Autor Thema: Connie Willis - Lincoln's Dreams  (Gelesen 251 mal)

Offline Valentine

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Connie Willis - Lincoln's Dreams
« am: 13. Februar 2012, 13:18:08 Nachmittag »


Jeff Johnston ist Rechercheassistent des Schriftstellers Thomas Broun und unter anderem fieberhaft auf der Suche nach dem Ort, an dem Abraham Lincolns Sohn Willie ursprünglich begraben wurde, bevor man ihn an seine jetzige Ruhestätte umgebettet hat. Brouns besondere Faszination gilt Lincolns Träumen, vor allem jenem von seiner eigenen Ermordung, darum kontaktiert er den Traum- und Schlafexperten Richard Madison, Jeffs ehemaligen Zimmergenossen aus Studienzeiten.

Das Treffen zwischen Broun und Richard ist nicht sehr ergiebig und hat doch Folgen, denn Richard bringt seine Freundin Annie mit, die Jeff auf Anhieb sympathisch ist und die unter belastenden Träumen leidet, die sie in die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges zurückführen. Jeff möchte ihr helfen, mit diesen Träumen fertigzuwerden, und stellt überrascht fest, dass hinter den Traumbildern ein System zu stecken scheint ...

Ein ungewöhnliches Buch, das sich schwer einordnen lässt - es gibt ein phantastisch anmutendes Element, Spannung, historische Details und Einblicke ins Entstehen eines Romans, es geht um die Macht der Träume, um deren physiologische und psychologische Entstehung und Bedeutung, und es geht um den Bürgerkrieg, der beispielhaft die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges vermittelt, in dem vorwiegend junge Leute grausam getötet und verstümmelt werden, um eines Zweckes oder Ideals willen, das sie womöglich gar nicht begreifen.

Willis ergreift keine Partei für die Nord- oder Südstaaten, verteufelt oder überhöht weder Lincoln noch Robert E. Lee, sondern stellt vor allem das Menschliche heraus. Genauso auch in der Gegenwartshandlung - dort scheinen die Rollen von Gut und Böse zwar klar verteilt, doch auch diese Trennung wird immer wieder in Frage gestellt. Am Ende bleibt zwar die eine oder andere Frage offen, aber ich fand das hier recht gelungen. So bleibt die Geschichte noch ein wenig länger im Gedächtnis des Lesers zurück.

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Offline tina

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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #1 am: 29. Oktober 2012, 23:20:59 Nachmittag »
Ich lese jetzt seit zwei Tagen dieses Buch und auch mir fällt es sehr schwer es in ein Genre einzuordnen. Ich hatte am Anfang einige Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen und eine Bindung zu den Protagonisten herzustellen, was allerdings mittlerweile geschehen ist. Ich habe das Buch jetzt bis zur Hälfte gelesen und verfolge nun mittlerweile gespannt das Geschehen. Ich weiß jetzt auch, warum ich Anfangs solche Probleme hatte, Zugang zu diesem Roman zu finden. Ich musste relativ häufig geschichtliche Details nachschlagen um überhaupt den Sinn und den Inhalt der Träume zu verstehen, denn bei diesem Buch wurde mir bewusst wie rudimentär meine Kenntnisse des amerikanischen Bürgerkrieges sind. Mein ganzes bisheriges Wissen hatte ich wohl nur aus "Vom Winde verweht“ und „Fackeln im Sturm“ und das ist nun schon einige Jahre her, seit ich diese Filme gesehen habe.
In der Tat wird hier die Grausamkeit dieses Bürgerkrieges sehr gut dargestellt.

Interessant finde ich übrigens auch die Physiologie von Träumen, denn auch ich mache mir sehr oft Gedanken über Dinge die ich träume. Auch wenn ich weiß, dass sie wohl keinen prophetischen Charakter haben, so beunruhigen mich doch ganz besonders bedrückende Träume, denn da ist anscheinend doch eine latente Angst in mir, dass sie eventuell etwas bedeuten könnten.
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Offline Valentine

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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #2 am: 30. Oktober 2012, 10:45:52 Vormittag »
Ich meine, das eine oder andere Detail zum Bürgerkrieg auch erst mal nachgeschlagen zu haben ;)

Aber fasziniert hat mich, wie Willis auf relativ wenigen Seiten so viele verschiedene Aspekte und Themen unterbringt.
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Offline tina

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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #3 am: 30. Oktober 2012, 13:17:23 Nachmittag »
Ich habe das Buch gestern um 3:00 beendet weil ich es nicht mehr weglegen wollte. Ich hätte da allerdings eine Frage Valentine:

