettauge auf der Suppe der englischen guten Gesellschaft." (S. 102)).

Eine der Personen, die mir am meisten nahe gegangen sind, war der kriegstraumatisierte Septimus Warren Smith, der wegen seiner Krankheit arroganten und unfähigen Ärzten hilflos ausgeliefert ist. In seine Person lässt Woolf die Erfahrungen mit einfließen, die sie selbst aufgrund ihrer psychischen Krankheit gemacht hat.

Mein Fazit:
Bücher wie dieses könnte ich nicht jeden Tag lesen, da ich aufgrund des besonderen Stils nur sehr langsam und mit größter Konzentration vorankommen konnte. "Mrs Dalloway" ist wie ein 5-Gänge-Festmenü: man kann es nicht jeden Tag essen - aber wenn man es dann ab und an einmal isst, ist es ein besonderer Leckerbissen. Daher:
 5ratten :tipp:


P.S.: Und auch hier mein Filmtipp: "The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit". Schon vor dem Lesen von "Mrs Dalloway" fand ich diesen Film grandios und jetzt werde ich ihn mir das fünfte Mal noch einmal ansehen. :zwinker:
« Letzte Änderung: 24. August 2011, 21:23:37 von Anja »
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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #43 am: 29. August 2011, 21:03:29 »

Mrs Dalloway ist kein einfaches Buch und schon gar nicht leicht zugänglich. Wenn man sich aber die Mühe macht, sich etwas intensiver damit auseinanderzusetzen, ist es durchaus lesenswert.

Die äußere Handlung ist in diesem Buch sehr reduziert, wir begleiten einen recht gewöhnlichen Tag im Leben von Clarissa Dalloway, der auf den Höhepunkt einer Party am Abend zuläuft. Dabei springt Virginia Woolf mit dem Leser im Schlepptau sehr geschickt zwischen den Gedanken verschiedener Personen hin und her. Dadurch ergeben sich viele interessante Perspektiven, da man eine Person so wohl von außen, als auch von innen kennenlernt.

Das Buch liest sich wie eine Reise durch verschiedene Köpfe. Manche darf man länger begleiten und auch etwas über die Persönlichkeit und die Vergangenheit erfahren, manchmal ist es wirklich nur ein kurzer Besuch, bei dem man im "Vorbeigehen" einen Gedanken aufschnappt. Mrs. Dalloway selbst steht dabei nicht unbedingt immer im Mittelpunkt, aber der Personenkreis hängt immer in gewissem Maße mit ihr zusammen.

Alle Charaktere sind einzigartig und wirken authentisch. Es ist faszinierend, wie Virginia Woolf sich in das Gefühlsleben und die Gedanken dieser so unterschiedlichen Personen hineinversetzen kann und sie damit für den Leser zum Leben erweckt. In einigen Figuren scheint sie auch eigene Erfahrungen verarbeitet zu haben.

Auch wenn dieses Buch nicht die Dinge liefert, die man normalerweise von einem guten Buch erwartet - sympathische Charaktere, eine spannende Handlung etc. - fand ich es sehr lesenswert und habe wieder richtig Lust darauf bekommen, mehr von Virginia Woolf zu lesen.
4ratten
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tina

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Re: Virginia Woolf - Mrs. Dalloway
« Antwort #44 am: 29. August 2011, 22:54:35 »

Virginia Woolf – Mrs. Dalloway


OT: Mrs. Dalloway
OA: 1925
239 Seiten
ISBN: 978-3596140022

Inhalt:

Clarissa Dalloway ist eine reizende, empfindsame Frau. Sie wird eine ihrer berühmten Abendgesellschaften geben. Die Vorfreude auf dieses Ereignis und der strahlende Junimorgen erfüllen sie mit einem intensiven Glücksgefühl und lösen eine Flut von Erinnerungen und Visionen aus.

Eigene Meinung:

Mrs. Dalloway ist alles andere als einfach zu lesen. Man muss sich schon Ruhe und Zeit nehmen, um den Gedanken der Protagonisten zu folgen zu können, welche von Virginia Woolf auch noch in sehr lange und verschachtelte Sätze bettet. Alle Personen erleben diesen einen sonnigen Junitag in London, aber ein jeder empfindet ihn anders. Sehr gravierend sind die unterschiedlichen Empfindungen von Septimus und Clarissa. Septimus ist ein gebrochener junger Mann, der nicht mehr in der Lage ist ein „normales“ Leben zu führen. Gebrochen wurde dieser Mann durch einen grausamen Krieg und Woolf stellt auf erschreckend deutliche und sehr bildliche Weise dar, wie er leidet unter dem Verlust eines Freundes, seine Einsamkeit inmitten von Menschen und die fehlerhaften und fahrlässigen Methoden seiner Ärzte, welchen er „anvertraut“ wird. Clarissa allerdings erlebt den Tag etwas vergnügter, aber auch sie hat ihr Päckchen zu tragen. Durch die Ankunft eines alten Freundes, welcher den größten Teil seines Lebens in Indien verbracht hatte, geraten ihre Gedanken aus den Fugen und sie wird immer wieder an die Zeit ihrer Jugend erinnert. Der glücklichsten und unbeschwertesten Zeit ihres Lebens, unwiederbringlich zu Ende, aber nach wie vor präsent. Dieses Buch zeigt sehr Eindrücklich, wie sehr uns unsere Vergangenheit prägt, ob wir nun wollen oder nicht und dass wir niemals Herr unserer Gedanken und Gefühle sind und daran wird auch das Alter nichts ändern, wenn wir in unserem Herzen, unabhängig von unserem Körper jung bleiben. Sehr schön wird dies durch Peter ausgedrückt, als er Clarissas 17jährige Tochter Elizabeth ansieht: „Elizabeth zum Beispiel“, sagt er. „Sie fühlt nicht die Hälfte dessen was wir fühlen, noch nicht.“
Letztendlich ist dieses Buch eine Wertschätzung des Lebens, auch wenn sehr oft vom Tod die Rede ist. Virginia Woolf gelang es mit diesem Roman ein Porträt über das Älterwerden und die sehr prägende Jugend zu entwerfen, in welchem sich wohl sehr viele von uns stellenweise wiederfinden werden.
Ich bin mir bei diesem Buch sehr sicher, dass ich es noch einmal lesen werde; vielleicht in 10 Jahren und ich bin mir ebenso sicher, dass ich dann in diesem Buch ganz neue Inhalte entdecken werde.

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Tina
« Letzte Änderung: 29. August 2011, 22:58:59 von tina »
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