Schon im ersten Kapitel werden die beiden Protagonisten vorgestellt und dass in so typischer Hardy-Manier. Er beschreibt nicht nur das Äußere, sondern geht direkt auf die verschiedenen Facetten des Charakters ein. Hardy ist sowieso ein Genie der Beschreibung, seien es, so wie hier, Personen oder die sie umgebende Landschaft.
Auch kommt hier schon im ersten Kapitel ein stiller Humor zum Vorschein, wie in dem Satz:
Noch wahrscheinlicher ist es freilich, dass sie gar keine Dankbarkeit empfand, denn sie hatte ihren Willen nicht durchsetzen können, und wir wissen ja, wie Frauen einen Beistand dieser Art lohnen.
Dass Gabriel als selbständiger Schäfer arbeitet, zeigt auch ein wenig von seinem Charakter. Er möchte unabhängig und frei sein und dafür ist er bereit auch ein Risiko einzugehen. Es äßt annehmen, dass es sich hier um einen Mann handelt, der weiß was er will.
Besonders schön fand ich im
zweiten Kapitel die Beschreibung der Nacht und ihre magische Anziehung. Ich fand es in der englischen Ausgabe einfach wunderbar geschrieben:
The poetry in motion is a phrase much in use, and to enjoy the epic from that gratification it is necessary to stand on a hill at a small hour of the night and having first expanded with a sense of difference from the mass of civilised mankind, who are dreamwrapt and disregardful of all such proceedings at this time, long and quietly watch your stately progress through the stars. After such a nocturnal reconnoitre it is hard to get back to earth, and to believe that the consciousness of such a majestic speeding is derived from a tiny human face.
Trotzdem ist die Übersetzung sehr gut gelungen und gibt Worte Hardys sehr schön wieder.
Auch die Beschreibung der Sternbilder und ihre Sterne hatten mir sehr gefallen. Genau diese beschriebenen Sternbilder, habe ich mir erst letztens angesehen. Da ich begeisterte Astronomin bin

, ist mir Gabriel noch mal um einiges sympathischer geworden.
Thomas Hardy zu lesen wird für mich langsam wie der Besuch einer alten Heimat, weil es nie lange dauert, bis ich mich eingelesen habe und mir die Figuren und die Landschaft schon nach kurzer Zeit vertraut vorkommen. Wobei es ja bei der Landschaft tatsächlich eine Heimkehr in vertraute Gefilde ist, weil Hardy seine Geschichten alle in derselben Gegend ansiedelt. Sehr früh kommen auch die ersten Landschaftsbeschreibungen, die ich von ihm so schätze. Im II. Kapitel schildert er sehr treffend, auf welche Arten der Wind auf den Feldern über das Gras hinwegweht, eine Beobachtung, die ich schon als Kind draußen selbst gerne gemacht habe. Vielleicht saß er ja beim Schreiben tatsächlich draußen und brachte seine Beobachtungen direkt aufs Blatt.
Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Auch ich hatte das Gefühl literarisch bei Hardy wieder "zu Hause" zu sein. Er ist einfach einzigartig und ich bin mir sehr sicher, dass er viel im Freien geschrieben hat.
Es schwingt eine gewisse Leichtigkeit mit, an die ich mich aus anderen Büchern gar nicht erinnern kann. Habe ich das nur vergessen oder liegt es an Gabriels Charakter?
Auch das empfinde ich genauso. Wenn ich mich an "Tess" entsinne oder auch "The Return of the Native", dann habe ich sie auch eher etwas düster in Erinnerung. Dieses Buch hier zeigt sogar Hardys Humor, der sachte durchscheint.
Wollen wir eigentlich Spoiler setzen oder reicht es aus, wenn besprochenen Abschnitte hervorzuheben?
Ich kann gut auf Spoiler verzichten und habe es mir sogar angewöhnt, die entsprechenden Kapitel immer Fett zu markieren, insofern würde es mich nicht stören, wenn wir auf Spoilermarkierungen verzichten würden. Ich empfinde sie immer etwas störend im Lesefluss.
Ich freue mich schon so sehr auf's weiterlesen und jetzt bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt die deutsche Ausgabe lesen soll, denn Hardys Englisch ist gut zu verstehen und es täte mir auch gut, mal wieder mein Vokabular etwas zu erweitern. Mal sehen, vielleicht springe ich auch einfach hin und her.
Viele Grüße Tina