Und hier ist dann auch endlich mal
meine Meinung und Rezi zu "Die Hüter der Rose"
In zweijähriger Vorfreude auf den dritten Teil der Waringham-Trilogie von Rebecca Gablé habe ich es mir in diesem Sommer nicht verkneifen können, ein komplettes Re-Read der Geschichte um die Waringhams und Lancasters zu durchzuführen. Zum einen weil man die wunderbaren Bücher von Rebecca Gablé vermutlich auch 100 mal lesen und trotzdem immer wieder genießen kann und zum anderen, um die Vorgeschichte zum neuen Gablé-Werk „Das Spiel der Könige“ wieder parat zu haben, d.h. die innen- und außenpolitischen Hintergründe und die Figuren, sowohl die fiktiven, vor allem aber auch die historisch belegten Persönlichkeiten.
Ich habe „Die Hüter der Rose“ direkt nach Erscheinen in 2005 zum ersten Mal gelesen und weiß noch sehr gut, dass ich relativ enttäuscht war von diesem historischen Roman von Rebecca Gablé. Ich fand ihn zwar damals weiß Gott nicht schlecht, er war immer noch bei den am besten bewerteten Bücher in meiner Liste, aber ich war nicht wirklich glücklich mit diesem Buch. Der Gesamteindruck hat sich allerdings mit dem jetzigen Re-Read geändert und ich bin so gut wie komplett versöhnt mit Gablé und diesem Buch. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass die Satanisten- und Voodoo-Szene am Ende völlig Gablé-unwürdig und überflüssig wie ein Kropf war. Ich hoffe, dass sie sich so etwas für den nächsten Teil gespart hat.
Wie wir verwöhnten Leser es gewöhnt sind, besticht auch dieser Roman wieder mit einer äußerst lebendigen und farbenfrohen Darstellung des 15. Jahrhunderts in England. Die geschichtlichen Hintergründe sind sehr gut und intensiv recherchiert und excellent mit dem Leben der Figuren vermengt. Die Grauen und Brutalität des 100jährigen Krieges wie auch die politischen Unruhen in England, die Intrigen und Machtspiele der hohen Herren, aber auch die tiefe Freundschaft zwischen John of Waringham, Owen Tudor und John of Somerset bringt die Autorin einfach unschlagbar gut rüber. Dies alles wird gemischt mit schönen Liebesgeschichten, die sich jedoch keineswegs in den Vordergrund drängen, und dem unvergleichlichen Gablé-Humor, der sich vor allem in den Dialogen und Diskussionen der handelnden Figuren wiederspiegelt.
Mit den Hauptfiguren des Buches (John of Waringham und Henry Beaufort) bin ich bei diesem Re-Read wesentlich besser zurechtgekommen, als beim ersten Mal, allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass Henry Beaufort nur ein Abklatsch seiner wundervollen Vaters John of Gaunt aus „Das Lächeln der Fortuna“ ist. Bei John hingegen finde ich, dass die Autorin gegenüber Robin of Waringham gelernt hat. Natürlich hatte auch Robin Höhen und Tiefen in seinem Leben, aber John geht mit den seinen härter ins Gericht, er lebt seine Rache aus, ist eine Mordmaschine im Krieg gegen die Franzosen und desöfteren graut es mir vor ihm. Auch wenn John mir etwas besser und realer gelungen scheint als Robin, so ist mein absoluter Liebling nach wie vor Raymond, Robins älterer Sohn und damit Johns großer Bruder. Raymond ist es einfach, mit all seinen Fehlern, die er hat, er ist mein Waringham-Held! Ich vermute, dass sein unehelicher Sohn Daniel in seine Fußstapfen treten wird, wenn Gablé ihn denn lässt und mir meine Lieblinge in ihrem neuen Buch nicht schon viel zu früh wegnimmt, was ich aber fast schon befürchte. Ebenso sehr habe ich Johns Freunde Owen Tudor und John of Somerset ins Herz geschlossen, so unterschiedlich sie auch alle sind. Aber das ist ja auch wieder das schöne an den Gablé-Büchern, ein bunter Blumenstrauß an schillernden, faszinierenden Figuren, auch wenn man den Waringhams schon anmerkt, wer sie gezeugt hat, aber das macht auch nix, denn Robin mochte ich ja auch

Alles in allem sind mir aber sowohl Owen und seine Geschichte als auch John of Somerset zu kurz gekommen, wobei sich das bei Somerset durch seine jahrelange Haft erklärt, aber ich hab ihn einfach vermisst, wie blöd!!! Und ja, auch eine 1100-Seiten dickes Buch kann zu dünn sein!!! Die „bösen“ Figuren des Buches waren mir fast schon ein wenig zu eindimensional böse. Die Gegenspieler sind der Autorin schon besser gelungen, beispielsweise in „Der König der purpurnen Stadt“.
Unbedingt hervorzuheben ist meiner Meinung nach die Gestaltung des Buches, ich habe das Hardcover vom Ehrenwirth-Verlag. Unabhängig von dem Personenregister und dem wunderbar langen Nachwort der Autorin, in dem sie vieles aus dem Buch noch mal aufgreift und erklärt, wieso sie Dinge so geschildert hat, wie sie es getan hat, ist dieses Buch einfach wieder wunderbar liebevoll gestaltet, mit Zeichnungen für die Teile und einer Landkarte von England und Frankreich im Buchdeckel. Da ich noch das ein oder andere wunderschöne Ehrenwirth-Hardcover habe von anderen Autoren/ Autorinnen, möchte ich an dieser Stelle dem Verlag einen großen Dank aussprechen für die Gestaltung der Bücher. Ich finde es immer wieder wunderbar, wenn Bücher nicht nur inhaltlich überzeugen, sondern im Bücherregal auch noch wunderbar aussehen!
Bewertung:
(eine glatte 1, für die 1 mit *** (sprich hier das halbe Mäuschen von Marypipe) hat es durch die Voodoo-Szene wieder nicht gereicht!)
lg
kathrin