Fabio Geda
Im Meer schwimmen Krokodile
Eine wahre Geschichte von Enaiatollah Akbari
Originaltitel: Nel mare ci sono i coccodrilli. Storia vera die Enaiatollah Akbari 

Enaiatollah ist 10 Jahre alt, als seine Mutter ihn mitnimmt nach Quetta in Pakistan und ihn dort verlässt. Sie gibt ihm nur einige Ratschläge mit auf den Weg. Der Junge, der bisher nur das einfache Leben in einem afghanischen Dorf kannte, ist nun auf sich allein gestellt und versteht nicht, dass die Mutter zu diesem drastischen Schritt gezwungen war, um sein Leben zu retten.
Und so lernt Enaiatollah auf die harte Tour, auf eigenen Füßen zu stehen. Er muss selbst für Essen und Unterkunft sorgen, immer als illegaler Ausländer, immer auf der Flucht vor Polizei und anderen Gefahren. Ständig gehen Gerüchte unter den Flüchtlingen um, wo es besser sei, weniger gefährlich, mehr Arbeit, mehr Möglichkeiten. Einem Entwurzelten fällt das Weiterziehen wohl leichter, Eneiatollah verschlägt es in den Iran und später über die Türkei und Griechenland bis nach Italien. Dort endlich kann er Fuß fassen.
Fabio Geda hat sich aus der großen Masse der Flüchtlinge, die tagtäglich nach Europa geschleust werden, ein Einzelschicksal ausgesucht und erzählt. Man lernt die Problematik aus Sicht der illegalen Einwanderer kennen und erhascht einen Blick auf die hoffnungslose Situation der Talibanopfer.
Leider ist die Geschichte zum Ende hin für meinen Geschmack ein wenig zu flott geraten, hier hätte ruhig etwas ausführlicher erzählt werden können. Auch habe ich einige Zweifel, wie wahr die wahre Geschichte im Hinblick auf die Europäer ist, die Enaiathollah trifft. Außer der Polizei scheinen ja alle überdurchschnittlich nett, hilfsbereit und auch spendabel zu sein. Aber wie immer bei dieser Art Buch möchte ich in diesem Punkt nicht allzu kritisch sein, gibt es doch denkbar viele Gründe, die Geschichte hier ein wenig zu schönen.
