Autor Thema: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy  (Gelesen 7914 mal)

Annabas

  • Gast
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #150 am: 15. Oktober 2012, 20:29:32 Nachmittag »
Hallo zusammen,

ich habe erst 2/3 des Buches gelesen, will aber schon mal mitsenfen.  :zwinker:

Was mich am meisten fasziniert ist die Art, wie Rowling die verschiedenen Seiten der Personen aufzeigt. Also die bürgerliche Fassade, dahinter das "wahre" Gesicht und dann gibt es manchmal noch eine dritte, ganz unerwartete Seite.
Und wie Valentine habe ich auch schon manchmal mein eigenes Gesicht im Spiegel entdeckt.   :rollen:

Ich denke auch, dass sie das Leben in einer Kleinstadt sehr real eingefangen hat.
Ich glaube, dass das gar nicht unbedingt nur auf eine Kleinstadt bezogen ist. Hier in der Großstadt sind es eben die Stadtviertel, die die Müllverbrennungsanlage oder das Asylantenheim lieber woanders sehen würden und die eifersüchtig werden, wenn der benachbarte Stadtteil größere Zuschüsse bekommt ... Provinz ist nur im Kopf (hat mal ein schlauer Mensch gesagt).

Am meisten rege ich mich gerade über Ruth auf, der würde ich am liebsten mal eine runterhauen.  :grmpf:

Grüße von Annabas  :winken:

Offline suray

  • Mitglied
  • Beiträge: 903
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #151 am: 15. Oktober 2012, 21:00:15 Nachmittag »
Ich meine damit auch eher das ausgeprägte Spießbürgertum und die verstrickten Beziehungsgeflechte. Das erlebe ich in größeren Städten nicht ganz so ausgeprägt. Ansonsten gebe ich dir Recht, Annabas, diese politischen Städtethemen gibt es überall - ob Klein- oder Großstadt und sogar in jedem Ort oder Dorf. Deswegen meide ich auch gerne diesen politischen Klüngel.
Gruß suray

Annabas

  • Gast
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #152 am: 16. Oktober 2012, 15:03:10 Nachmittag »

J. K. Rowling – Ein plötzlicher Todesfall
Übersetzerinnen: Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol

Inhaltsangabe:

Pagford ist eine hübsche, kleine Gemeinde in England. Alles könnte sein wie im Bilderbuch – wenn da nicht die Sozialbausiedlung „Fields“ und die Drogenklinik wäre. In den Augen mancher alt-eingesessener Pagforder sind beides Krebsgeschwüre, die entweder der nächstgelegenen Stadt Yarvil zugeordnet bzw. geschlossen werden sollten. Als Barry Fairbrother, Gemeinderatsmitglied und Befürworter der Integration von Fields und der Weiterbetreibung der Drogenklinik, plötzlich an einer Gehirnblutung stirbt, wittern einige Pagforder ihre Chance, denn es gilt, den plötzlich frei gewordenen Gemeinderatssitz mit dem „passenden“ Kandidaten zu besetzen. Hinter den Kulissen entbrennt ein Streit, in dem auch „unfeine“ Methoden zum Einsatz kommen und in dem Ehepartner und Kinder ebenfalls eine Rolle spielen ...

Der erste Satz:

„Barry Fairbrother wäre lieber zu Hause geblieben.“

Meine Meinung zum Buch:

Mit diesem Buch hat J. K. Rowling eine völlig andere Geschichte geschrieben als ihre Harry-Potter-Bücher. Für mich hat sie gezeigt, dass sie sehr wohl auch für Erwachsene schreiben kann und ich bewundere sie für den Mut, sich der Kritik zu stellen.

Rowling entwirft hier eine Gemeinde, in der nur noch die Fassade hübsch ist. Dahinter lauern Betrug, häusliche Gewalt, Mobbing, Entfremdung, Klatschsucht, Menschenverachtung, Rassismus, Drogenabhängigkeit, Ehrgeiz, Verleumdung und Egoismus. Obwohl sich die Problemgebiete in dem Buch extrem häufen, kam es mir nicht übertrieben vor. Die Autorin malt die Figuren nicht nur schwarz-weiß, sondern in vielen Graustufen und hält auch dem Leser einen Spiegel vor, in dem man sich immer mal wieder findet.

Die Personen waren hervorragend gezeichnet. Etwa 20 Hauptpersonen tummeln sich in der Geschichte, und allen widmet die Autorin genügend Zeit, um genauestens Vergangenheit, Träume, Zukunftspläne und Alltagssorgen zu beleuchten. Ich fand das hoch interessant, denn als Leserin glaubte ich, die Personen wirklich kennenzulernen. Zusätzlich konnte ich auch die gegensätzlichsten Positionen und Handlungen nachvollziehen und verstehen.

