Autor Thema: Robert Goolrick - Ein wildes Herz  (Gelesen 347 mal)

Offline Delena

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Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« am: 18. Oktober 2012, 21:33:34 Nachmittag »


Eine amerikanische Kleinstadt im Jahre 1948. Charlie Beale reist durch die Lande mit seinem Pick-Up und einer Sammlung Messer. Er findet in der Stadt Brownsville den Ort, den er sucht. Er kauft sich ein Stück Land, auf das er seinen Wagen stellt und bekommt eine Anstellung bei dem ortsansässigen Metzger. Als Sylvan Glass, die Frau eines der reichen Bürger der Stadt, die Metzgerei betritt, nimmt das Unheil seinen Lauf.
 
Robert Coolrick beschreibt zum Einen das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt mit den gesellschaftlichen Zwängen, denen man unterliegt, die Trennung zwischen schwarz und weiß, die weite unberührte Landschaft in Virgina und auch eine tragische Liebesgeschichte, die Geschichte von Charlie und Sylvan.
Der Hauptprotagonist Charlie Beale ist ein sehr sympathischer Charakter, den man leicht ins Herz schliesst. Er nimmt durch seine freundliche menschliche Art die Bewohner der Stadt für sich ein und veliebt sich auf den ersten Blick tragischerweise in ausgerechnet Sylvan Glass, eine Frau, die bereits vergeben ist. Ich hätte mir gewünscht, dass man etwas mehr über Charlies Vergangenheit erfährt, warum hat er einen Koffer voller Geld bei sich und woher kommt Charlie?
Sylvan Glass ist mir von Anfang an unsympathisch gewesen und das hat sich auch im Verlauf des Buches nicht geändert. Sie ist oberflächlich, einfältig, trifft unglaubliche Entscheidungen und ich weiss nicht, ob sie wirklich fähig ist, zu lieben.
 
Erzähler ist einer der Mitwirkenden der Geschichte. Der Autor hat einen für meinen Geschmack sehr schönen, bildhaften Erzählstil. Ich habe das Buch sehr schnell weggelesen, weil es wirklich spannend ist und ich unbedingt wissen wollte, wie die Liebesgeschichte ausgeht, wobei das Ende des Buches heftig und unerwartet ist. Insgesamt ist das Buch eine packende Liebesgeschichte mit einem stimmigen sehr schön beschriebenen Hintergrund, wobei ich mir einen anderen Ausgang des Buches gewünscht hätte.

 4ratten
« Letzte Änderung: 18. Oktober 2012, 22:44:41 Nachmittag von Delena »
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Annabas

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #1 am: 31. Oktober 2012, 17:01:11 Nachmittag »

Robert Goolrick – Ein wildes Herz
Übersetzerin: Judith Schwaab



Inhaltsangabe:

Die Geschichte spielt in Virginia im Jahr 1948.

Auf der Suche nach einem neuen Wohnort kommt Charlie Beale auch nach Brownsburg, Virginia. Ihm gefällt der friedliche Ort, hier findet er ein Stück Land, das er kaufen kann, und eine Anstellung beim örtlichen Metzger Will Haislett. Charlie Beale fühlt sich wohl und die Einwohner von Brownsburg beginnen, ihn zu mögen. Doch eines Tages betritt Sylvan Glass den Laden und Charlie ist von der verheirateten Frau sofort fasziniert. Doch Sylvan Glass träumt nur von einem: Hollywood und seine Filme. Die heimliche Liebe zwischen Charlie und Sylvan wirft beider Leben völlig aus der Bahn – und sie reißt noch andere Menschen mit ...

Der erste Satz:

„Tatsache ist: All unsere Erinnerung ist Fiktion.“

Meine Meinung zum Buch:

Die Geschichte im Buch entwickelt sich langsam – aber sie ist an keiner Stelle langweilig. Ich habe Charlie sehr gerne zugesehen, wie er im Laden arbeitet, den Gottesdienst besucht, mit seinem Freund Will und dessen Familie am Tisch sitzt, mit Wills Sohn Sam spielt und einfach seinen Tag verbringt. Der Autor beschreibt nicht allzu viel von Charlies Vergangenheit, das lässt ihn ein bisschen geheimnisvoll bleiben, aber ich denke, diese Fremdheit bringt gut zum Ausdruck, wie Charlie sich fühlt bzw. wie die Menschen, denen er begegnet, sich fühlen. Obwohl die Einwohner ihn versuchen, in ihre Kreise zu integrieren, bleibt er ein Außenseiter, den man eben nicht wirklich kennenlernen kann – weil er genau das so will.

