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Autor Thema: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern  (Gelesen 5000 mal)

illy

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #30 am: 24. Februar 2007, 10:22:10 »


„Die Selbstmord-Schwestern“ vom Pulitzerpreisträger Jeffrey Eugenides spielt in einem wohlhabenden US-amerikanischen Vorort irgendwann in den frühen 1970ern. Innerhalb eines Jahres töten sich alle fünf Töchter der Familie Lisbon, im Alter zwischen 13 und 17, selbst, auf die verschiedensten, teilweise bizarren Arten.

Die Erzählperspektive bleibt in gewisser Hinsicht lange ein Rätsel. Es scheint als hätten einige der Jungen, die zu der Zeit, als die Selbstmorde stattfanden, in der Gegend lebten, sich 30 Jahre später aufgemacht und versucht die Gründe herauszufinden. Der Autor erwähnt dabei häufig Informationsquellen, wie z.B. „der Zeitungsartikel in der X Gazette mit Datum vom x.x.“, „das Foto von Y beim Barbequeue“, „die Handtasche von Z“ und nennt sie dann „Beweisstück 1,2,3,…“, was diesen Eindruck noch verstärkt.

Im Grunde genommen passiert nicht viel in dem Buch, es ist eine melancholische „amerikanische Jugend im Sommer“ - Geschichte, berichtet vom ersten Todesfall, den Versuchen das Leben über den Tod siegen zu lassen und den letztendlichen Misserfolg: den Tod der restlichen Mädchen. Dies alles aus der Sicht gleichaltriger Jungen des Viertels, wobei der genaue Autor im Dunkeln bleibt. Ihrer eingeschränkten Perspektive versuchen die Männer, zu denen diese Jungen wurden, dadurch beizukommen, dass sie selbst Kleinigkeiten aus dem Leben der Mädchen zu einer Art Reliquien machten und als die oben beschriebenen Beweisstücke klassifizierten. Durch die Betrachtung aus 30 Jahren Abstand ist der Autor tatsächlich nur Beobachter und lässt einen nur zuschauen, nicht wirklich mitfühlen, es bleibt nur ein diffuser Eindruck der Stimmung, aber es gab für mich keine konkreten Szenen, die spezielle, eindeutige Gefühle weckten, nur traurige und überlange am Leben erhaltene Reminiszenzen an die eigene Jugend, melancholisch verklärt. Eine verlorene Jugend, der immer noch nachgetrauert wird, nur in diesem Fall verkörpert von einschneidenden Ereignissen, den Selbstmorden der Lisbon-Mädchen, die für die Jungen den Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein kennzeichneten.

Ich kann die Qualitäten dieses Buches durchaus erkennen, bewundere die ausdrucksstarke Sprache, spüre ein Stück weit die Stimmung, die es verbreitet und nehme zur Kenntnis, dass man tiefe Wahrheiten darin entdecken kann… Ich konnte es allerdings nicht und habe nur das Gefühl, dass es ein Traum für einen Lehrer ist, mit all seinen Interpretationsansätzen, Spaß gemacht hat es mir aber nicht wirklich, zu undeutlich bleiben die einzelnen Personen, gehen in dem Gesamtbild unter. Und da das Buch im „Observer“ als ein „„Fänger im Roggen“ unserer Zeit“ bezeichnet wurde, mit welchem ich persönlich ebenfalls nichts anfangen konnte, und ich durchaus Parallelen zwischen den Büchern erkennen kann, möchte ich es den Fans vom „Fänger im Roggen“ als deutliche Lektüreempfehlung ans Herz legen. Alle anderen mögen selbst entscheiden, ob das Buch etwas für sie ist oder nicht, meine Bewertung ist diesmal besonders subjektiv, ich kann voll und ganz nachvollziehen, wenn andere das Buch besser beurteilten.

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HoldenCaulfield

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #31 am: 24. Februar 2007, 12:19:15 »

Hm also den Vegleich mit dem Fänger im Roggen würde ich nicht unbedingt ziehen wollen... die Geschichten sind meiner Meinung nach zu unterschiedlich...
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Sonnenschirm

Flor

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #32 am: 22. Mai 2007, 19:17:20 »

Das war ein Buch vom SUB Wettbewerb und ich habe ganz vergessen noch eine Rezi zu schreiben.
Das heißt das stimmt nicht ganz, da ich anfangs das Schreiben immer vor mich her geschoben habe, da ich einfach nicht weiß was ich von dem Buch halten soll.