Wirklich gut kommt keine der Hauptpersonen weg, weder Erwachsene noch Jugendliche. Am ehesten vielleicht noch die Sozialarbeiterin Kay Bawden mit ihrer Tochter Gaia, die allerdings sehr blauäugig für einen Mann ihr altes Leben hinter sich ließ, um sich in Pagford niederzulassen. Wenn auch die Katastrophe, auf welche die Geschichte zusteuert, einige Köpfe wieder zurecht rückt, so konnte sich bei mir kein wirklicher Optimismus für Pagford entwickeln. Es menschelt einfach zu sehr.

Einen Vergleich zu den Harry-Potter-Büchern muss ich aber doch anführen: Wie schon dort kann man auch hier erkennen, dass die Autorin sehr komplexe Ereignisse mühelos auflösen kann. Außerdem fiel mir wieder auf, wie liebevoll kleine Details eingearbeitet sind, welche die Autorin immer wieder ganz nebensächlich in die Geschichte einflicht. Ich denke da an Tessas gestohlene Armbanduhr: ganz am Anfang wird sie geklaut, sie spielt immer mal wieder eine winzige Rolle und am Ende taucht sie noch einmal an irgendeinem fremden Handgelenk auf. So etwas mag ich.

Ich mochte auch die ständig neuen Perspektiven, die manchmal sogar ganz kurz von Abschnitt zu Abschnitt wechseln. Ich hatte damit das Gefühl, an fünf Orten gleichzeitig zu sein und das Geschehen dort zu beobachten. Es kommt oft vor, dass mich so etwas beim Lesen verwirrt – hier war das nicht der Fall, denn die Autorin schreibt immer sehr genau mit Namen, bei wem man gerade ist. Auch die erklärenden Einschübe in Klammern fand ich toll.

Interessant fand ich, dass die Autorin auch die Sprache jeweils auf ihre Hauptpersonen abstimmt. Während sich die Pagforder Upper Class gepflegt unterhält, reden die Jugendlichen der Gesamtschule Winterdown Tacheles und sparen nicht mit gepfefferten Sprüchen.

Insgesamt habe ich überhaupt nichts zu meckern und ich hoffe, dass Frau Rowling weitere Bücher schreibt.

Meine Bewertung: 5ratten      :tipp:

Viele Grüße von Annabas    :winken:

Offline Valentine

  • Captain of my soul
  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 11968
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #153 am: 16. Oktober 2012, 15:34:44 Nachmittag »
Schöne Rezi! :klatschen:

Dass Frau Rowling auch hier wieder meisterhaft Kleinigkeiten einflicht, um sie viel später wieder aufzunehmen, ist mir auch positiv aufgefallen :daumen: Und ja, auch die Figurenzeichnung so vieler verschiedener Personen hat sie wie schon bei HP klasse hingekriegt.
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty? These are what we stay alive for.

Dead Poets Society

Annabas

  • Gast
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #154 am: 16. Oktober 2012, 17:49:57 Nachmittag »
Danke!    :winken:

Zu der Figurenzeichnung: so viele Protagonisten sind für mich oft ein Problem, ich verheddere mich dann und verwechsle den einen mit dem anderen. Das ging hier aber überraschend gut, ich konnte die Leute sehr gut auseinanderhalten, obwohl ich dazu neige, manchmal etwas schlampig zu lesen. Fand ich toll gemacht.  :daumen:

Grüße von Annabas  :winken:

Offline Valentine

  • Captain of my soul
  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 11968
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #155 am: 16. Oktober 2012, 19:53:20 Nachmittag »
Ja, die wurden alle so richtig schön lebendig, wie auch die Figuren aus dem Potter-Universum.
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty? These are what we stay alive for.

Dead Poets Society

Offline Valentine

  • Captain of my soul
  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 11968
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #156 am: 21. Oktober 2012, 17:34:14 Nachmittag »
Time Magazine lobt das Buch in den höchsten Tönen und sagt, Rowling gehöre zu den ganz wenigen Autoren, die den Sprung von Kinder/Jugendbüchern zur "Erwachsenenliteratur" problemlos geschafft haben. Leider ist der Artikel online nur für Abonnenten verfügbar, aber ich möchte einen Satz aus der Printausgabe zitieren, der mir gut gefallen hat:

It's as if Rowling (like Hogwarts professor Remus Lupin) were a werewolf, except that instead of turning lupine when the moon was full, she turned into Ian McEwan.  :smile:
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty? These are what we stay alive for.

