Autor Thema: Glen Duncan - Der letzte Werwolf  (Gelesen 414 mal)

Offline Tammy1982

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Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« am: 27. Oktober 2012, 18:06:44 Nachmittag »
Hallo Ihr Lieben,

zur Zeit lese ich gerade dieses Buch und wollte hier schon mal ein paar Sätze dazu schreiben.
Glen Duncan: "Der letzte Werwolf"


Klappentext:
Seit über 150 Jahren werden Werwölfe überall auf der Welt unerbittlich gejagt. Nun ist es soweit: es gibt nur noch einen einzigen Jake Marlowe. Marlowe, lebensmüde und gepeinigt von den Erinnerungen an seine Taten, will aufgeben. Doch ein brutaler Mord und eine außergewöhnliche Begegnung bringen ihn dazu, sich dem Kampf um sein Leben neu zu stellen.

Ich habe bis jetzt knapp die ersten 100 Seiten gelesen und bin auf morbide Weise fasziniert. Jake Marlowe ist der letzte lebende Werwolf und weiß, dass er bald sterben wird. Jake ist kein romantischer Werwolf, in den man sich verlieben sollte. Er ist triebgesteuert, zynisch und wenn er sich in einen Werwolf verwandelt, muss er sein Opfer fressen. Sehr gut finde ich, dass bis jetzt mit diesem Buch jeglicher romantischer Faktor an Werwölfen und mittlerweile auch an Vampiren genommen wird und sie so dargestellt werden, wie es meiner Meinung nach sein sollte: brutal, wenn auch faszinierend.

Bis jetzt schwelgt Jake immer wieder in der Vergangenheit und ich habe noch gar keine Vorstellung, was auf den nächsten Seiten passieren soll. Bin gespannt!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)

Offline HoldenCaulfield

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #1 am: 27. Oktober 2012, 18:14:32 Nachmittag »
Das klingt ganz nah meinem Geschmack. Markus Heitz Herangehensweise an Werwölfe hat mir ja zum Beispiel nicht gefallen, aber das lag wohl vor allem an der Handlung drumherum. Aber ein brutaler Werwolf... hmmmm :breitgrins:
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Sonnenschirm

Offline Llyren

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #2 am: 28. Oktober 2012, 21:45:01 Nachmittag »
Au ja, erzähl mir mehr!
Über das Buch bin ich nämlich auch schon mal gestolpert, war mir aber nicht sicher, ob es nicht auch wieder in die Sparte Romantasy fällt oder einfach nur mies ist. Aber entromantisiert klingt schon mal vielversprechend...
Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.
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Offline Pandora

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #3 am: 28. Oktober 2012, 23:51:00 Nachmittag »
Also Romantik kann man bei ihm eher nicht vermuten. Der Autor ist eher einer, der anspruchsvoll sein möchte. Allerdings hat er es sich mit mir im letzten Jahr verdorben, als er im Rahmen einer von ihm verfassten Rezension für ein anderes Buch fröhliches Genreleser-Bashig betrieb, das verdächtig nach gekränktem Seelchen klang, weil sein Roman keine allzu guten Rezensionen auf Amazon erhalten hatte.
Und ich bin leider jemand, der die Lust auf ein Buch verliert, wenn er den Autor nicht mag.

Offline Tammy1982

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #4 am: 29. Oktober 2012, 19:20:50 Nachmittag »
Das klingt ganz nah meinem Geschmack. Markus Heitz Herangehensweise an Werwölfe hat mir ja zum Beispiel nicht gefallen, aber das lag wohl vor allem an der Handlung drumherum. Aber ein brutaler Werwolf... hmmmm :breitgrins:

Bei Markus Heitz habe ich die Werwolf-Bücher nicht gelesen, daher kann ich da leider keinen Vergleich ziehen. Aber ein Kuschel-Werwolf ist das hier auf jeden Fall nicht!  :breitgrins: :zwinker:

Au ja, erzähl mir mehr!
Über das Buch bin ich nämlich auch schon mal gestolpert, war mir aber nicht sicher, ob es nicht auch wieder in die Sparte Romantasy fällt oder einfach nur mies ist. Aber entromantisiert klingt schon mal vielversprechend...

