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Autor Thema: Diane Broeckhoven - Ein Tag mit Herrn Jules  (Gelesen 1883 mal)

Breña

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Re: Diane Broeckhoven - Ein Tag mit Herrn Jules
« Antwort #15 am: 02. April 2008, 09:47:06 »

Obwohl der Anlass eher traurig ist, hat das Buch m. E. eine sehr positive und hoffnungsvolle Grundstimmung. Alice hat die Möglichkeit, sich von Jules zu verabschieden, ohne dass es eine dramatische Szene am Sterbebett gibt bzw. ohne die Anwesenheit von Notarzt, Bestatter und Angehörigen („Bestattungsmaschinerie“ haben es einige genannt, sehr passend). Sie durchlebt dabei innerhalb eines Tages verschiedene Stationen der Trauer - sie redet mit Jules, fühlt ihrer Liebe nach, verhält sich unangemessen um ihn zu verärgern, rechnet mit ihm ab. Der Leser wird Zeuge, wie die kleinen Rituale, die das Ehepaar sich angeeignet hat, durchbrochen werden, wie Alice langsam realisiert, dass sie nach einem Leben mit Jules an ihre Seite ohne in auskommen muss, aber auch seine Einschränkungen überwinden kann. Und schließlich auch, wie sie mit David, dem autistischen Nachbarsjungen, einen Menschen findet, mit dem sie neuen Rituale schaffen kann.
Ein wunderbares Buch, keine Seite zu lang oder zu kurz, lebensbejahend und hoffnungsvoll.

Von mir eindeutig ein
 :tipp:

Viele Grüße
Breña
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"Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges

cori

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Diane Broeckhoven - Ein Tag mit Herrn Jules
« Antwort #16 am: 03. Mai 2010, 23:19:45 »

Inhalt:Herr Jules ist tot. Aber vorher hat er seiner Frau den täglichen Morgenkaffee noch bereitet. Sie deckt die "Hülle", die im Fernsehsessel sitzt zu, sonst erkältet er sich ja noch und auch der autistische Junge aus dem dritten Stock kommt um Punkt 10 zur täglichen Schachpartie vorbei .           Meine Meinung: Ein Buch, das unter die Haut geht und sich tief ins Herz gräbt. Absolut unsentimental erzählt hier eine grossartige Autorin über Liebe, Alltag und Geheimnisse. Meiner Ansicht nach eine Sensation.
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Valentine

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Re: Diane Broeckhoven - Ein Tag mit Herrn Jules
« Antwort #17 am: 04. Mai 2010, 08:56:02 »

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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
George Eliot: Middlemarch

cori

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Re: Diane Broeckhoven - Ein Tag mit Herrn Jules
« Antwort #18 am: 04. Mai 2010, 10:43:33 »

Sorry, Valentine! War gestern zu überwältigt...
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Desdemona

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Re: Diane Broeckhoven - Ein Tag mit Herrn Jules
« Antwort #19 am: 23. August 2010, 14:22:12 »

Archivierung einer Rezension aus dem Jahr 2008:

Ich habe dieses Buch für einen Euro als Mängelexemplar gekauft. Warum? Der Klappentext hat mich einfach angesprochen; der Umgang mit den Tod ist nicht zuletzt in unserer Wohlstandsgesellschaft mit ihrem Wunsch nach der eigenen "Unsterblichkeit" ein eher tabuisiertes Thema. Die Autorin Diana Broeckhoven hat einen offenen, und dennoch stillen Umgang mit diesem Thema gesucht.

Alice steht, wie jeden Morgen, erst auf, als der Kaffeegeruch ihr Bett erreicht. Es ist ihr Morgenritual - Jules macht das Frühstück, die einzige Aufgabe, die er im Haushalt übernimmt, und weckt sie erst dann, wenn der Kaffee fertig ist. An diesem Morgen ist es anders. Sie steht auf und sieht ihren Mann auf der Couch sitzend... Er ist tot. Sie reagiert nicht hysterisch bzw. hochemotional, sondern sie überlegt, ob sie Notare, Bestatter und ihren gemeinsamen Sohn informieren soll, entscheidet sich aber dagegen. In Ruhe will sie Abschied nehmen, in Ruhe ihm erzählen, dass trotz seiner Verfehlungen es immer eine Liebe zwischen ihnen gab.
Dieses Unterfangen sich zu verabschieden, wird vom Nachbarsjungen, dem autistischen David, vermeintlich gestört. Dabei ist dieser genauso an feste Rituale gebunden wie Jules und Alice.

Ein kurzes, aber ein schönes Buch über das Leben und das Sterben, über das Altern, über feste Rituale und vor allem über die Liebe. Ja, Jules hatte eine Geliebte, Olga, aber sie, Alice, verzeiht ihm; sie sagt ihm das nicht im Leben, dass sie es weiß, sondern erst, als er in Ruhe gegangen ist. Erst dann bricht sie ihr Schweigen.

Wenn auch stilistisch nicht sonderlich anspruchsvoll, ist diese Geschichte dennoch schön flüssig zu lesen; es lässt einem nicht mehr los, stimmt einem nachdenklich und das ist es, was dieses Büchlein ausmacht: Kurz, aber gut.
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