
Inhalt:>>>Ein Junitag im Jahre 1923. Clarissa Dalloway, (sie hatte schon einen Auftritt in "Die Fahrt hinaus"), Gattin eines Parlamentsabgeordneten, trifft die Vorbereitungen für eine große Abendgesellschaft. Während dieser Verrichtungen ergeht sie sich in Erinnerungen, lotet ihr Leben aus und wird sich der Enge und Leere ihres Daseins schmerzlich bewußt. Mrs. Dalloways Reflexionen, wie überhaupt die inneren Monologe des Romans, bilden den eigentlichen Kern der Handlung, während die Darsteller puppengleich auf dem gesellschaftlichen Parkett agieren.<<<
(Quelle:
amazon)
Meine Meinung:Schon lange wollte ich "Mrs Dalloway" lesen und irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen. Durch die
Leserunde (danke, tina!) hatte ich nun endlich die nötige Motivation und wurde von dem Buch auch nicht enttäuscht.
Anders als befürchtet, war ich sofort mitten in der Geschichte, besser gesagt, im "Bewusstseinsstrom". Faszinierend, wie wenig (äußerlich) und gleichzeitig wie viel (innerlich) in diesem Roman passiert. Ebenso, wie Virginia Woolf die Fäden zwischen den vielen verschiedenen Personen spinnt und wie viele Themen sie in den doch recht übersichtlichen 188 Seiten des Romans anspricht (Gesellschaftskritik, Frauenrechte, Homosexualität, Kriegstraumata, Kritik an Ärzten, soziale Fragen, Kriegstraumata und Depressionen u.v.a.).
Die Sprache ist wunderbar bildhaft und kommt einige Male auch herrlich zynisch daher ("Seit fünfundfünfzig Jahren schwamm er [Hugh Whitbread, ein Bekannter von Clarissa Dalloway, angestellt am Königshof] als Fettauge auf der Suppe der englischen guten Gesellschaft." (S. 102)).
Eine der Personen, die mir am meisten nahe gegangen sind, war der kriegstraumatisierte Septimus Warren Smith, der wegen seiner Krankheit arroganten und unfähigen Ärzten hilflos ausgeliefert ist. In seine Person lässt Woolf die Erfahrungen mit einfließen, die sie selbst aufgrund ihrer psychischen Krankheit gemacht hat.
Mein Fazit:Bücher wie dieses könnte ich nicht jeden Tag lesen, da ich aufgrund des besonderen Stils nur sehr langsam und mit größter Konzentration vorankommen konnte. "Mrs Dalloway" ist wie ein 5-Gänge-Festmenü: man kann es nicht jeden Tag essen - aber wenn man es dann ab und an einmal isst, ist es ein besonderer Leckerbissen. Daher:

P.S.: Und auch hier mein Filmtipp: "
The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit". Schon vor dem Lesen von "Mrs Dalloway" fand ich diesen Film grandios und jetzt werde ich ihn mir
das fünfte Mal noch einmal ansehen.
