Autor Thema: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche  (Gelesen 3292 mal)

Offline Keshia

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #90 am: 22. Oktober 2012, 23:50:24 Nachmittag »


Und wenn ich solches lese: "Outlawed by Amazon DRM" noch weniger. Versuch das mal mit einem Papierbuch. Unter einem Hausbrand geht da nichts ...


So lustig die Übersetzung auch ist, wenn das tatsächlich so möglich ist, und irgendwann aufgrund eines Missverständnisses etc. passieren kann, dann möchte ich doch keinen Kindle!

Ich kaufe doch nicht Bücher im Wert von 1000-2000 €, damit die dann irgendwann weg sind und ich noch mal die gleiche Summe investieren kann?!
Man überlege mal, was weg wäre, wenn das nach 5 Jahren Nutzung passiert....

Ich dachte, das Buch hat man schon gekauft, bezahlt, das gehört einem doch!


Natürlich kann amazon oder jede andere Firma entscheiden, mich nicht mehr als Kunden führen zu wollen, aber normamlerweise darf ich auch dann doch alles, was ich legal gekauft und also auch bezahlt habe, behalten?!?

Was, wenn der Supermarkt meines Vertrauens die Lebensmittel aus den letzten 10 Jahren zurück haben will?
:zwinker: :kotz:

Liebe Grüße von
Keshia

Online nimue

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #91 am: 23. Oktober 2012, 05:26:12 Vormittag »
Ich dachte, das Buch hat man schon gekauft, bezahlt, das gehört einem doch!

Bei E-Books hast Du nach wie vor nur die Nutzungsrechte. Das E-Book gehört Dir nach dem "Kauf" nicht :winken:

Warum E-Books nicht verkauft werden dürfen
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Offline sandhofer

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #92 am: 23. Oktober 2012, 07:19:12 Vormittag »
Und wenn ich solches lese: "Outlawed by Amazon DRM" noch weniger.

Die Story geht weiter: Offenbar hat Amazon die Cloud von Lynn wieder aktiviert. Ohne sinnvollen Kommentar. Hier eine Seite dazu. Und wie es Simon Philipps dort ganz richtig festhält: Das Problem ist, dass mit Amazon der Lieferant der Bücher identisch ist mit dem Service-Provider der Cloud, von wo die Bücher dann geholt werden. Zuviel Machtkonzentration macht arrogant. Wenn mich bei Papierbüchern Amazon plötzlich nicht mehr mag, habe ich

a) andere Lieferanten und
b) die schon gekauften Bücher in meiner Cloud (d.i. meine Bibliothek) jederzeit zur Verfügung.

Nein, so lange man nur "Nutzungsrechte" kauft, und es einseitig der Verkäufer ist, der definiert, wann, wo, wie und ob ich diese Rechte überhaupt erhalte, wird das e-book keine Gefahr fürs Papierbuch sein.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Offline Madicken

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #93 am: 23. Oktober 2012, 08:25:02 Vormittag »
Ich dachte, das Buch hat man schon gekauft, bezahlt, das gehört einem doch!

Bei E-Books hast Du nach wie vor nur die Nutzungsrechte. Das E-Book gehört Dir nach dem "Kauf" nicht :winken:

Warum E-Books nicht verkauft werden dürfen

Bei Musik ist es ebenso, weshalb Bruce Willis auch gegen Apple klagt :breitgrins: Bei Musik lässt sich das Problem vielleicht eher umgehen, (auch wenn eine Sammlung selbstgebrannter CDs nicht halb so schick ist wie eine LP-Sammlung) rechtlich korrekt ist es aber auch nicht.

Für mich eine Hauptfrage, die vor allem Studenten und Wissenschaftler betrifft: Wenn ein e-book auch nur aus Versehen gelöscht wird-Meine Notizen sind weg! Da schreibe ich lieber ins Papierbuch bzw. kopiere weiterhin. (Das ist zumindest für meine Art der Textarbeit ohnehin sinnvoller.)
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Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann

Offline Klassikfreund

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #94 am: 23. Oktober 2012, 08:28:08 Vormittag »
Nein, so lange man nur "Nutzungsrechte" kauft, und es einseitig der Verkäufer ist, der definiert, wann, wo, wie und ob ich diese Rechte überhaupt erhalte, wird das e-book keine Gefahr fürs Papierbuch sein.