Von MiddleS.e.x. war ich ja ganz begeistert. Das war eine ausführlich erzählte, ungewöhnlich interessante Geschichte. Somit hatte ich recht hohe Erwartungen an diesen Roman, die sich aber nicht wirklich erfüllt haben.
Dabei hat sich der Klappentext wirklich sehr gut angehört.
Aber ich habe für dieses kleine Buch dann ca. 2 Monate gebraucht. Bin Anfangs gar nicht in die Geschichte reingekommen und fand es irgendwie langweilig.
Später fand ich es dann nur deprimierend und hoffnungslos. Habe mich beim lesen wie die Mädchen gefühlt. "Wann kommt endlich die Erlösung".
Wirklich, was für eine total gestörte und kranke Familie. In was für einem Elternhaus mussten die Mädchen aufwachsen.
Gerne hätte ich erfahren, wie die Mädchen es erleben, aber der Leser bleibt die ganze Zeit genauso  ein Aussenstehender, wie die Jungen die sie beobachten.
Man erfährt nichts über die Gefühle der Mädchen.
Was mich auch gestört hat, dass die Selbstmorde so verharmlost wurde. Als etwas ganz normales, es gibt keinen anderen Weg als eben diesen. Als ob ein Leben nichts Wert ist.
Das Buch ist ungewöhnlich ganz sicher und ich kann auch verstehen wenn es hier viele begeisterte Leser gibt aber für mich war es eher nichts.
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Azalee

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #33 am: 23. Mai 2007, 12:25:58 »

Das Buch ist ungewöhnlich ganz sicher und ich kann auch verstehen wenn es hier viele begeisterte Leser gibt aber für mich war es eher nichts.


Das geht mir ähnlich. Ich hab das Buch anfang dieses Jahres gelesen und ich weiss immer noch nicht ob es mir gefällt. Irgendwie fand ich die Geschichte schon gut, auch die Gedankengänge des Autors und so. Dennoch wurde ich mit dem Buch nicht warm. Ich ordne das einfach in die Kategorie "interessant, aber nicht noch einmal lesen" ein.

Liebe Grüße

Azalee
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Liandra

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #34 am: 13. Oktober 2007, 21:40:35 »


Klappentet:
Im Vorstadthaus der Familie Lisbon leben fünf schöne Töchter: die gescheite Therese, die pingelige Mary, die asketische Bonnie, die scharfe Lux und die blasse, lammfromme Cecilia. Als sich die jüngste von ihnen aus dem Fenster stürzt, beginnt das Jahr der Selbstmorde, das alle Beteiligten und Beobachter für immer verändern wird. Schaurig-ironisch und zärtlich zugleich zeichnet der pulitzerproeisträger das Prträt einer Jugend, die ihre Unschuld verloren hat.

Meine Meinung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Ich-Erzähler halten sich im Hintergrund und berichten aus einer beobachtenden Haltung heraus die Geschehnisse in ihrem Vorstadtviertel.
Diese Art der Erzählweise ermöglicht durch die Geschichte ein spannendes Miterleben und Mitbeobachten des Lesers / der Leserin, bleibt aber immer ein wenig distanziert. 
Der düstere Handlungsstrang war zwar von Geheimnissen dieser Familie umgeben, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass ich dieses beschriebene Jahr nachvollziehen konnte. Das Geheimnis wurde bis zum Schluss nicht preisgegeben, aber gerade das hat auch den Reiz dieser Geschichte ausgemacht.




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miss.mesmerized

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #35 am: 22. Oktober 2007, 18:16:04 »

Mir hat das Buch nicht gefallen.

Ich finde die Idee der Außenstehendenperspektive zwar interessant, aber sie wird der Geschichte und den Schwestern nicht gerecht. Dadurch, dass man keinerlei Einblick erhält, bleibt alles zu unklar und nicht nachvollziehbar und das finde ich sehr schade. Mich hätten die Hintergründe bzw. beweggründe der Schwestern, ihre Gedanken und Gefühle sehr interessiert und die Story hätte echtes Potenzial gehabt, das der Autor durch seine Perspektive nicht ausschöpfen kann. Die Einsichten der Jungs sind mir auch zu naiv und oberflächlich gewesen, um mit ihrer Sicht irgendwas anfangen zu können.
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kathchen

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #36 am: 21. November 2007, 21:17:14 »

