Bin heute leider noch nicht so weit gekommen, wie ich geplant hatte, doch schon bei Kapitel 20 lässt sich für mich sagen: Ein wirklich schönes Buch. Das zu Anfang vom Erzähler angekündigte nicht lineare Erzählen (um die Leser/innen nicht zu langweilen: "I will only bore you, dear reader, if I continue to tell the story in a proper order" (Kap. 5)) macht Kawabata wahr. Allerdings scheint der Anfang tatsächlich der Anfang zu sein, wobei bisher die Wohnungssuche und also auch die Wohnung, vor der Akiko den Erzähler in Kapitel 5 ja warnt ("You want to live in that haunted house?"), erst einmal nicht mehr thematisiert werden. Allerdings erscheint mir die Erzählweise nicht so experimentell, dass ich fürchten würde, dass mir der Erzähler am Ende gar keine Geschichte erzählt. Ich will sagen: Ich habe nicht den Eindruck einer Willkür des Erzählten.
Es bereitet mir ein paar Schwierigkeiten zu sagen, wie viele Mitglieder der "Scarlet Gang" wir bisher kennengelernt haben. Ich zähle bis Kap. 20 vier: Yumiko, Akiko, Toki und Umekichi. Habe ich jemanden vergessen?
Das Verhältnis der Bandenmitglieder untereinander bleibt dabei interessanterweise sehr unterbelichtet. Die Lesenden werden mit Informationen bezüglich der einzelnen Mitglieder überhaupt eher kurz gehalten. Über Umekichi und sein Leben erfahren wir dabei bei seiner Einführung noch am meisten.
Wichtig sind aber vor allem Akiko und Yumiko (die, wenn ich es recht verstanden habe, die beiden auf den Fahrrädern vom Anfang sind) und ihre Beziehung zum Ich-Erzähler, wobei diese Beziehung vor allem mit Hilfe der Wiedergabe von Dialogen geschildert wird.
Wir haben also eine sehr heterogene Gemengelage aus Nähe und Distanz, aus markierter rückschauender doch fingierter zeitgleicher Erzählweise, bei der der Erzähler nach Belieben springt und bei einzelnen Details vorgreift, andere einfach verschweigt.
Dennoch habe ich, wie gesagt, nicht den Eindruck der Planlosigkeit oder des "ziellosen Umherstreifens" des Erzählers.
Kawabata blockiert durch dieses fragmentierte Erzählen bisher meinen hermeneutischen Zirkel. Ich habe zwar (noch) nicht wirklich den Überblick verloren, aber bis auf eine (etwas kompliziertere) Liebesgeschichte (an der ich bisher vier Personen irgendwie beteiligt sehr, von denen eine noch gar nicht selbst aufgetreten ist), habe ich auch noch keinen wirklich verbindenden Faden gefunden. Aber vielleicht wird der am Ende ja auch genügen.
Ist der "Man in the Western-style suit" (Kap.9) der Erzähler? Ich habe den Eindruck, hier findet ein Wechsel der Erzählperspektive statt, würde also sagen: ja, sie sind identisch.