Dead Poets Society

Offline resca

  • Mitglied
  • Beiträge: 614
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #157 am: 31. Oktober 2012, 13:15:56 Nachmittag »
Ich habe schon ewig nicht mehr so lange an einem Buch gelesen. Seit Erscheinungsdatum dümpele ich damit herum, denn bedingt durch Krankheit, Stress und sonstige widrige Umstände komme ich nicht wirklich zum Lesen, was mich ärgert, weil es dem Buch einfach nicht gerecht wird.
Während meiner kurzen Lesezeiten genieße ich es nämlich sehr mich von Rowling in die Köpfe der Menschen aus Pagford ziehen zu lassen.
Irgendwie hatte ich überhaupt keine Erwartungen an das Buch, deshalb kann ich schlecht behaupten dass alle meine Erwartungen übertroffen wurden, aber so ist irgendwie  :breitgrins:

Ich lese mal schnell weiter ...
LG, resca

Offline Jari

  • Mitglied
  • Beiträge: 6154
  • Der Nervzwerg vom Dienst :)
    • Jaris Büchergebrabbel
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #158 am: 06. November 2012, 16:18:41 Nachmittag »
Ich möchte eigentlich dasselbe sagen wie resca. Gleich am Erscheinungstag habe ich damit begonnen, es zu lesen und kam auch ziemlich weit. Denn: Es ist, wie gesagt, ein gutes Buch!
Aber da es so gross und schwer ist, konnte ich es schlecht mit zur Arbeit nehmen und so lag das arme Buch lange angebrochen herum. Abends war ich zu müde, um mich damit abzugeben, da ich es auf englisch lese. Zum Glück habe ich nun etwas freie Zeit und lese endlich weiter :klatschen:
Und ich muss sagen, dafür, dass ich fast einen Monat nicht mehr darin gelesen habe, bin ich erstaunlich schnell wieder drin. Es ist fast so, als hätte ich den Unterbruch gar nicht gehabt. Einige Dinge und Personen musste ich erst wieder rekapitulieren, doch es ist schon so viel passiert und es kommen so viele Figuren darin vor, dass ich erstaunt bin, dass mir nicht mehr fehlt.
Aber eben: Rowling ist eine talentierte Erzählerin. Man merkt es sofort.
//Grösser ist doof//

Offline simmilu

  • Büchereule
  • Mitglied
  • Beiträge: 2320
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #159 am: 19. November 2012, 10:49:36 Vormittag »


J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall

Inhaltsangabe lt. amazon :
Als Barry Fairbrother mit Anfang vierzig plötzlich stirbt, sind die Einwohner von Pagford geschockt. Denn auf den ersten Blick ist die englische Kleinstadt mit ihrem hübschen Marktplatz und der alten Kirche ein verträumtes und friedliches Idyll, dem Aufregung fremd ist. Doch der Schein trügt. Hinter der malerischen Fassade liegt die Stadt im Krieg. Krieg zwischen arm und reich, zwischen Kindern und ihren Eltern, zwischen Frauen und ihren Ehemännern, zwischen Lehrern und Schülern. Und dass Barrys Sitz im Gemeinderat nun frei wird, schafft den Nährboden für den größten Krieg, den die Stadt je erlebt hat. Wer wird als Sieger aus der Wahl hervorgehen – einer Wahl, die voller Leidenschaft, Doppelzüngigkeit und unerwarteter Offenbarungen steckt? J.K. Rowlings erster Roman für Erwachsene ist aufwühlend, berührend und spannend. Ein großer Roman über eine kleine Stadt von einer der besten Erzählerinnen der Welt.

Meine Meinung :
Als ich mir das Buch kaufte, tat ich das sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite war ich ziemlich neugierig auf das, was da folgen sollte und auf der anderen Seite, hatte ich Bedenken, das ich mich zu sehr von der Rowling- Harry Potter - Vorstellung beeinflussen lassen würde.
Gott sei Dank, war es nicht so und so stand dem Lesevergnügen nichts im Weg !