Das Buch zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern!
Ich find es einfach total super.
Letzte Woche lief der Film dazu im Fernsehen, konnte ihn mir nicht ansehen, hab
ihn aber erstmal auf Video aufgenommen und warte, bis ich Zeit dafür gefunden habe.
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Fannie85

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #37 am: 23. November 2007, 15:19:53 »

Ich kenne nur den Film von dem Buch, aber musste es mir nun UNBEDINGT bestellen.
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Myriel

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #38 am: 26. Oktober 2008, 20:33:56 »

Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich einzig und allein durch den ersten Satz. Ich hatte noch nie vorher etwas vom Autor, geschweige denn ausgerechnet von diesem Buch gehört, jedoch zog mich der Einstieg so in seinen Bann, dass ich unbedingt wissen wollte, was Jeffrey Eugenides zu erzählen hat:
„An dem Morgen, als die letzte Lisbon-Tochter Selbstmord beging – Mary diesmal, mit Schlaftabletten wie Therese –, wussten die Sanitäter schon genau, wo die Schublade mit den Messern war, wo der Gasherd und wo im Keller der Balken, an dem man das Seil festbinden konnte.“

Obwohl ich nicht wusste, auf was für eine Geschichte ich mich einließ, waren meine Erwartungen relativ hoch – und sie wurden nicht enttäuscht. Eugenides erzählt über die Selbstmorde der Töchter der Familie Lisbon: Cecilia (13), Lux (14), Bonnie (15), Mary (16) und Therese (17); darüber, wie sie es getan haben und darüber, wie ihre Umgebung diese Tragödie wahrgenommen hat. Doch über eines schweigt er sich aus: über das Warum.

Es begann alles mit dem versuchten Selbstmord der Jüngsten mittels aufgeschnittener Pulsadern in der Badewanne. Sie wurde rechtzeitig gefunden und erholte sich im Krankenhaus von ihrer Tat – jedoch nur rein körperlich. Was sie dazu bewogen hat, sich ihr Leben nehmen zu wollen, erfährt niemand – weder der Psychiater im Krankenhaus, noch ihre Eltern oder ihre Schwestern. Es war zwar bekannt, was vorgefallen war, doch wurde in der hübschen Vorstadtsiedlung einvernehmlich nicht darüber gesprochen. Um ihren Töchtern einen Gefallen zu tun und Cecilia wieder ins richtige Leben zurück zu helfen, erlaubten die Lisbon-Eltern sogar, dass die fünf Mädchen eine Party geben durften. Die allererste in ihrem Leben – und auch die letzte, denn während die Jungs langsam ihre Schüchternheit gegenüber den hübschen Schwestern ablegten, ging Cecilia aus dem umfunktionierten Keller nach oben und stürzte sich aus dem Fenster – direkt auf einen Gartenzaun mit Metallspitzen. Diesmal hatte sie ihr Ziel erreicht und die Sanitäter konnten nur noch ihren Körper vom Zaun entfernen. Auch diesmal sprach niemand von Selbstmord, sondern es wurde sich stillschweigend darauf geeinigt, dass dies ein tragischer Unfall war.
An diesem Punkt beginnt sich langsam eine Veränderung im Leben der Familie Lisbon abzuzeichnen. Der Vater kümmert sich nicht mehr um das Haus, welches langsam verfällt, und die Mädchen werden kaum noch außerhalb der elterliche vier Wände gesehen, abgesehen vom Schulbesuch. Aber auch dort bleiben sie unter sich, gehen stolz durch die Gänge und lassen sich nicht anmerken, was wirklich in ihnen vorgeht. Nur die nun jüngste der verbliebenen vier Mädchen, Lux, zeigt deutlich, dass sie noch lebt, und zwar jedem Jungen, der es erfahren möchte. Einer dieser Jungs wagt dann schließlich den Vorstoß und fragt die Eltern, ob die Mädchen zum Schulfest kommen dürfen und nach einigem Überlegen stimmen diese sogar zu. Die Mutter schneidert zu diesem Anlass sogar neue Kleider – geradlinig und überhaupt nicht auf die Figur ihrer Töchter zugeschnitten, doch davon lassen sich die vier den Abend nicht verderben. Der Abend endet jedoch in einer Katastrophe, als Lux mal wieder mit einem Jungen verschwindet und nicht rechtzeitig am Treffpunkt auftaucht. Erst mitten in der Nacht kommt sie wieder bei ihren Eltern an, die daraufhin eine folgenschwere Entscheidung treffen. Vor allem auf Betreiben der Mutter nehmen die Schwestern seitdem nicht mehr am Schulunterricht teil, da die Jungs einen schlechten Einfluss auf sie hätten. Von diesem Zeitpunkt an verlassen sie das Haus kaum noch, selbst im mittlerweile vollkommen verwilderten Vorgarten sind sie nicht mehr anzutreffen. Aus diesem elterlichen Gefängnis gibt es für die Mädchen schließlich nur noch einen Ausweg.

