Und nun: Gerade noch hat der Autor für meinen Geschmack die Kurve hinbekommen und sich von den sexuellen Ergüssen seiner Hauptfigur Alexander wieder verabschiedet. Nun, ich mochte so oder so die Kapitel mit Walter lieber.
Ein Roman ganz aus männlicher Perspektive. Nun gut, nicht ganz, aber weitgehend. Es gibt allerdings nur wenige Kapitel, welche aus der Sichtweise einer Frau sind und meistens haben sie irgendwie mit einem Mann zu tun. Überhaupt kommen die Frauenfiguren hier eher weniger gut weg. Vor allem Lydia, die eine klammernde Freundin ist und es trotzdem immer wieder schafft Alexander dazu zu bringen, nicht mit ihr Schluss zu machen. Nun er kann sich auf der anderen Seite einfach nicht Entscheiden den Mund auf zu machen und Nein zu sagen. Dazu muss man sagen, das er als Mann dabei auch nicht besonders gut wegkommt, denn im Grunde sorgt vor allem ein Blow Job dafür das er Lydia wieder einmal nicht ab serviert, obwohl er eigentlich längst in eine andere verliebt ist. Aber er ist halt ein Träumer und vieles von dem was er möchte geschieht so oder so nur in seiner Fantasie. Es bleibt offen ob Valerie wirklich etwas von ihm wollte oder ob er sich da vieles nur einfach zusammengeträumt hat. Gerade das macht für mich den Roman aber auch sehr faszinierend. Es bleibt ein eigener Raum für die Überlegungen dazu - und zu anderen Ereignissen. Es passt hier einfach dass, man ein wenig im unklaren bleibt.
Walter... nun Walter ist irgendwie einfach sympathisch in seiner Art über sich zu erzählen. Er ist bodenständiger als Alexander, nicht so träumerisch aber auch nicht so sehr von sich eingenommen. Wohl der Grund warum ich mit ihm mehr anfangen konnte. Wobei Alex eigentlich auch sehr zerrissen ist. Einerseits ist er von sich stark eingenommen aber gleichzeitig irgendwie auch sehr verunsichert. Immer ein wenig hin und her gerissen mit sich selbst und den Menschen um sich herum. Mahnmal hat man den Eindruck er geht ihnen so oder so am liebsten aus dem Weg, um sich nicht zu konfrontieren... egal mit was. Vor allem wohl mit der Wirklichkeit.
Walter fragt sich aber auch, was er mit seiner Zukunft anstellen soll. Aber er bewegt sich auf sie zu und ist nicht in der Schwebe. Schritt für Schritt findet er seinen Weg.
Beide sind etwa meine Generation (ich bin jetzt 27) und vielleicht habe ich mich deshalb, dann doch irgendwie wieder entdeckt. Das unentschlossene, die Frage wie es mit dem eigenen Leben weitergeht, das beschäftigt mich selbst stark und wenn man dann auf Figuren trifft denen es ähnlich geht, fühlt man sich schon auch etwas besser.
Eine große Rolle spielt auch die Beziehung der jungen Männer zu ihren Eltern. Da ist Walters Vater auf der einen Seite, der nahe zu übergroß erscheint, oder zumindest von Walter so wahrgenommen wird.
Da ist die Mutter von Alexander auf der anderen Seite und ein abwesender Vater, der aber durch andere Figuren durchaus auch ein Gesicht bekommt.
Besonders hat mir auch gefallen, wie die Figuren miteinander verbunden sind, wie stellt sich erst nach und nach heraus.
Letztendlich werden viele Themenkomplexe eingebunden, man kann also auch nicht unbedingt sagen der Roman handle nur von diesem oder jenem - ebenfalls seine ganz große Stärke.
Setze hat einen Roman geschrieben der mir wirklich gefallen hat, bis auf die eben unnötigen Sex- Stellen... aber gut das mag der Leser sehen wie er möchte. Er ist gar nicht so verwirrend wie es einem im ersten Moment vorkommt, man muss sich einfach auf die Ungradlinigkeit einlassen und dann findet man selbst den Roten Faden. Zudem konnte er mich mit einigen Entwicklungen durchaus überraschen.
Von mir gibt es eine Ratte Abzug weil mich besagte Sexszenen so massiv gestört haben. Ansonsten habe ich aber einen sehr tollen Roman gelesen und ich freue mich auf weiteres von Setz.