Ich stehe vielleicht auf dem Schlauch aber das Ende habe ich nicht kapiert :redface:
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Viele Grüße Tina
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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #4 am: 30. Oktober 2012, 14:43:26 Nachmittag »
Ufff ... da muss ich noch mal nachlesen. Ich meine, das hätte mir auch Rätsel aufgegeben, aber ich habe die Details nicht mehr parat  :redface:
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Offline tina

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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #5 am: 30. Oktober 2012, 22:38:30 Nachmittag »
Connie Willis – Lincolns Träume

OT: Lincoln’s Dreams
OA: 1987
286 Seiten
ISBN: 978-3453054011

Inhalt:
Ich wurde stutzig, als ich herausfand, dass mein Freund Richard - er ist Psychiater - mit einer Patientin schlief, denn das ist so ungefähr das Schlimmste, was einem in diesem Beruf passieren kann. Sie war ein wunderschönes, aber offenbar sehr gestörtes Mädchen. Sie erzählte mir von sehr realistischen Träumen, die sie hatte, die aber nicht ihre eigenen wären. Meist träumte sie von historischen Personen und geschichtsträchtigen Orten. Und sie wusste Details zu berichten, die jeden Fachhistoriker in Verblüffung stürzten.

Eigene Meinung:
Dieses Buch beinhaltet eine gelungene Mischung aus Spannung, mysteriösem und historischem. Eigentlich geht es in diesem Buch vorrangig um Robert Lees Träume, dem Kommandant der konföderierten Armee im amerikanischen Bürgerkrieg. Das ist auch der Punkt, an dem der Leser viel Interessantes über diesen grausamen Krieg erfährt. Es wird in diesem Buch keinerlei Stellung bezogen, sondern lediglich beschrieben und dies Beschriebene macht auf sehr eindrucksvolle Weise die Schrecken dieses Krieges deutlich, was man natürlich auch stellvertretend für jeden anderen Krieg sehen kann.
Mich faszinierte in diesem Buch das Thema des Träumens ganz besonders. Hier wird sehr detailliert auf dieses Thema eingegangen. Den Ursprung von Träumen, ihre möglichen Ursachen und dies alles auch unter dem Aspekt von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Natürlich kommen aber auch die eher mythischen Thesen zu Wort, die man mitunter für unsere Träume verantwortlich macht.
Alles in allem kann ich sagen, dass es ein Roman der besonderen Art war, welcher keine unnötigen Längen aufwies und zudem höchst informativ war.

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Online illy

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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #6 am: 31. Oktober 2012, 08:04:32 Vormittag »
Ich habe das Buch bereits 2007 gelesen und mir leider nur notiert, dass ich es etwas zu "offen" fand,das heißt vermutlich, dass es mir am Ende ein paar zu viele Interpretationsmöglichkeiten gab.  :breitgrins:

Beim Durchlesen eurer Beiträge sehe ich plötzlich Parallelen zwischen der (physiologischen) Interpretation von Träumen und Willis Behandlung von Nahtoderlebnissen in Passage. Kann das jemand, der auch beides gelesen hat bestätigen?
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Offline tina

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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #7 am: 31. Oktober 2012, 08:59:58 Vormittag »
Ich kenne das Buch leider nichzt, aber Valentine. Ich habe mir eure Beiträge in dem Link durchgelesen und finde es allerdings sehr interessant.
Bei Lincoln's Dreams geht es allerdings weniger um Nahetoderfahrung, als um Träume von schon verstorbenen Menschen. Das Ende, da stimme ich mit die überein war sehr offen, daher auch meine gespoilerte Frage an Valentine, wie sie es verstanden hat. Hier war ich nämlich ein wenig verwirrt.
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Re: Connie Willis - Lincoln's Dreams
« Antwort #8 am: 31. Oktober 2012, 10:21:34 Vormittag »
Beim Durchlesen eurer Beiträge sehe ich plötzlich Parallelen zwischen der (physiologischen) Interpretation von Träumen und Willis Behandlung von Nahtoderlebnissen in Passage. Kann das jemand, der auch beides gelesen hat bestätigen?

Während des Lesens hatte ich das gar nicht so parat, aber klar gibt es da Parallelen - es geht ja beide Male um die physiologischen und psychologischen Hintergründe von Phänomenen, die sich nur im Hirn einer Person abspielen und sich schlecht erfassen lassen. Faszinierendes Thema.
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