Autor Thema: Cat Clarke - Vergissdeinnicht  (Gelesen 96 mal)

Offline buntstift

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Cat Clarke - Vergissdeinnicht
« am: 29. Oktober 2012, 16:51:30 Nachmittag »


Inhalt
Ein weißer Raum. Und nichts darin als ein Tisch, Stapel von Papier und Stifte. Und Grace. Sie weiß nicht, wie sie in diesen Raum gekommen ist, sie weiß nicht, warum sie dort ist. Und wie sie jemals wieder aus dem endlosen Weiß entfliehen kann. Um nicht verrückt zu werden, beginnt sie, ihre Gedanken niederzuschreiben. Ganz allmählich setzt sich dabei das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen – und Grace spürt: Um sich befreien zu können, muss sie die ganze Wahrheit über sich selbst herausfinden…

Meine Meinung
Der Klappentext hat mich bei diesem Buch angesprochen, seit ich ihn das erste Mal las. Der Leser weiß zunächst gar nicht, was genau ihn erwarten wird, was für mich die große Faszination dieses Buches ausmacht.

Der Schreibstil hat mir zunächst nicht gefallen, die Autorin verwendet viele kurze, abgehackte Sätze und stellenweise wirkt es, als wäre die Protagonistin ein wenig zurückgeblieben. Auf der anderen Seite unterstreicht dies natürlich noch ihre Verwirrung und ihre Angst, als sie in dem weißen Raum erwacht - ich brauchte dennoch eine ganze Weile, um mich daran zu gewöhnen. Grace schildert die Geschichte aus der Ich-Perspektive und bedient sich dabei ausschließlich der Umgangssprache, was ich so in einem Buch noch nicht erlebt habe. Natürlich handelt es sich hier um ein Jugendbuch und ich erwarte kein sprachliches Meisterwerk, aber ein bisschen mehr wäre hier durchaus möglich gewesen.

Der Leser erfährt nach und nach durch Rückblenden, was mit Grace passiert ist. Ihr Entführer macht sie immer wieder darauf aufmerksam, dass sie nach der Wahrheit suchen und sich dieser stellen muss. Anfangs dachte ich, Grace leide an einer Art Amnesie und könne sich an bestimmte Dinge einfach nicht mehr erinnern, dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Mir ist aus diesem Grund nicht ganz klar, warum sie sich überhaupt auf die Suche nach der Wahrheit machen soll - prinzipiell kennt sie diese ja die ganze Zeit. Dennoch ist die Wahrheit ein guter Aufhänger für die Geschichte, die auf zwei Ebenen erzählt wird. Zum einen befindet Grace sich in dem mysteriösen weißen Raum, zum anderen wird erzählt, was sie in den vergangenen Monaten erlebt hat. Dabei sind die Ebenen sehr gut abgetrennt, sodass zu keiner Zeit Verwirrung entsteht. Die Autorin traut sich auch an die weniger schönen Themen, wie beispielsweise selbstverletzendes Verhalten und eine Teenagerschwangerschaft. Vor allem die Schwangerschaft ist maßgeblicher Teil der späteren Auflösung, wurde mir persönlich für ihren wichtigen Part aber nicht genug behandelt. Mädchen schwanger, Mädchen verzweifelt, Mädchen treibt ab. Das wäre definitiv ausbaufähig gewesen. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass die Altersgruppe, für die dieses Werk eigentlich gedacht ist und zu der ich nicht mehr gehöre, die kritischen Themen gut aufnimmt. Alles wird leicht verständlich vermittelt und dennoch verliert die Autorin sich nicht in Details.

Es ist sehr schwierig mehr über den Inhalt zu schreiben, ohne zu viele Dinge zu verraten. Ich kann aber sagen, dass mich das Ende nicht zufrieden gestellt hat und für mich zu viel offen blieb - das ist eine Sache, die ich an Büchern verabscheue. Wenn ein Buch endet, soll bitte auch alles aufgeklärt werden. Ich mag nicht selber rätseln und mitraten, ich will ein Ende. Punkt. Diese Tatsache hat mich mit einem leicht ernüchterten Gefühl zurückgelassen und führt für mich zu einem Abzug.

Fazit
Ich ziehe für das Ende und die Sprache eine Maus ab, kann das Buch sonst aber durchaus empfehlen.
 4ratten