Die Geschichte wird von der Autorin recht schonungslos erzählt und sie zeigt dem Leser, das in diesem Ort zwar nach außen hin alles in Ordnung zu sein scheint, es hinter den Kulissen aber ganz schön brodelt ! Die Jugendlichen scheinen einen besonders schweren Stand zu haben und die durch und durch konservative Einstellung des Ortes, lässt keinen Raum für Andersartigkeiten. Bösartigkeit, Neid, Missgunst und Ignoranz sind an der Tagesordnung und manchmal war mir sehr beklommen zu Mute, wenn ich mir vorstellte, mit was für einer Hoffnungslosigkeit und verzweifelter Wut mancher Bewohner zurecht kommen musste.... :sauer:
Das Erschreckende daran ist, das es ja genauso ( und noch viel schlimmer !!! ) überall zugeht....

Das Buch lässt sich gut lesen und der Schreibstil der Autorin, den ich sehr mag, trägt zur Kurzweiligkeit bei. Ich finde es sehr beruhigend, das Frau Rowling auch anders kann und nicht nur Harry Potter. So bleibt sie der Leserschaft auch weiterhin erhalten  :smile:

Ich gebe :  4ratten
Ich lese gerade :


eBook :





:lesewetter:       Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt - Jorge Luis Borges

Offline Jari

  • Mitglied
  • Beiträge: 6154
  • Der Nervzwerg vom Dienst :)
    • Jaris Büchergebrabbel
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #160 am: 20. November 2012, 22:30:31 Nachmittag »
Inhalt:

Für die Welt mag Barry Fairbrother irgendjemand gewesen sein, für das Städtchen Pagford dagegen ist sein viel zu früher Tod eine Tragödie. Fairbrother war es, der die Kleinstadt zusammenhielt.
Nach dem ersten Schock stellt sich den Bewohnern von Pagford jedoch die Frage, wer Barrys Sitz im Gemeinderat übernimmt. Nun zeigt Pagford sein wahres Gesicht und es ist bei Weitem kein schönes...

Meine Meinung:

Man hat schon viele Rezensionen über J.K. Rowlings "The Casual Vacancy" geschrieben. Diejenigen, die in den Köpfen blieben, waren die negativen. Man scheint Rowling nicht zuzutrauen oder nicht zutrauen zu wollen, dass sie ausser Harry Potter etwas anderes schreiben kann.

Genau deshalb war ich von Anfang an sicher, dass ich das Buch lesen wollte. Ich wollte mich selbst überzeugen und mir meine eigene Meinung bin. Deshalb bin ich auch gleich am Erstverkaufstag in die nächstbeste Buchhandlung gerannt, um mir das Buch zu holen. Und den Nachmittag mit lesen zu verbringen.

Kurz gesagt: Ja, sie kann es. Ja, J.K. Rowling kann schreiben. Auch ohne Harry. "The Casual Vacancy" überzeugte mich bereits auf den ersten Seiten. Sie schafft es auf eine einfache, verzaubernde Weise, die Stimmung in Pagford wiederzugeben. Gleichzeitig ist sie wahnsinnig schonungslos. Hier beschreibt Rowling die gnadenlose Realität. Ohne mit der Wimper zu zucken und ohne zu werten. Das Wissen, dass es so oder so ähnlich auch bei uns, direkt in unserer Nachbarschaft, zu und her geht, lässt das alles nur noch eindrücklicher werden.

Hier tobt ein zum Teil unterschwelliger Krieg. Jeder gegen jeden. Jeder verfolgt seine eigenen Ziele. Jeder hat seine Gründe. Träume. Hoffnungen. Alte Rechnungen zu begleichen. "A Casual Vacancy" ist definitiv ein Buch, das einem Bilder in den Kopf setzt, die dann auch dort bleiben.


Es ist kein Geheimnis, dass Armut fürchterlich ist. J.K. Rowling jedoch führt uns vor Augen, wie es wirklich ist. Schliesslich weiss sie aus erster Hand, wie es ist. Doch vor allem brilliert sie durch die Beziehungsgeflechte, die sie webt. Wie eine Spinne webt sie hauchdünne Fäden, manche zeigen sich erst mit der Zeit, doch alle führen sie zum Desaster.

Eine wahre Fülle von Figuren treffen uns in diesem Buch. Doch Rowling schafft es, sie uns nahe zu bringen, sodass sie so greifbar und real werden, als ständen sie direkt vor uns. Aufgrund seines Umfangs konnte ich das Buch schlecht unterwegs lesen, was dazu führte, dass ich lange Zeit nicht im Buch weiterlas. Als ich dann wieder dazu kam, in dem Buch zu lesen, war ich überrascht, dass ich mich praktisch sofort wieder in der Geschichte zurecht fand. Auch die Personen erkannte ich wieder. All dies spricht für das schriftstellerische Können der Autorin.