Da liegst du m.E. grundlegend falsch. Der Käufer kennt doch diese Feinheiten überhaupt nicht. Und letztlich muss er den Cloud-Anbietern auch vertrauen und er wird das auch tun. Die Anbieter wären zudem wahnsinnnig wenn sie die Rechte des Käufers einseitig beschneiden würden.

Gruß, Thomas

Offline Madicken

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #95 am: 23. Oktober 2012, 08:41:38 Vormittag »
Die Anbieter wären zudem wahnsinnnig wenn sie die Rechte des Käufers einseitig beschneiden würden.

Nun ja, es gibt ja jetzt schon immer weniger Monopolisten wie google, amazon, apple und facebook. Wenn die ihre Pläne umsetzen können, juckt es die in 10 Jahren nicht sonderlich was der Kunde will. (und wie man sieht und oft liest heute ja eigentlich auch schon nicht.)
« Letzte Änderung: 23. Oktober 2012, 08:45:08 Vormittag von Madicken »
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Offline sandhofer

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #96 am: 23. Oktober 2012, 08:42:22 Vormittag »
Der Käufer kennt doch diese Feinheiten überhaupt nicht.

Oh, er lernt sie kennen. Durch Vorfälle wie diesen.

Und letztlich muss er den Cloud-Anbietern auch vertrauen und er wird das auch tun.

Muss er? Wird er? Ich hab's noch nie getan ...

Die Anbieter wären zudem wahnsinnnig wenn sie die Rechte des Käufers einseitig beschneiden würden.

Sie tun aber genau das.  :winken:
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Offline HoldenCaulfield

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #97 am: 23. Oktober 2012, 08:48:52 Vormittag »
Wenn der Käufer es einfach hinnimmt, gehen die Anbieter damit immer weiter. Das war schon immer so und ist ja auch in anderen Branchen nicht unüblich, das hat gar nichts mit Ebooks allein zu tun. Umso wichtiger wäre ja auch eine vernünftige gesetzliche Regelung die beide Seiten im Blick hat.
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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #98 am: 23. Oktober 2012, 09:06:34 Vormittag »
Für mich eine Hauptfrage, die vor allem Studenten und Wissenschaftler betrifft: Wenn ein e-book auch nur aus Versehen gelöscht wird-Meine Notizen sind weg! Da schreibe ich lieber ins Papierbuch bzw. kopiere weiterhin. (Das ist zumindest für meine Art der Textarbeit ohnehin sinnvoller.)

Wobei das kopieren von Copyright-geschützten (Fach-)Büchern ja auch nicht ganz legal ist :zwinker: Die Unis winden sich hier ja auch oft durch irgendwelche Schlupflöcher, zumindest bei uns in Österreich.
"When I was young, I invented an invisible friend called Mr Ravioli. My psychiatrist says I don't need him anymore, so he just sits in the corner and reads." Max Horovitz, Mary & Max (2009)

"Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world." Neil Gaiman, The Ocean at the End of the Lane

Offline Madicken

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #99 am: 23. Oktober 2012, 09:31:06 Vormittag »
Für mich eine Hauptfrage, die vor allem Studenten und Wissenschaftler betrifft: Wenn ein e-book auch nur aus Versehen gelöscht wird-Meine Notizen sind weg! Da schreibe ich lieber ins Papierbuch bzw. kopiere weiterhin. (Das ist zumindest für meine Art der Textarbeit ohnehin sinnvoller.)

Wobei das kopieren von Copyright-geschützten (Fach-)Büchern ja auch nicht ganz legal ist :zwinker: Die Unis winden sich hier ja auch oft durch irgendwelche Schlupflöcher, zumindest bei uns in Österreich.

