Was für ein Buch!
So viel Hass, Leidenschaft und Inzest ... besonders der erste Teil wird von einer gewaltigen dämonischen Energie getragen, die mich mit Haut und Haar in den Strudel gezogen hat.
Der Untergang der Familie Earnshaw beginnt mit dem Einzug des Findelkinds
(ja klar
) Heathcliff. Obwohl er nichts dafür kann, hat sein Auftauchen dieselbe Wirkung, als ob sich ein Zeck eingenistet hätte und von da an das harmonische Familiengefüge systematisch vergiftet und zerstört.
Am Anfang kann man durchaus noch Mitgefühl und Verständnis für seine Situation aufbringen, aber im Handlungsverlauf entwickelt er sich zu einem brutalen, grausamen Fanatiker. Natürlich trägt sein Umfeld einiges dazu bei, aber wie man dem erwachsenen Heathcliff auch noch Sympathien entgegen bringen kann, ist mir ein Rätsel - im richtigen Leben würde das bei so einem gewalttätigen Sadisten wohl ganz anders aussehen.
Nach Catherines Tod, als die nächste Generation in den Fokus rückt, beruhigt sich die Handlung auf den ersten Blick ein wenig. Unter der Oberfläche brodelt und gärt es aber weiter, die Gegenwart steht noch immer völlig im Zeichen der Vergangenheit und alles, was geschieht, scheint in irgendeiner Weise auf die damaligen Ereignisse zurückzuführen zu sein.
Den Vorwurf, dass die Charaktere eindimensional sein sollen, kann ich nicht im Geringsten nachvollziehen - besonders die Hauptfiguren haben doch alle mehrere Facetten, die aber sehr glaubwürdig in der jeweiligen Person vereint sind. Natürlich toben Catherine und Heathcliff im Vergleich zu den anderen wie rohe Naturgewalten durch das Buch, aber die anderen (speziell die Youngsters) sind doch um nichts weniger interessant.
Ich habe erst kurz zuvor eine kleine Biographie über die Schwestern Brontë gelesen. Darin stand, dass Charlottes "Jane Eyre" schon zu deren Lebzeiten ein Bestseller wurde, während Emilys "Sturmhöhe" auf Ablehnung und Unverständnis stieß. Das wundert mich überhaupt nicht, wenn man die Epoche bedenkt, in der die Geschichte entstanden ist. Das Buch entspricht absolut nicht den damaligen Konventionen, und wenn Emily nicht (fast wie zum Alibi) die eine oder andere religiös angehauchte Stelle eingestreut hätte, hätte es mich nicht gewundert, wenn sich nach der Veröffentlichung die Kirche über so viel Teuflisches aufgeregt hätte.
Ein Lieblingsbuch.
