Mein erster Bryson war
Picknick mit Bären, das ich auch ganz witzig fand. Vor gut zwei Jahren habe ich dann
Streifzüge durch das Abendland gelesen und war nicht mehr ganz so überzeugt. Es war schon stellenweise witzig und vor allem hat Bryson ja auch kein Problem damit, sich selbst lächerlich zu machen, was ein durchaus sympathischer Zug ist. Aber trotzdem haben mich an diesen Streifzügen verschiedene Dinge gestört:
- Warum reist jemand, der selber den Zweiten Weltkrieg nicht aktiv miterlebt hat, 45 Jahre nach Kriegsende mit einem Buch darüber durch Belgien und benachbarte Regionen und sieht sich Landschaften gezielt unter dem Gesichtspunkt der Kriegsvorgänge an? Mal abgesehen davon, daß das natürlich auch ein hervorragender Aufhänger dafür ist, einige Bemerkungen über Deutschland und den Holocaust loszuwerden.
- Bryson hatte hier eine leicht nervige Vorliebe für Betrachtungen zu Sexualität und anderen Körperfunktionen, speziell der Verdauung, die für meinen Geschmack weniger witzig und eher überflüssig waren. Ich weiß nicht, ob er damit prüde Landsleute schocken oder amerikanische Vorurteile über Europa und seine Bewohner (so es solche gibt, die sich auf diese „Themen“ beziehen) bestätigen wollte.
- Es gibt sachliche Ungenauigkeiten bzw. Fehler. Um nur ein Beispiel zu nennen: Neapel liegt nicht in Kalabrien, sondern ist die Hauptstadt der Region Kampanien. Für Kalabrien erfüllt Catanzaro diese Funktion. Ich kann solche Fehler, die sich ohne große Recherche vermeiden lassen, einfach nicht ausstehen, auch nicht in einem Roman.
Ich habe mich dabei immer gefragt, ob die Pointen im
Picknick möglicherweise auf genauso flacher Ebene funktioniert haben. Das ist zumindest nicht auszuschließen, da der Stil kein grundsätzlich anderer ist. Ich wollte immer mal Amerikaner (bzw. für seine anderen Bücher entsprechend Australier, Briten, ...) fragen, wie sie das empfinden.
Vor knapp zwei Jahren ist dann noch
Mein Afrika-Tagebuch bei mir vorbeigeflattert, ein Buch, dem man einzig zugute halten kann, daß CARE durch den Verkauf ein paar zusätzliche Dollars bekommt. Extrem negativ hat dort auf mich Brysons ungeheuere Naivität, mit der er die Reise und die Begegnungen angegangen ist, und sein ständiges Gejammer über die Qualität der Fortbewegungsmittel gewirkt. Mal ganz abgesehen davon, daß er auch noch Ausdrücke als Kiswahili verkauft hat, die definitiv einer anderen Sprache entstammen (welcher auch immer). Ich weiß außerdem, daß ich vor einiger Zeit mal
Reif für die Insel begonnen hatte, dem dann aber einfach nichts mehr abgewinnen konnte und es deshalb nach zwei oder drei Kapiteln zugeklappt habe. Irgendwie funktioniert dieser Humor bei mir nicht mehr.
Schönen Gruß,
Aldawen