Fazit:

Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben. Ein dichtes und ergreifendes Werk über eine ganz normale Kleinstadt. Ein Buch, das mich, trotz anfänglicher Skepsis, völlig überzeugt.
Vielleicht kein Buch, das jeder lesen sollte oder könnte, aber definitiv Literatur auf einer höheren Ebene.




4ratten & :marypipeshalbeprivatmaus:
//Grösser ist doof//

Offline Kandida

  • Mitglied
  • Beiträge: 660
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #161 am: 20. November 2012, 22:42:00 Nachmittag »
Was ich hier so lese, berechtigt den Aufenthalt des Buches auf meinem Weihnachtwunschzettel.  :winken:
Viele Grüße
Kandida

Offline Mrs.MiaWallace

  • Mitglied
  • Beiträge: 1058
  • you see, but you do not observe
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #162 am: 11. Dezember 2012, 12:09:52 Nachmittag »
Dann senke ich mit dem folgenden Beitrag mal das Stimmungsniveau hier im Thread, das seit Erscheinen des Buches in höheren Sphären zu schweben scheint :breitgrins:

Ich trau mich kaum, es zu sagen:
Ich habe "Ein plötzlicher Todesfall" nach 120 Seiten abgebrochen!

Es hat mich einfach nicht gepackt.
Das ist allerdings auch der einzige negative Kritikpunkt, den ich anzubringen habe.

Die Geschichte hat auch viele positive Seiten:
Der Erzählstil zum Beispiel. Einfach wunderbar!
Die vielen Personen und ihren groben Hintergrund, die auf den ersten (geschätzt) 70 bis 80 Seiten eingeführt werden, konnte ich wider Erwarten gut im Gedächtnis behalten. Die Autorin hat nach der "Vorstellungsrunde" geschickt begonnen, die einzelnen Personen von verschiedenen Seiten zu zeigen, z.B. von der gesellschaftlichen Seite, von der partnerschaftlichen Seite, wie sie sich selbst sehen etc., so daß man sich ein gutes Gesamtbild von ihnen machen kann und dem Leser eventuelle anfängliche Fehleinschätzungen mancher Personen aufgezeigt werden, im positiven wie auch im negativen Sinn.
Nach und nach werden geschickt verschiedene Beziehungen aufgezeigt, in der die einzelnen Personen miteinander stehen, wodurch sich ein unsichtbares Netz aus Verbindungen zwischen den Kleinstadtbewohnern spinnt.
Die kleinen und großen Dramen, die sich hinter verschlossenen Gardinen abspielen, sind gut und glaubhaft dargestellt, keine Handlung einer Person habe ich bisher in Frage gestellt.
Dabei werden die Situationen, in denen sich die Personen befinden, offen, direkt und schonungslos geschildert. So, wie es eben auch im wahren Leben ist.

Aber:
Es hat mich einfach nicht gepackt!
So interessant am Anfang die Erkundung der Einwohner Pagfords und ihre Verstrickungen waren - nach einer Weile hat mir nicht mehr ausgereicht, immer wieder ein Teilchen des großen und ganzen Pagford-Puzzles vorgelegt zu bekommen.
Mir hat einfach die echte Spannung gefehlt.

Unter dem Aspekt Milieustudie / Sozialstudie / Gesellschaftsstudie sicher eine solide und authentische Geschichte, aber der Lesespaß ist bei mir nach anfänglichem Interesse stark abgeflacht.

Soweit mein bisheriger Eindruck.
Ich bin gespannt auf weitere Meinungen von euch und ob jemand dabei ist, der ähnlich wie ich empfindet.

Offline suray

  • Mitglied
  • Beiträge: 903
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #163 am: 11. Dezember 2012, 12:18:00 Nachmittag »
Vielleicht hättest du weiterlesen sollen. Denn mittendrin hatte ich auch mal einen Hänger, aber dann wurde es wieder spannend!
Gruß suray

Offline Valentine

  • Captain of my soul
  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 11968
Re: J.K. Rowling - Ein plötzlicher Todesfall/The Casual Vacancy
« Antwort #164 am: 11. Dezember 2012, 13:40:41 Nachmittag »
Ich habe das Buch ja viel positiver empfunden als Du, Mia, kann Deine Kritikpunkte aber in gewisser Weise nachvollziehen. Es passiert über weite Strecken nicht viel Spektakuläres. Mir hat gerade dieser Einblick in die normale Lebenswelt der Familien in einer Kleinstadt gefallen, aber das ist sicher nicht jedermanns Sache.
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty? These are what we stay alive for.

Dead Poets Society