Erzählt wird diese Tragödie von „uns“. Während ich am Anfang diesem Erzählton noch ziemlich skeptisch gegenüberstand und mich fragte, wer „wir“ denn eigentlich sind, identifizierte ich mich immer mehr mit den Erzählern und wurde zu einem Teil dieser Gruppe, die die Geschehnisse beobachtete und versuchte, den Schwestern zu helfen und damit zu verhindern, dass sie Cecilia, der jüngsten von ihnen, folgen. Wie erfolglos ihre Bemühungen sind, erfährt man bereits im ersten Satz. Dennoch hofft man mit ihnen, wünscht sich so sehr, dass ihnen ihr Vorhaben gelingt und im letzten Viertel des Buches erhält man sogar den Eindruck, dass die Schwestern auf die Erzähler – vermutlich eine Gruppe Jungs aus der Nachbarschaft – zugehen und ihnen die Hand reichen. Aber nur, um sie dann umso brutaler zurückzuweisen und ihnen vor Augen zu führen, dass sie nichts über die Mädchen wissen und erst recht nichts über ihre Motive für ihren Freitod.
So bleibt den Erzählern nichts anderes übrig, als weiterhin nur Zuschauer zu sein und keinen Einfluss auf den Fortgang der Ereignisse zu haben. Sie bleiben zurück, voller Unverständnis, und fragen sich eben diese Frage, auf die es keine Antwort gibt: Warum?
Ebenfalls keine eindeutige Antwort gibt es auf die Einstellung des Autors zum Tabu-Thema Selbstmord. Einerseits verteidigt er die Entscheidung der Lisbon-Töchter, die darin den einzigen Weg aus dem elterlichen Gefängnis sahen, aber andererseits zeigt er anhand der Erzähler auf, welche Gedanken und Gefühle die Überlebenden, die Zurückgelassenen plagen, die Schuldgefühle, dass man es doch hätte verhindern müssen, und den langsamen und schwierigen Prozess des Verarbeitens. Denn die Erzähler sind zum Zeitpunkt der Geschehnisse ein paar halbwüchsige Jungs, die aber noch nach vielen Jahren, schon längst aus dem besten Alter wieder hinaus, nicht vergessen können und alles tun, um zu verstehen – und es doch nicht schaffen.

Trotz seiner relativen Dünne – nur 251 Seiten umfasst die Erzählung – entfaltet sich auf den Seiten ein ungeheurer Sog, der mich dieses Buch an einem Abend verschlingen lies. Dieser kurzen Lesezeit gegenüber stehen die Tage, die es mich danach noch beschäftigt hat und diese Phase ist noch keineswegs vorbei. Ein wahrlich eindringlicher Roman, für den ich keine andere Wertung außer der vollen Punktzahl vergeben kann: 5ratten
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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #39 am: 31. Januar 2009, 23:08:41 »

Trotz seiner relativen Dünne entfaltet sich auf den Seiten ein ungeheurer Sog

Genau das fiel mir auch als erstes ein, als ich überlegt habe, was ich nun zu dem Buch schreiben soll! Oft wusste ich gar nicht so genau warum ich weiterlese, aber ich musste einfach. Ziemlich gelungen dabei fand ich übrigens, dass der Leser schon direkt am Anfang erfährt, dass sich alle Lisbon-Mädchen umbringen werden und so ist schon am Anfang eine gewisse Spannung hergestellt, da man sich ununterbrochen fragt wann und wie die Selbstmorde wohl passieren. Ich habe lange nicht mehr ein Buch nach der letzten gelesenen Seite weggelegt und war so begeistert von dem Erzählstil des Autors. Die Geschichte selber fand ich ungewöhnlich und alles aus dem Blick des Nachbarsjungen zu betrachten finde ich großartig! Der Leser erfährt nie mehr, als auch der Erzähler weiß, der wiederum versucht alles aus eigenen Erinnerungen und denen anderer zu rekonstruieren. Von daher kann man nie sicher sein, ob die eine oder andere Sache wirklich so passiert ist, oder einfach damals so wahrgenommen wurde. Von daher hat es mich auch nicht gestört, dass nicht die Leben aller Mädchen so genau beschrieben wurden, wie die von Cecilia und Lux. Anscheinend waren die anderen im Gegensatz zu den beiden einfach zurückhalten und wer weiß, ob die Jungs die anderen überhaupt unterscheiden konnten?  :breitgrins: Ein toller Roman und nun muss ich unbedingt mehr von Jeffrey Eugenides lesen!
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IceTea