Für wissenschaftliche Zwecke ist es, zumindest auszugsweise, schon erlaubt.
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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #100 am: 23. Oktober 2012, 12:35:44 Nachmittag »
Ja, da scheiden sich dann die Geister, was noch "auszugsweise" ist und wo es schon an die Grenzen stößt :zwinker: Uns werden manchmal von Professoren durchaus halbe Bücher in Kopienform zur Verfügung gestellt, worüber ich natürlich dankbar bin, aber Auszüge sind das dann auch nicht mehr.
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Offline Madicken

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #101 am: 23. Oktober 2012, 22:17:07 Nachmittag »
Und wenn ich solches lese: "Outlawed by Amazon DRM" noch weniger. Versuch das mal mit einem Papierbuch. Unter einem Hausbrand geht da nichts ...

Hier ein Artikel dazu in der ZEIT
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Offline Keshia

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #102 am: 23. Oktober 2012, 23:35:38 Nachmittag »
Und wenn ich solches lese: "Outlawed by Amazon DRM" noch weniger. Versuch das mal mit einem Papierbuch. Unter einem Hausbrand geht da nichts ...

Hier ein Artikel dazu in der ZEIT

Möglicherweise setze ich mich jetzt tief in die Nesseln, aber als ich den ersten Link (oben) las, hatte ich es so verstanden, dass "Michael Murphy" eine Art Pseudonym oder Substitution sei, Murphy im Sinne von "Murphys Gesetzt: Was schief gehen kann, geht schief".
Verstehe ich das in diesem zweiten Link nun richtig, dass der Mensch tatsächlich so heißt, oder ist das immer noch so eine Anspielung? :redface:

Offline Keshia

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #103 am: 23. Oktober 2012, 23:44:39 Nachmittag »

Ich fürchte, von der romantischen Vorstellung, das gedruckte Buch würde nie untergehen, müssen wir uns verabschieden. Hettche hat da ganz recht.

Lesegeräte werden besser und günstiger werden, die sichere Datenspeicherung in der Cloud wird zum Standard. Unsere Welt wird zudem immer komplexer und der Mensch strebt nach Vereinfachung. Wohnraum wird teurer. Da belasten Bücher in gewisser Weise.

Gruß, Thomas

Die sichere Datenspeicherung in der Cloud scheint ja gerade sehr umstritten zu sein - jedenfalls aus Sicht des Nutzer/ Käufers.

Es wäre schrecklich, wenn die einzige Möglichkeit, Bücher zu lesen, beinhalten würde, dass diese jederzeit vom Anbieter/ VErkäufer wieder gelöscht werden können!

Ursprünglich hatte ich mir das E-Book so vorstellt, dass man es bekommt, es einem gehört und man es auch ausdrucken kann.
Der jetzige Stand der Dinge ist mMn viel unkomfortabler für den Leser/ Käufer, weil er sich nicht sicher darüber sein kann, wie lange er das Buch behalten kann.
Gilt übrigens auch für die DVD/ Blue-Ray, aber aus anderen Gründen: Die halten vermutlich einfach nicht lange.
Daher bin ich noch Fan des Papierbuches: Das hält vermutlich bis zu meinem Lebensende, ist dann noch lesbar und greifbar.
Von E-Books kann man das aus verschiedenen Gründen noch gar nicht sagen; Dateien halten ja auch nicht ewig, und was tun, wenn der Anbieter zu dem Zeitpunkt, an dem ich das Buch ersetzen muss [weil die Datei nicht mehr aufgerufen werden kann, das Lesegerät kaputt ist oder so) nicht mehr im Geschäft ist?

Liebe Grüße von
Keshia

Offline sandhofer

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Re: Das Ende des Buches und was wir verlieren - ein Essay von Thomas Hettche
« Antwort #104 am: 24. Oktober 2012, 07:21:00 Vormittag »
Daher bin ich noch Fan des Papierbuches: Das hält vermutlich bis zu meinem Lebensende, ist dann noch lesbar und greifbar.

Länger, das hält vieeeeeeeeel länger ...  :winken:
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