Sylvan ist ebenfalls eine interessante Figur, über sie erfahren wir wesentlich mehr. Sie wächst in einem abgeschiedenen Dorf in der Nähe von Brownsburg auf und das einzige, was sie interessiert, sind Radio und Hollywoodfilme. Sylvan ist ein Mensch, der sich die Welt so hinträumt, wie sie sie haben möchte. Um von der Farm wegzukommen, heiratet sie ihren wesentlich älteren Mann, um wie ein Filmstar auszusehen, lässt sie sich mondäne Kleider nähen und fährt ein dickes Auto. Das macht sie in Brownsburg natürlich auch zu einer Außenseiterin, aber im Gegensatz zu Charlie Beale, zu einer unbeliebten.

Die Grundstimmung des Buches ist etwas melancholisch, ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Geschichte für Charlie und Sylvan nicht „happy“ endet. Aber auf welchen tragischen Punkt die Geschichte dann wirklich hinsteuert, hat mich geschockt – und ich war nur noch wütend auf Sylvan, die mit ihrer Unfähigkeit, das wirkliche Leben anzunehmen, die Lawine lostritt, die später alles unter sich begraben wird.

Ich hatte von Robert Goolrick bisher noch nichts gelesen, aber den Autorennamen werde ich mir merken.

:tipp:

Viele Grüße von Annabas    :winken:

Annabas

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #2 am: 31. Oktober 2012, 17:05:20 Nachmittag »
wobei ich mir einen anderen Ausgang des Buches gewünscht hätte.

Das unterschreibe ich. Ich war wirklich erschrocken, auf was die Geschichte hinausläuft.

Grüße von Annabas  :winken:

Offline Spatzi79

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #3 am: 31. Oktober 2012, 18:40:19 Nachmittag »
ui, jetzt macht ihr mich neugierig aufs Ende... irgendwie komme ich bei dem Buch nicht so recht weiter, liegt aber eigentlich nicht am Buch, sondern mehr an meiner Parallel-Leserei momentan  :rollen:

Annabas

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #4 am: 31. Oktober 2012, 20:18:57 Nachmittag »
meiner Parallel-Leserei momentan  :rollen:
Das kenne ich, das war auch bei mir der Grund, warum ich an dem Buch recht lange gelesen habe.
Aber es spricht ja für das Buch, dass ich trotz Pausen immer wieder gut reingekommen bin.   :smile:

Offline Delena

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #5 am: 01. November 2012, 10:29:12 Vormittag »
Das Buch lohnt sich wirklich,
ui, jetzt macht ihr mich neugierig aufs Ende... irgendwie komme ich bei dem Buch nicht so recht weiter, liegt aber eigentlich nicht am Buch, sondern mehr an meiner Parallel-Leserei momentan  :rollen:

Lies es auf jeden Fall zuende, es lohnt sich  :winken:
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Offline Spatzi79

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #6 am: 02. November 2012, 22:34:43 Nachmittag »
Muss ich ganz dringend - vorablesen verschickt nun anscheinend Erinnerungsmails für ausstehende Rezis - peinlich  :redface:

Offline Spatzi79

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #7 am: 09. November 2012, 09:17:25 Vormittag »
Amerika, 1948. Charlie Beale taucht eines Tages in der Kleinstadt Brownsburg, Virginia auf und beschließt zu bleiben. Unaufdringlich fügt sich der Mann mit der unbekannten Vergangenheit ins dortige Leben ein. Er findet Arbeit beim örtlichen Metzger, wird zum Freund der Familie, insbesondere des Sohnes Sam, der ihn bewundert und zu ihm aufschaut. Aber auch die anderen Einwohner lernen Charlie bald schätzen und akzeptieren ihn, obwohl er in einer Stadt wie dieser immer ein wenig ein Außenseiter bleiben wird. Charlie seinerseits fühlt sich aber wohl, kauft sich ein Stück Land, einen Hund und später ein Haus.