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #40 am: 29. Juli 2010, 13:38:55 »

Habe das Buch letzte Woche zu Ende gelesen und merke nun, dass ich doch ein wenig Zeit brauchte um es für mich zu arbeiten.
"Die Selbstmordschwestern" ist für mich ein Buch, was man nicht mal eben nebenbei liest und vergisst, sondern ein Buch, das einen beschäftigt.
Durch die düstere Atmosphäre die der Autor während des ganzen Verlaufs der Geschichte geschaffen hat, erscheint einem alles viel authentischer und der Leser beginnt Stück für Stück darüber nachzudenken aus welchem Grund die Mädchen den Freitod wählen. Sehr interessant war für mich in diesem Zusammenhang ab welchem Zeitpunkt sie sich entschieden haben, denselben Weg zu gehen wie ihre Schwester Cecilia.
Das Buch ist sehr bedrückend, sicherlich nicht ideal, wenn man nicht gerade in bester Laune ist, aber trotzdem eins der interessantesten Bücher, die ich bisher gelesen habe im Jahr 2010.
Den dazugehörigen Film habe ich mir ebenfalls besorgt, allerdings möchte ich noch ein wenig mit dem Angucken warten.
 4ratten für dieses Buch, da es mir sehr gut gefallen hat, einziger Kritikpunkt ist für mich ebenfalls der Abschluss der Geschichte.
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Erendis

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Re: Jeffrey Eugenides - Die Selbstmordschwestern
« Antwort #41 am: 31. Oktober 2010, 11:54:07 »

Ich habe "Die Selbstmord-Schwestern" nun beendet und es ist ein sehr beeindruckendes und tief gehendes Buch, das wohl noch einige Zeit in mir nachwirken wird.
Ungewöhnlich und rätselhaft fand ich die "Wir"-Perspektive, aus der das Buch verfasst ist. Anscheinend berichten die Jungen aus der näheren Umgebung der Familie Lisbon mit vielen Jahren Abstand von den damaligen Ereignissen. Offensichtlich haben die Selbstmorde dieser jungen Mädchen sämtliche Menschen, die sie kannten, derart beschäftigt und bestürzt, dass sie diese Ereignisse auch nach Jahren noch nicht vergessen können. So versuchen sie mit Hilfe von gesammelten Erinnerungsstücken an die Lisbon-Töchter und von anderen Anwohnern und Verwandten erfragte Anekdoten aus dem letzten Lebensjahr der Mädchen, ein Bild vom Motiv zu bekommen, das die Mädchen zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat. Dies jedoch gelingt ihnen erwartungsgemäß nur bruchstückhaft.

Mit seiner reichen Symbolik und seiner ernsten Thematik bietet das Buch viel Stoff zum Nachdenken. Bis zum Schluss hofft man, mehr über die Beweggründe der Mädchen zu erfahren, doch bleiben diese bis zum Schluss unklar - wie es bei einem Suizid ja auch in der Realität so oft der Fall ist.
Das Buch ist in einer eleganten und metaphorischen Sprache verfasst, so dass die Lektüre ein Genuss ist. Obwohl das Erzähltempo eher langsam ist, hat mich die Geschichte schnell in ihren Bann gezogen, so dass ich das Buch oftmals gar nicht mehr aus der Hand legen mochte.

Einzig die Tatsache, dass Mary, Therese und Bonnie etwas blass blieben und der Leser nicht so viel über sie erfährt, wie ich es mir gewünscht hätte, hat mich ein wenig enttäuscht. Diese Charaktere wurden sehr interessant eingeführt und es wäre schön gewesen, noch mehr über sie zu lesen.
Dennoch hat mich dieses eindrucksvolle Buch sehr überzeugt und es gibt von mir
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Erendis

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