Puh, in diesem Thread ging es ja schon ganz schön zur Sache - allerdings wurde hier sooo viel über die Filme (und auch über die späteren Bücher) diskutiert, dass ich mich schon gefragt habe, ob man das nicht besser abgetrennt hätte!? Ich verstehe ja, dass das nicht vorauszusehen war, aber die Beiträge zum eigentlichen Thema gehen auf den 8 Seiten leider ziemlich unter.
Wie auch immer - ich kenne weder die Folgebände noch den Film und beziehe mich deswegen nur auf das
4. Buch.
Eine leichte Entwicklung hat sich ja schon im Verlauf der Bände 1 - 3 bemerkbar gemacht, aber erst Band 4 scheint einen richtigen Wendepunkt zu markieren. Die Stimmung ist düsterer, unheilvoller - es braut sich etwas zusammen, und man beginnt zu ahnen, dass dieses Etwas größere Ausmaße annehmen wird, als die ersten drei Teile vermuten ließen. Viel mehr als seine Vorgänger lebt HP 4 auch von eben diesen Vorausdeutungen und man merkt am Schluss viel deutlicher, dass es nur das Ende des Schuljahres und keineswegs das Ende der Geschichte ist. Im Gegenteil, ich schlug die letzte Seite zu mit dem Gefühl: "Jetzt geht's erst richtig los."
Obwohl mir der
Stein der Weisen, die
Kammer des Schreckens und der
Gefangene von Askaban auch schon gefallen habe, kamen hier zum ersten Mal Stellen vor, in denen ich wirklich emotional mitgegangen bin. Harrys deprimierte Stimmung während seiner sozialen Isolation griff auf mich über, die gute Mrs. Weasley rührte mich fast zu Tränen, und was während der letzten Runde des trimagischen Turniers passiert, fand ich absolut gelungen beschrieben. Alfa_Romea hat dazu in der
Leserunde geschrieben:
Zu guter Letzt noch die Szene, die mich aufs Neue immer wieder beeindruckt: Cedric Diggorys Tod. Kein langes Rumgesülze, einfach "Kill the spare one", Avada Kedavra und fertig. Kaltblütig und ohne Mitleid, nicht mal die Chance sich zu wehren oder letzte Worte...
Genauso ist es!
Überhaupt nehmen Gewalt und Schmerzen (körperliche und seelische) hier einen ganz anderen Raum ein als früher bzw. tauchen überhaupt zum ersten Mal in einer Form auf, dass man Kinder als Zielgruppe in Frage stellen muss. Im Gegensatz zu Bartlebooth würde ich die Brutalität aber nicht als "sinnlos" bezeichnen.
Dennoch ist das Buch für mich ein etwas eigenartiges Zwitterwesen - wie gesagt finde ich manches eindeutig zu heftig, um es so ohne weiteres als Kinderbuch zu klassifizieren, andererseits hat es Schwächen, die ich eben nur Kinderbüchern "verzeihe". Während nämlich sowohl die Hauptcharaktere als auch die Geschichte im Laufe der Bände 1 - 4 an Komplexität zulegen, tut die Sprache das überhaupt nicht. Sie bleibt auf einem sehr simplen Niveau - absolut in Ordnung, solange man "mit Kinderaugen" liest, aber manchmal doch ein bisschen störend. Für ältere Leser hätte manches ruhig ein wenig ausgefeilter formuliert sein dürfen, aber das führt wieder zurück zum Problem der Zielgruppe ... besonders, weil sich die Sprache der Bücher eben als einziger Punkt null weiterentwickelt hat und ich deshalb davon ausgehe, dass sie auch in den letzten Bänden gleich bleibt - und die sollen inhaltlich ja definitiv nicht mehr für Kinder geeignet sein!

Außerdem hat Bartlebooth nicht Unrecht, wenn er schreibt:
Mein Vorwurf geht dahin, dass mir das Ganze viel zu stereotyp ist. Dass Figuren nicht "nur gut" oder "nur böse" sind (was ich übrigens nirgends kritisiert habe), reicht an sich ja noch nicht, um ein Stereotyp zu vermeiden.
Generell finde ich Stereotype in Kinderbüchern nicht so schlimm wie in Erwachsenenliteratur, und zwar umso weniger, je jünger die Zielgruppe ist. Salopp gesagt denke ich, die Kleinen müssen erst einmal verstehen, was Gut und was Böse (oder sonst ein Klischee) ist, um lernen zu können, dass man es sich eben nicht so einfach machen kann. Aber ich kann schon nachvollziehen, dass man sich z.B. an dem ewig tollpatschigen Neville, dem feindseligen Malfoy mit seinen dümmlichen Gefährten Crabbe und Goyle, oder auch an der vollkommen farblosen Cho stößt, die einzig und allein dadurch charakterisiert wird, dass sie hübsch ist und Harry sich in sie verknallt.
Und zu guter Letzt darf man sich nicht allzu sehr auf eine lückenlose Logik versteifen, was die Aktionen der Figuren betrifft - aber auch das bewegt sich in einem Rahmen, den man Kinderbüchern meiner Meinung nach durchaus zugestehen kann.
So verhalten sich speziell Harry, Ron und Hermine im Großen und Ganzen nämlich sehr altersgemäß, finde ich - man merkt, dass sie bei weitem nicht mehr die Elfjährigen aus dem
Stein der Weisen sind, aber sie agieren auch nicht übermäßig erwachsen.
Mein Fazit: Schwächen hin oder her, gefallen hat mir auch
Harry Potter und der Feuerkelch wieder und ich bin schon neugierig, wie die Geschichte weitergeht - jetzt, wo sich Wolken vor die Sonne von Hogwarts geschoben haben ...