Romantasy ist das hier auf keinen Fall. Jake ist überhaupt gar nicht romantisch und analysiert sich selber gnadenlos. Das gesamte Buch ist aus seiner Sicht als Art Tagebuch geschrieben und eher sehr kalt und nüchtern gehalten. Er frisst die Menschen, was teilweise auch ziemlich ausführlich beschrieben wird und ist mit den Jahren so abgestumpft, dass er nicht einmal mehr wirkliche Reue empfindet. Auch die sexuelle Gier wird genau als das dargestellt: Als Gier. Der Wolf verlangt sein Recht und schert sich nicht um irgendwelche moralischen Vorstellungen. Da ist wirklich gar nichts Romantisches dabei!  :entsetzt: :breitgrins:

Aber ich muss sagen, bis jetzt gefällt mir das Buch sehr gut - bin mittlerweile über der Hälfte und richtig gepackt. Am Anfang habe ich mir schon gedacht, na ja, gut hier gibt es den letzten Werwolf und der soll sterben und will auch noch sterben. Aber jetzt hat das Buch doch eine sehr gute überraschende Wendung genommen und ich bin gefesselt.

Also Romantik kann man bei ihm eher nicht vermuten. Der Autor ist eher einer, der anspruchsvoll sein möchte. Allerdings hat er es sich mit mir im letzten Jahr verdorben, als er im Rahmen einer von ihm verfassten Rezension für ein anderes Buch fröhliches Genreleser-Bashig betrieb, das verdächtig nach gekränktem Seelchen klang, weil sein Roman keine allzu guten Rezensionen auf Amazon erhalten hatte.
Und ich bin leider jemand, der die Lust auf ein Buch verliert, wenn er den Autor nicht mag.

Oh, das kann ich verstehen. Ich lese auch keine Bücher mehr von Sara Lark / Ricarda Jordan, nachdem sie sich richtig daneben benommen hat. Aber ich muss ihm zugestehen, dass sein Buch schon anspruchsvoll ist und sich auf jeden Fall nicht so einfach lesen lässt. Viele Sätze muss ich tatsächlich öfters lesen und es erfordert doch einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration. Bis jetzt finde ich seinen Stil aber sehr gelungen und da ich seine negativen Äußerungen bis jetzt nicht gelesen habe und mich erstmal auch nicht damit beschäftigen werde, kann ich weiterhin unbelastet das Buch lesen!  :breitgrins: :zwinker:

Liebe Grüße
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Offline Tammy1982

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #5 am: 04. November 2012, 18:57:43 Nachmittag »
Hallo Ihr Lieben,

mittlerweile habe ich das Buch beendet und muss sagen, dass es noch einige überraschende Wendungen zu bieten hatte. Das Ende ist zwar teilweise offen, aber doch so gehalten, dass mir erstmal nichts fehlt. Obwohl mich schon interessieren würde, ob der Autor noch eine Fortsetzung plant. Genug Raum hat er sich dafür auf jeden Fall gelassen. Bis zum Schluss bleibt das Buch nichts für schwache Nerven, aber ich fand es gut gemacht. Gerade auch die Besonderheiten und Unterschiede von Vampiren und Werwölfen wurden für mich interessant dargestellt. Die Sache mit dem Virus der Werwölfe hätte noch genauer untersucht werden können, aber vielleicht hat der Autor da wirklich noch eine Fortsetzung geplant.

Alles in allem habe ich den Werwolf Jakob mit morbiden Interesse verfolgt!  :breitgrins: Eine ausführliche Rezi folgt noch in den nächsten Tagen, muss das Buch erst noch ein bisschen sacken lassen!

Liebe Grüße
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Offline nager86

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #6 am: 11. November 2012, 17:59:07 Nachmittag »
Hi,
 
ich hab schon lange kein Werwolf/Vampir Roman mehr gelesen, da mir die meisten ein zu Kitschig Romantisches Bild zeichnen. Aber was du da schreibst macht mich echt neugierig, mal gucken vielleicht wird das mein nächster Roman.

Offline Tammy1982

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #7 am: 24. November 2012, 17:06:32 Nachmittag »
Hallo Ihr Lieben,

so, hier jetzt endlich meine Meinung zu dem Buch:

Jake Marlowe ist der einzige lebende Werwolf. Eine spezialisierte Jagdgesellschaft hat es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht alle Werwölfe zu töten und schließlich stehen sie kurz vor ihrem Ziel: Nur noch Jake lebt. Jake ist jedoch mittlerweile eh vom Leben müde und möchte nur noch eines: sterben. Nachdem jedoch ein brutaler Mord geschieht und Jake eine interessante Entdeckung macht, ändert sich sein Leben schlagartig und er setzt alles dran, um seinen Jägern zuvor zu kommen.

