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Autor Thema: Douglas Coupland - Alle Familien sind verkorkst  (Gelesen 967 mal)

Jürgen

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Douglas Coupland - Alle Familien sind verkorkst
« am: 19. Oktober 2005, 08:46:05 »



Ist es eigentlich "Weltliteratur", wenn es ein Buch zu 37 Übersetzungen in verschiedenen Sprachen bringt.

Ich weiß es nicht, aber Douglas Coupland´s "Alle Familien sind verkorkst" einfach unter sonstige Bücher einzusortieren, fand ich etwas unpassend.
Coupland´s Buch, eine Novelle über eine "typische ?" amerikanische Familie, gehört imho in jedes Buchregal mit anspruchsvoller Unterhaltungsliteratur.

Ich lese schon die Kommentare, die den Zusammenhang -Coupland = anspruchsvoll- in der Luft zerfetzen. Ich halte entgegen, daß die Bücher dieses Autors schon gewaltig aus der Masse der Veröffentlichungen herausragen.

Dabei ist es nicht einmal die stilistisch ausgefeilte Wortwahl oder ein ungewöhnliches Thema, die Coupland´s Bücher unverkennbar und einmalig machen. Es ist die Fähigkeit des Autors, virtuos auf der Gefühlsklaviatur des Lesers zu spielen... und darin ist er ein wahrer Meister.

Nach "Generation X" und "Mikrosklaven" ein weiteres, wirklich zu empfehlendes Kleinod der Literatur.

Rezension auf www.leseattacke.de
« Letzte Änderung: 30. Juli 2006, 00:09:48 von fairy »
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Bettina

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Re: Douglas Coupland - Alle Familien sind verkorkst
« Antwort #1 am: 18. Juni 2010, 20:54:27 »

Und hier die Taschenbuchversion:

Kurzbeschreibung
Es ist das Jahr 2001 und die verrückte Drummond-Familie kommt im Rentnerparadies Florida zusammen, um Zeuge zu werden, wie die Hoffnungsträgerin der Familie, Tochter Sarah, von Cape Canaveral ins All startet. Doch Mutter Janet, Exmann Ted und die zwei Söhne samt Freundinnen werden in Ereignisse verstrickt, die sie selbst geradezu normal aussehen lassen; ein Amoklauf im Schnellimbiss inklusive.

Meine Eindrücke
Herrje, da greift man zum Roman eines Mannes, der dank Generation X  als Kultautor gefeiert wird und gerät an eines seiner Bücher, das zwar unterhaltsam ist, mit dem man insgesamt aber gar nichts anfangen kann. Abgedreht ist schon eine Untertreibung für das, was Coupland serviert. Es ist eine Freak Show - für mich bisher ohnegleichen.
Es geht los mit der Charakterbesetzung. Jeder in der Familie ist ziemlich bemeist und gleicht kein bisschen den anderen Astronautenfamilien, die brav und adrett die Leidenschaft Raumfahrt leben. Sohn 1 scheint ein großes Kind zu sein und wird bis heute so behandelt, als könne er sich nicht einmal den Schuh selber binden. Sohn 2 ist entweder im Gefängnis oder er dreht merkwürdige und halbwegs krumme Dinger. Beinahe-Schwiegertochter 1 ist eine ehemalige Drogenabhängige, die inzwischen äußerst gläubig ist und als Zeichen ihrer Bekehrung Kleider von anno dazumal trägt. Beinahe-Schwiegertochter 2 ist eine Krawallschachtel, die dank einer weltfremden antiautoritären Erziehung meint, einen Namen für sich erfinden zu müssen (das wäre dann shw) und glaubt, bei der alleinigen Berührung einer Tablettenpackung würden die Wirkstoffe auf sie überspringen.
OK, eine Ausnahme gibt es in dieser Welt voller Bekloppter und das ist Sarah, die trotz einer Contergan-Behinderung zielstrebig einen erfolgreichen Weg geht, der sie zur NASA-Astronautin macht. Dafür hat sie einen sterbenslangweiligen, faden Mann, der mit der Frau von Sarahs Kommandanten fremdgeht.

Als nächstes kommt die Handlung, die ebenfalls mehr als krude ist. Janet gerät mit Teds neuer Frau Nickie und shw in den Überfall eines Schnellrestaurants. shw will ihre Schwangerschaft zu Geld machen und das Baby verkaufen (und das entwickelt sich auf eine Weise, die noch eins draufsetzt, was ich aber nicht verraten will). Ted selbst ist ein unverbesserlicher Macho, der seinen Söhnen wahlweise Vorhaltungen gemacht oder sie verdroschen hat, während er jede Tat der Tochter als geniales Meisterwerk gefeiert hat. Selbst, als Sarah die Scheune eines Nachbarn abfackelt, wirbelt Ted das Töchterchen stolz durch die Luft, weil er das als tollen physikalischen Versuch einordnet. Ach ja, Drogen wurden im Lauf der Zeit auch probiert, Bankrotteure gibt es und Einbrüche ins Hotelzimmer. Irgendwann werden dann noch unliebsame Zeugen im Sumpf ausgesetzt, ein Schmuggelversuch zu den Bahamas endet mit einer märchenhaften Rettung der drei AIDS-Kranken in der Familie, und irgendwie hat da auch noch der Brief der englischen Prinzen William und Harry an ihre verstorbene Mutter Platz.

Irgendwie gestaltet sich das Lesen sehr atemlos, man rast von einem Knalleffekt zum nächsten und steht am Ende da wie nach einem US-amerikanischen Actionfilm: Es ist viel passiert, man hat zwei Stunden vollgepackt mit allen Kniffen der Zunft und den neuesten Errungenschaften der Computertechnik erlebt, aber man weiß, dass nichts hängenbleiben wird. Glaubwürdig war's eh nicht und schon beim Bier danach in der Kneipe quatscht man lieber über etwas anders.

Was ich an Weisheit mitnehmen konnte, ist eine interessante Anmerkung über Familien im Allgemeinen: Fremden Familien gegenüber sei man in der Regel immer sehr tolerant aufgestellt, nur die eigene erscheine einem selbst als verkorkst. Ansonsten kommt nicht viel bei rüber, außer, dass ich immer erwartet habe, dass ich irgendwo über die Regieanweisungen für den aus dem Buch zu drehenden knallbunten, bonbonfarbig gedrehten Film stoßen würde.

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