In der zweiten Jahreshälfte steht Pepys eine Erbschaft seines Onkels ins Haus, die allerdings auch einigen Ärger mit anderen Verwandten nach sich zieht. Man versucht, sich zu vergleichen, doch ein Anwalt ist bereits eingeschaltet. Auch die eigene Familie macht ihm Sorgen, denn seine Eltern streiten sich häufig und seine Dienstboten geben oft Anlass zur Klage.
Von seiner Arbeit ist derzeit weniger die Rede. Von geregelten Arbeitszeiten kann man ohnehin nicht sprechen – möglicherweise ein Privileg seiner gehobenen Position. Teilweise arbeitet er auch am Samstag bis in den Abend und geht dafür an anderen Wochentagen vormittags oder nachmittags mit Bekannten aus. Auch für das Siegelamt ist er weiterhin tätig. Hier gibt es eine Bestimmung, die ihn für eine gewisse Zeit des Jahres verpflichtet.
Immer wieder thematisiert er sein Vermögen und die Sorge, er könne Geld verlieren, obwohl er es auch gerne mit vollen Händen ausgibt, Freunde und Verwandte einlädt, seiner alten Schule Bücher spendet oder sich selbst neue Musikinstrumente und Kleidung anfertigen lässt. Als er seiner Frau Elisabeth endlich einmal den Kauf von Spitze im Wert von 6 £ genehmigt, nimmt er sich allerdings gleich vor, seine Ausgaben zu mäßigen, um nicht in Geldnot zu geraten

, obwohl er großen Wert darauf legt, dass sie attraktiv aussieht. Über eine Modefrage gerät er mit ihr einmal sogar in einen heftigen Streit, in der auch deftige Ausdrücke fallen, was bislang im Tagebuch ungewöhnlich ist.
Auffallend ist seine Theaterleidenschaft. Es vergeht keine Woche, in der er nicht wenigstens ein Stück ansieht. Doch obwohl er sogar vor sich selbst ein Gelübde ablegt, diesbezüglich kürzer zu treten, ist keine Besserung zu erkennen; ebenso wenig hinsichtlich seines Vorsatzes, weniger zu trinken. Auch für das häusliche Musizieren – er spielt mehrere Instrumente - investiert er viel Zeit, allerdings ohne Reue. Er ist ein echter Genussmensch.
Übrigens erging es dem Londoner von 1661 nicht besser als heutzutage: Am 10. Dezember bemerkt Pepys verdrießlich, dass er eineinhalb Stunden im Stau feststeckte.
Obwohl ihm die Erbschaftsstreitigkeiten und seine Eltern Sorgen bereiten, zieht er doch am Ende des Jahres ein positives Resümee. Auch mein Fazit zum zweiten und dünnsten der Tagebücher fällt positiv aus. Und: Es ist nicht schwer, sich nach einigen Wochen Pause zwischen den einzelnen Büchern wieder einzulesen. Also kein Druck, den nächsten Band bald lesen zu müssen, um den Faden nicht zu verlieren.
