@ Alle:
Die Moral in *Das Haus in Montevideo* von Curt Goetz lautet, daß nichts auf der Welt so schmutzig sei, wie eine schmutzige Phantasie es machen könne.
Viele Verrisse sagen mehr über Denkweise, allgemeine literarische Vorlieben oder Abneigungen des Kritikers aus als über die jeweiligen Verfasser und Bücher, die er sich vorgenommen hat. Es ist eine Manie der Literaturkritik, nach oberflächlich zutage tretenden oder verborgenen Motivationsschichten zu forschen - selbst dort, wo es gar keine gibt. Daß er
nur Geschichten erzähle, hat man Tolkien ebenso vorgeworfen wie das Gegenteil, nämlich daß dies und jenes symbolisch dargestellt sei und über die erzählte Geschichte hinaus in diesem und jenem Licht gesehen werden
müsse.
Ob das aber objektiv betrachtet auch noch stimmt oder nur der auf (subjektiven) Assoziationen gründenden Meinung einer einzigen Person entspricht, ist eine ganz andere Frage. Eine Kritik ist nicht allein dadurch,
daß es eine Kritik ist, bereits eine bestätigte Tatsache, auch wenn dieser Eindruck gerne erweckt wird, sondern nur eine Tatsachen
behauptung, also eine These oder Interpretation. Darüberhinaus sollte man immer in Betracht ziehen, woher und von wem die Kritik stammt und ob der persönliche Hintergrund der Kritiker wirklich frei von *ira et studio* ist.
Tolkien oder auch Goodkind bewegen sich in guter Gesellschaft. Ottfried Preußler wurde vorgeworfen, mit seiner >Kleinen Hexe< eine positive Identifikationsfigur für (unschuldige) Kinder geschaffen zu haben, während Hexen doch etwas Unchristliches und Böses seien. Astrid Lindgren wurde von christlichen Organisationen beschuldigt, in >Die Brüder Löwenherz< Selbstmord zu verherrlichen. Rowling wurde vor einigen Jahren gleichermaßen unterstellt, in >Harry Potter< unterschwellig Homosexualität zu propagieren wie auch zu verteufeln - desgleichen mit ihren Büchern Okkultismus zu fördern.
Es ist legitim, im Rahmen der Literaturwissenschaft Thesen zu erstellen und sie auf ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen. Es ist auch legitim, dabei zu Schlußfolgerungen zu kommen, die sich diametral von allem unterscheiden, was bisher über ein Buch oder einen Autor bekannt oder erkannt wurde. Es ist nicht verboten, die Ergebnisse der eigenen Untersuchung - und mögen sie noch so absurd sein - zu veröffentlichen.
Das Problem des Internet ist jedoch, daß viele Thesen aus ihrem ursprünglichen Rahmen gerissen, willkürlich verbreitet und von Usern dann oft übernommen und unreflektiert weitergetragen werden.
Zum Mitmeißeln:
Tolkien war weder Faschist noch hat er zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens erkennen lassen, dem Faschismus und seinen Vertretern wohlwollend gegenüberzustehen.
Über Terry Goodkind ließ sich (bisher) nur herausfinden, daß es offenbar vereinzelt Leser geben soll, die sich entweder bei Handlung oder Kostümierung seiner Protagonisten frei assoziativ an den Klu-Klux-Klan erinnert fühlen.
Für Kritiker, egal ob sie nun Amateure sind oder nicht und so ehrlich sie sich geben oder tatsächlich sein mögen, trifft wohl immer auch ein bißchen jener nette kleine Vierzeiler aus Tolkiens Feder zu:
*The Lord of the Rings,
Is one of those things,
If you like it, you do
If you don't, you boo.*
