Hallo zusammen,
so, jetzt bin ich beim zweiten Band der Trilogie auch durch. Und gleich zu Anfang: der zweite Band hat mir besser gefallen als der erste.
Aber zuerst der Inhalt:
Im zweiten Band lernen wir Will kennen, der in „unserem“ Oxford lebt. Will, dessen Vater seit Jahren verschollen ist, und seine Mutter werden von Personen verfolgt, die an die Briefe heran wollen, die sein Vater von seiner letzten Reise, einer Polarexpedition, an ihn und seine Mutter geschrieben hat. Will kann fliehen, als er per Zufall ein Fenster in eine andere Welt entdeckt, das er durchschreitet. Die Briefe seines Vaters nimmt er mit.
In dieser anderen Welt trifft er auf Lyra. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Wills Vater, dessen Werk er fortführen soll. Will weiß selbst nicht genau, was das ist, er hat diesen Satz nur immer wieder von seiner Mutter gehört. Bei der Suche treffen sie einerseits auf Personen, die wir aus dem ersten Band schon kennen: z. B. die Hexe Serafina Pekkala, Mrs. Coulter und Lee Scoresby, es werden andererseits auch weitere interessante Personen in die Geschichte eingeführt, z. B. die Wissenschaftlerin Dr. Malone, die das Geheimnis des Staubs in „unserem“ Oxford erforscht.
Die Handlungsorte liegen diesmal nicht in Lyras Welt, sondern in „unserer“ Welt und in der Welt von „Cittagazze“, die von geheimnisvollen Gespenstern und Engeln bevölkert wird, und in der nur die Kinder einigermaßen sicher leben können. So wie das Buch nun in mehreren Welten spielt, werden auch mehrere parallel laufende Handlungsstränge eingeführt, die aber immer sehr sauber voneinander getrennt sind und damit für den Leser klar zuzuordnen.
Es werden einige (leider nur wenige) Fragen aus dem ersten Band beantwortet, aber auch weitere Geheimnisse angerissen und Fragen aufgeworfen: Was sind die Gespenster, die in der Welt von Cittagazze ihr Unwesen treiben, welche Rolle spielen die Engel und was steckt hinter dem magischen Messer, das im kommenden Krieg eine größere Bedeutung haben muss, als zunächst angenommen? Hier muss ich wohl wieder auf den nächsten Band warten.
Positiv fiel mir auch auf, dass in diesem Band nicht mehr Lyra die erste Hauptperson ist (die mich im ersten Band doch etwas nervte), sondern Will, der zwar vom Alter her ebenfalls ein Kind ist, aber durch seine Erfahrungen schon wesentlich reifer und erwachsener ist. Faszinierend wie schon im ersten Band ist Mrs. Coulter – wobei auch hier die Motive, die sie antreiben, noch im Dunkeln bleiben. Mrs. Coulter scheint über noch mehr Macht zu gebieten als zunächst angenommen, denn sie kann – als einzige Erwachsene – den Gespenstern von Cittagazze Befehle erteilen. Lord Asriel, eine meiner Lieblingsfiguren aus dem ersten Band, wird hier im zweiten Band leider nur erwähnt, aber was man sich über ihn erzählt, lässt auf ein grandioses Finale hoffen.
Obwohl „Das magische Messer“ kein lustiges Buch ist, gibt es einige amüsante Szenen, z. B. als Lyra ihr Alethiometer zu Will befragt und die Antwort erhält, dass er ein Mörder sei – was Lyra sehr beruhigt und sie beschließt, Will vertrauen zu können.
Allerdings gibt es auch sehr grausame Szenen, z. B. wenn die Gespenster aus Cittagazze auf Erwachsene treffen, die Folterung einer Hexe und auch am Ende
wo Wills Vater, kurz nachdem sich Vater und Sohn wieder gefunden haben, vor Wills Augen erschossen wird.
Das ist keine leichte Kost.
Das Fehlen einer Landkarte im Buch hat mich persönlich nicht gestört, denn die Länder und Kontinente sind wie in unserer Welt, es gibt eben andere Orte und andere Klimazonen. Und ob Will und Lyra auf ihrer Suche nach Norden, Osten, Süden oder Westen reisen, ist für die Handlung selbst nicht relevant. Wichtig ist nur, was sie am Ziel erwarten wird.
„Das magische Messer“ ist kein Buch, das schnelle Lösungen anbietet, es verlangt etwas Geduld vom Leser. (Mir persönlich gefällt das, denn ich mag es nicht, wenn ich immer schon zwanzig Seiten nach dem Geheimnis die Lösung auf dem Silbertablett präsentiert bekomme.) Die Handlung, die Motive der Personen und die Welten, in denen die Geschichte spielt, sind sehr komplex, vom Leser wird unbedingte Aufmerksamkeit gefordert. Für mich als üblicherweise schlampige Leserin ist das schon eine Herausforderung. Aber bisher hat es sich sehr gelohnt.
Und jetzt geht’s weiter zu Band 3.
Viele Grüße von Annabas

(sorry für das lange Posting, aber irgendwie finde ich bei Buchbesprechungen kein Ende)