Der Roman ist in der Ich-Perspektive von Jake Marlowe geschrieben und ist eindeutig kein schnulzig-romantischer Werwolf-Roman. Jake wirkt teilweise fast herzlos und kalt und ist bestimmt keine Hauptfigur, mit der man sich so unbedingt identifizieren kann. Er hat gelernt den Werwolf zu akzeptieren und alleine um das zu tun, muss man verrohen. Der Werwolf hier ist kein zahmes Haustier, sondern eine tatsächliche Bestie, die Menschen eher zerhackt und sich dabei wohlfühlt. Eindeutig ist dieses Buch nichts für schwache Nerven und gerade wenn Jake in die Vergangenheit abdriftet, muss man einen starken Magen beweisen.

Gleichzeitig ist Jake aber auch ein philosophischer Werwolf und nicht wirklich böse. Er ist genau so eine Mischung zwischen Bestie und Mensch, die mir sogar beim Lesen es schwer gemacht hat, ihn uneingeschränkt zu mögen oder auch uneingeschränkt nicht zu mögen.

Habe ich mir am Anfang noch gedacht, dass die Handlung aber sehr vorhersehbar ist, nimmt sie schließlich eine überraschende Wendung und gerade das Ende habe ich dann so gar nicht erwartet.

Alles in allem ein düsterer teilweise schockierender Roman, der aber mit seiner Interpretation der Werwölfe und Vampire endlich wieder eine düstere und nicht verträumt-romantische Version liefert.
Jedoch hatte der Roman seine Längen und gerade die langen philosophischen Gedankengänge von Jake fand ich teilweise schon sehr ermüdend.

Daher gibt es alles in allem:  3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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Offline Blackfairy71

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Re: Glen Duncan - Der letzte Werwolf
« Antwort #8 am: 21. Januar 2014, 21:24:05 Nachmittag »
Endlich mal wieder ein Autor, der Werwölfe nicht als kuschelige, weichgespülte, vegetarisch-lebende Wölfchen darstellt, sondern als das, was sie sein sollten: Monster, die einmal im Monat durch den Einfluss des Mondes zum Tier werden und dann Menschen fressen müssen, einfach weil es ihr Instinkt, ihr Wesen ist.
Jacob, der hier in der Ich-Form erzählt, ist seit 167 Jahren ein Werwolf und langsam müde. Er trinkt Whiskey und raucht, schließlich kann ihm das nicht schaden. Er hat alles gesehen, alles erlebt, alles gelesen und ist es leid, auf der Flucht zu sein. Und nun erzählt ihm sein bester Freund auch noch, dass er der letzte seiner Art ist. Die Jagdgesellschaft "WOKOP" hat einen anderen Werwolf erledigt und nun ist Jacob als letzter übrig.
Aber sein Erzfeind Grainer will ihn nicht sofort erledigen, er lässt ihm einen Monat Zeit. Bis zum nächsten Vollmond. Denn er will nicht den Menschen töten, sondern das Monster.
Für Jacob kein großer Unterschied, denn der Wolf ist immer in ihm, seitdem er damals in Wales gebissen wurde. Er steckt voller Zynismus und macht sich auf den Weg dorthin, wo es begann, um es zu ende zu bringen. Zusätzlich quälen ihn Erinnerungen an ein Ereignis, das kurz nach seiner Verwandlung passierte. Aber dann trifft er zufällig auf jemanden, der sein Leben und seine Einstellung dazu komplett ändert...

Glen Duncan schreibt sehr anschaulich, bildgewaltig, philosophisch, manchmal fast schon poetisch.  Aber auch brutal und blutig.
Zum Ende gibt es einen Wechsel in der Erzählperspektive, der auf die bereits erschienene Fortsetzung vorbereitet. Man kann "Der letzte Werwolf" aber auch als abgeschlossene Geschichte betrachten, es ist kein Auftakt einer neuen Serie im eigentlichen Sinne.
 
Für Fans von "Twilight" ist das Buch sicher nichts. Aber mir hat es sehr gut gefallen.

 5ratten
:leser:    RABENTOT von Heather Graham    :hexe: