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Autor Thema: Samuel Pepys - Die Tagebücher 1660 - 1669  (Gelesen 2800 mal)

MacOss

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Re: Samuel Pepys - Die Tagebücher 1660 - 1669
« Antwort #30 am: 04. Januar 2012, 23:54:36 »

Drüben im Klassikerforum hat Giesbert einen Link zu drei Ausgaben des "Samuel Pepys Magazins" gesetzt.

Toll! Die sehen nach erstem Überfliegen unheimlich interessant aus. Mit umfangreichem Register, Illustrationen, Zeittafeln etc.

Vielen Dank! :winken:
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Auf zu neuen Ufern! :smile:

sandhofer

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Re: Samuel Pepys - Die Tagebücher 1660 - 1669
« Antwort #31 am: 05. Januar 2012, 08:37:37 »

Drüben im Klassikerforum hat Giesbert einen Link zu drei Ausgaben des "Samuel Pepys Magazins" gesetzt. Dort ist ein Großteil des Companions zu lesen mit vielen Informationen und Abbildungen. Sehr empfehlenswert!

Giesbert Damaschke - für die Suchmaschinen unter uns ...  :zwinker:

(Er bloggt auch den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller und Eckermanns Gespräche mit Goethe in Echtzeit ... )
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Doris

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Tagebuch von 1661
« Antwort #32 am: 20. Februar 2012, 17:39:33 »

Ich lese mich derzeit gemütlich durch das zweite Tagebuch und habe die ersten sechs Monate durch.

Pepys ist dabei, sich häuslich einzurichten in seiner neuen Wohnung, auf die er als Flottensekretär Anspruch hat. Auch sonst genießt er seinen Status und gewöhnt sich langsam an das Ansehen, das damit verbunden ist. In finanzieller Hinsicht muss er sich keine Sorgen mehr machen. Sein Vermögen wächst beständig, und er liebt es, stets aufs Neue seine Barschaft zu zählen. Natürlich bleibt das nicht verborgen, daher muss er sich zunehmend damit auseinandersetzen, von anderen angepumpt zu werden, was ihm gar nicht gefällt. Im Grunde genommen ist er sparsam, gibt aber gerne für kulturelle und leibliche Genüsse Geld aus. Dem Alkohol ist er sehr zugeneigt, nimmt seinen Konsum auch mit leichter Besorgnis zur Kenntnis, aber obwohl er des Öfteren am nächsten Morgen die Quittung bekommt, kann er sich dem Trinken, vor allem in guter Gesellschaft, nicht entziehen.

In London findet derzeit in Umbruch statt. Der neue König wird gekrönt, was nicht von allen Bürgern wohlwollend hingenommen wird. In dieser politisch unruhigen Zeit ist die Todesstrafe zwar nicht alltäglich, aber auch nicht ungewöhnlich. Urteile gegen Oppositionisten werden schnell gefällt und vollstreckt. Fast beiläufig berichtet Pepys an einer Stelle über Köpfe, die auf Stangen aufgespießt und aufgestellt werden, aber zur Mitte des Jahres scheint sich alles beruhigt zu haben.

Peyps ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt 29 Jahre alt, erscheint oft noch unsicher, vor allem in Hinsicht auf seinen Beruf, wird aber immer selbstbewusster. Seine jugendliche Begeisterungsfähigkeit hat er sich bislang erhalten. Auch wenn er gerne zu Übertreibungen neigt – „Wie ich es noch nie gehört/gesehen/gegessen habe“ – ist er ein sympathischer Zeitgenosse.
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Doris

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Tagebuch von 1661
« Antwort #33 am: 27. Februar 2012, 17:55:39 »

In der zweiten Jahreshälfte steht Pepys eine Erbschaft seines Onkels ins Haus, die allerdings auch einigen Ärger mit anderen Verwandten nach sich zieht. Man versucht, sich zu vergleichen, doch ein Anwalt ist bereits eingeschaltet. Auch die eigene Familie macht ihm Sorgen, denn seine Eltern streiten sich häufig und seine Dienstboten geben oft Anlass zur Klage.

Von seiner Arbeit ist derzeit weniger die Rede. Von geregelten Arbeitszeiten kann man ohnehin nicht sprechen – möglicherweise ein Privileg seiner gehobenen Position. Teilweise arbeitet er auch am Samstag bis in den Abend und geht dafür an anderen Wochentagen vormittags oder nachmittags mit Bekannten aus. Auch für das Siegelamt ist er weiterhin tätig. Hier gibt es eine Bestimmung, die ihn für eine gewisse Zeit des Jahres verpflichtet.

Immer wieder thematisiert er sein Vermögen und die Sorge, er könne Geld verlieren, obwohl er es auch gerne mit vollen Händen ausgibt, Freunde und Verwandte einlädt, seiner alten Schule Bücher spendet oder sich selbst neue Musikinstrumente und Kleidung anfertigen lässt. Als er seiner Frau Elisabeth endlich einmal den Kauf von Spitze im Wert von 6 £ genehmigt, nimmt er sich allerdings gleich vor, seine Ausgaben zu mäßigen, um nicht in Geldnot zu geraten  :breitgrins:, obwohl er großen Wert darauf legt, dass sie attraktiv aussieht. Über eine Modefrage gerät er mit ihr einmal sogar in einen heftigen Streit, in der auch deftige Ausdrücke fallen, was bislang im Tagebuch ungewöhnlich ist.

Auffallend ist seine Theaterleidenschaft. Es vergeht keine Woche, in der er nicht wenigstens ein Stück ansieht. Doch obwohl er sogar vor sich selbst ein Gelübde ablegt, diesbezüglich kürzer zu treten, ist keine Besserung zu erkennen; ebenso wenig hinsichtlich seines Vorsatzes, weniger zu trinken. Auch für das häusliche Musizieren – er spielt mehrere Instrumente - investiert er viel Zeit, allerdings ohne Reue. Er ist ein echter Genussmensch.

Übrigens erging es dem Londoner von 1661 nicht besser als heutzutage: Am 10. Dezember bemerkt Pepys verdrießlich, dass er eineinhalb Stunden im Stau feststeckte.

Obwohl ihm die Erbschaftsstreitigkeiten und seine Eltern Sorgen bereiten, zieht er doch am Ende des Jahres ein positives Resümee. Auch mein Fazit zum zweiten und dünnsten der Tagebücher fällt positiv aus. Und: Es ist nicht schwer, sich nach einigen Wochen Pause zwischen den einzelnen Büchern wieder einzulesen. Also kein Druck, den nächsten Band bald lesen zu müssen, um den Faden nicht zu verlieren.

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Saltanah

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Re: Tagebuch von 1661
« Antwort #34 am: 27. Februar 2012, 19:40:37 »

Übrigens erging es dem Londoner von 1661 nicht besser als heutzutage: Am 10. Dezember bemerkt Pepys verdrießlich, dass er eineinhalb Stunden im Stau feststeckte.

:lachen: Jaja, die "gute" alte Zeit! Nichts Neues zwischen Himmel und Erde, nicht einmal was die Verkehrsprobleme angeht.
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Doris

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Tagebuch von 1662
« Antwort #35 am: 17. April 2012, 22:17:59 »

Im ersten Halbjahr 1662 schafft Pepys es endlich, nach einigen halbherzigen Anläufen sein Vorhaben umzusetzen, weniger zu trinken und bis zu einem bestimmten Tag nicht mehr ins Theater zu gehen. Die dadurch gewonnene Zeit und Energie kommen seiner Arbeit im Flottenamt zugute, wo er zur Höchstform aufläuft und sehr zufrieden über seine Leistungen ist. Auch seine Kollegen nehmen es mit Wohlwollen zur Kenntnis. Trotz aller Euphorie weiß er aber, wo seine Grenzen liegen und versucht nicht, sie gewaltsam auszudehnen oder gar zu überschreiten. Anlass zu geheimem Ärger geben mitunter Vorgesetzte, die sich taktlos und unhöflich verhalten oder als Chef aufspielen, obwohl er ihnen nicht direkt untersteht.

Im Gegensatz zum Theaterverzicht lässt er seine musischen Talente nicht brach liegen, liest und musiziert häufig und mit Genuss. Anfang des Jahres nimmt er Unterricht im Komponieren, erreicht aber bald ein Niveau, bei dem er sich zutraut, alleine weiter zu üben und trennt sich von seinem Lehrer. Die ewige Geldfrage dürfte zu dieser Entscheidung auch ein wenig beigetragen haben.

Der König ist nun in London – im Gefolge seine schwangere Geliebte. Die mit Spannung erwartete neue Königin trifft im Frühsommer ebenfalls ein. Außenpolitisch gibt es im Mittelmeerraum einige Differenzen mit Spanien und dessen Verbündeten. Pepys erwähnt Reibereien oder die Zustände in Tanger nur ganz am Rand. In London selbst wird mit großem öffentlichen Interesse die Hinrichtung von Sir Henry Vane verfolgt, einem wegen der Mittäterschaft beim Mord an König Charles I. zum Tod Verurteilten, der am Schafott noch eine längere Rede gehalten hat. Freude über die wiedererlangte Monarchie scheint noch nicht zu herrschen, das Volk ist unzufrieden.

Am 2. Juni macht er zum ersten Mal die Andeutung, dass seine Frau „ein neues geschlitztes Leibchen trug, das sehr hübsch ist“. Weiter gibt es keine Bemerkungen in diese Richtung. Mit Offenbarungen in ehelicher Hinsicht ist er erstaunlich zurückhaltend, während er schon das eine oder andere Mal erzählte, dass er einer Bediensteten schöne Augen gemacht hat.

Ein Novum im Tagebuch ist eine kurze Bilanz zum Ende des ersten halben Jahres, passend zu seiner Akribie, die er im Amt nun an den Tag legt.
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Doris

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Re: Samuel Pepys - Die geheimen Tagebücher
« Antwort #36 am: 28. April 2012, 22:08:13 »

Auffallend ist nämlich, dass er wichtige Persönlichkeiten immer mit „Sir“, „Mr.“ oder „Mrs.“ und vor allem seine Frau nie mit ihrem Vornamen oder einem Buchstabenkürzel bezeichnet, sondern immer „meine Frau“ nennt. Eigentlich ist es gerade in höchst privaten Aufzeichnungen normal, dass man sich Abkürzungen oder bloßer Namen bedient. Vielleicht wird meine Vermutung in einem der späteren Bücher bestätigt.

Auch das würde ich nicht überinterpretieren. Das mag den damaligen Gepflogenheiten entsprochen haben. Ich schreibe in meinem Tagebuch von Personen, die ich respektiere, auch meist von "Herrn" oder "Frau" XY. Nur Leute, die ich nicht leiden kann, sind immer "der Schulz" oder "die Müller". :zwinker:

Heute kam mir der Gedanke, dass es möglicherweise gar nicht Pepys, sondern dem Verleger zuzuschreiben ist, dass keine Abkürzungen von Namen in den Tagebüchern zu finden sind. Pepys bediente sich ja einer besonderen Kurzschrift, was nicht nur darin begründet sein könnte, dass sie nicht jeder lesen kann, sondern die ihm darüber hinaus auch ermöglichte, die täglichen Einträge schneller zu schreiben. Dann wäre es nur logisch, auch Abkürzungen bei Namen vorzunehmen. Vielleicht hat dann der erste Verleger seiner Bücher angefangen, die Namen vollständig zu nennen, was später weiterhin so übernommen wurde.

Hier und hier habe ich zwei schöne Tagebucheintragungen gefunden, in denen er auch Langschrift verwendet hat. Lesen kann ich davon leider nichts. Der zweite Eintrag ist übrigens der letzte Tagebucheintrag überhaupt. Danach hat er das private Schreiben aufgegeben.
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sandhofer

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Re: Samuel Pepys - Die Tagebücher 1660 - 1669
« Antwort #37 am: 29. April 2012, 07:09:23 »

Heute kam mir der Gedanke, dass es möglicherweise gar nicht Pepys, sondern dem Verleger zuzuschreiben ist, dass keine Abkürzungen von Namen in den Tagebüchern zu finden sind.

Halte ich für wenig wahrscheinlich, ehrlich gesagt. Weil: Verleger - bzw. Herausgeber - pflegen in solchen Fällen einen Anmerkungsapparat aufzubauen, um zeigen zu können, wie schlau sie doch waren und welch eine Arbeit sie geleistet haben, um diese Abkürzungen aufzulösen. (Es ist übrigens in vielen Fällen wirklich eine Heidenarbeit  :zwinker: ...)
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