Doch dann begegnet er Sylvan Glass, der jungen Frau des reichsten Manns der Stadt. Auch sie ist in gewisser Weise ein Fremdkörper in der Stadt, sie träumt seit ihrer Kindheit von der Welt der Kinostars, wurde von ihrem Ehemann zu Repräsentationszwecken geheiratet und hat außer einer schwarzen Schneiderin keine Freunde. Die beiden beginnen eine Affäre mit weitreichenden Folgen.

Die Geschichte wird rückblickend erzählt, aus wessen Sicht genau, wird erst am Schluss aufgelöst. Inbesondere gegen Ende überschlagen sich dann die Ereignisse geradezu, in einer Art und Weise, die ich zu Anfang überhaupt nicht erwartet hatte.
Der Schreibstil ist sehr ruhig, eher melancholisch, aber dennoch ungemein fesselnd. Beim Lesen fühlte ich mich regelrecht in die Geschichte hineinversetzt, das ganze Kleinstadtleben im Amerika der 50er Jahre wirkt wunderbar beschrieben, ohne negative Aspekte wie zum Beispiel die Rassentrennung zu verschweigen. Die einzelnen Charaktere werden sehr lebensnah dargestellt, ich hatte sie alle beim Lesen richtig vor Augen.

Sprachlich hat mich das Buch wirklich fasziniert und es wird sicher nicht das letzte sein, was ich von dem Autor lese!

4ratten  :marypipeshalbeprivatmaus:

Offline dubh

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Re: Robert Goolrick - Ein wildes Herz
« Antwort #8 am: 21. Januar 2014, 12:51:24 Nachmittag »
Charlie Beale kommt im Jahr 1948 mit einem alten Auto und zwei Koffern in eine kleine Stadt in Virginia und beschließt sich dort niederzulassen. Er heuert - erst einmal unentgeltlich zur Probe - in der örtlichen Metzgerei an, denn ein qualitativ hochwertiger Satz deutscher Metzgermesser befindet sich im Besitz des 39jährigen gelernten Metzgers.
Nachdem er die Arbeit fest angeboten bekommen und ein Grundstück erworben hat, tauen die anfänglich sehr misstrauischen Einheimischen langsam auf: immerhin meint es Beale erst mit der Sesshaftigkeit und zudem beherrscht er sein Handwerk. Allmählich lernt er die Gemeinschaft gut kennen und integriert sich in die Familie seines Arbeitgebers. Doch eine schicksalhafte Begegnung bringt alles aus dem Lot: Charlie verliebt sich in Sylvan, die junge und glamouröse Frau des reichsten Mannes von Brownsburg - und sie sich in ihn. Diese Liebe, die nicht sein darf, macht schnell die Runde und kann - dieses Gefühl hat man von Anfang an - nur tragisch enden.
Anfangs empfand ich den Schreibstil Robert Goolricks als knapp, nüchtern und präzise - jedenfalls ausreichend für die Szenerie, die ich mir gut vorstellen konnte. Streckenweise hatte die Geschichte zu Beginn dadurch fast schon eine leichte Western-Atmosphäre entwickelt, auch wenn es zeitlich natürlich nicht passt. Auch die Figuren - allen voran Charlie, über dessen Vergangenheit man wenig erfährt, und Sylvan, die aus einem echten 'Kaff' kommt, aber am liebsten die Welt erobern würde - haben mir gut gefallen... Dennoch hat sich die Sprache für mich irgendwann ins negative verwandelt, würde zäh und ich hatte so meine Schwierigkeiten mit der Lektüre. Einige Längen und die melancholische Stimmung, die zwar zur Amour fou passt, mir aber leider ein wenig zu viel war, taten ein übriges, so dass ich nach der Hälfte des Buches einfach nicht mehr mit ihm warm wurde. Leider, denn andere Facetten des Romans haben mir sehr gut gefallen, beispielsweise die Schilderung der Rassentrennung, der Vorurteile und des Aberglaubens, der zu dieser Zeit herrschte. Alles was nicht ins Bild passt, wird ganz einfach ausgegrenzt oder zumindest sehr kritisch beäugt.

Kurzum: vielleicht war es das falsche Buch zur falschen Zeit, denn ich wurde mit Stil und Sprache nicht so wirklich warm. Dennoch habe ich mir fest vorgenommen, das Buch noch einmal zur Hand zu nehmen und ihm eine zweite Chance zu geben. Ein ruhiges, melancholisches Buch, für das man möglicherweise die richtige Stimmung braucht.

3ratten