Rebecca Gablé: Das Lächeln der Fortuna Robin von Waringham ist 12 Jahre alt, als sein Vater wegen Hochverrates ins Gefängnis kommt und dort den Tod findet. Robin ist zutiefst erschüttert und enttäuscht. Er läuft aus dem Kloster davon, wo er als Schüler gelebt hat, und verdingt sich als Pferdeknecht auf Warinham, das einem anderen Adeligen zugefallen ist. Von Robins Familie ist nur seine Schwester Agnes übrig, alle anderen wurden Opfer der regelmäßig wiederkehrenden Pest.
Als Pferdeknecht fühlt Robin sich wohl, er hat einen speziellen Draht zu Pferden. Er lebt sich problemlos hin die Gruppe der Stallburschen ein, und der Stallmeister Conrad übernimmt eine Art Vaterstelle. Schwierig ist es jedoch, dem gewalttätigen Vorarbeiter Stephen aus dem Weg zu gehen. Außerdem gibt es noch Mortimer, den Sohn des neuen Earls von Waringham. Mortimer ist ein verwöhnter, hinterhältiger und sadistischer Bengel, der allen Dorfbewohnern das Leben schwermacht, besonders jedoch Robin, seinem Lieblingsfeind. Zwischen den beiden Jungen beginnt eine lange währende Fehde.
Die Jahre vergehen, der hundertjährige Krieg mit Frankreich blutet England aus, die Staatsausgaben sind hoch, der Adel presst die letzten Reserven aus den rechtlosen Bauern und Leibeigenen, deren Unzufriedenheit wächst.
Als ein Streit eskaliert und Robin das Leben auf Waringham zu gefährlich wird, verlässt er widerstrebend seine Heimat. Durch verschiedene Umstände hat er die Möglichkeit, sich als Mortimer auszugeben und einen Botengang nach Frankreich zum Schwarzen Prinzen zu übernehmen. So trifft er auf Lancaster, den Bruder des englischen Thronfolgers. Robin tritt in Lancasters Dienst, zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, die erst der Tod beendet. Als Lancasters Ritter wird Robin mehr und mehr in dessen politischen Intrigen hineingezogen, sein Leben wird immer komplizierter und gefährlicher, obwohl er im Grund ein geradliniger Mann ohne politische Ambitionen ist…
Diese Robin-Hood-Variante hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht. Die Dicke des Buches (1200 Seiten) wirkte zwar abschreckend, ebenso die auf den ersten Seiten reihenweise aufgezählten wichtigsten Personen der Geschichte. Diese wurden aber nur nach und nach ins Spiel gebracht, so dass man in der Regel den Überblick behielt. Im letzten Drittel der Geschichte gab es für meinen Geschmack etwas zu viel Politik, Intrigen und Gemetzel. Besonders bedrückend fand ich die totale Rechtlosigkeit der kleinen Leute und die ständig lauernde Lebensgefahr für Jedermann. Willkür der Stärkeren, ein bisschen Anschwärzerei und Gerüchteküche konnten jeden ans Messer liefern. Schlimme Vorstellung.
Robin, der Pferdeflüsterer, war mir mit seiner ruhigen, pragmatischen Art sehr sympathisch. Manchmal empfand ich ihn allerdings für ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Auch gab es einige Probleme, die sich etwas zu einfach lösen ließen. Aber es gab eine ganze Reihe von interessanten Personen, die die Geschichte sehr abwechslungsreich machten.
Im Ganzen hat das Buch eine wunderbare Atmosphäre. Mein erster Roman von Gablé, aber sicher nicht der letzte!
