Elizabeth Haran- Im Hauch des Abendwindes

Für die junge Ruby gerät von einem Tag auf den anderen die Welt aus den Fugen. Sie findet heraus, dass ihr Verlobter sie betrügt, ihr wird die Arbeit gekündigt, und zudem erfährt sie bei einer Testamentseröffnung: Ihr Vater, den sie nie kennen gelernt hat, ist vor wenigen Tagen verstorben. Ruby beschließt, ihr seltsames Erbe ═ sie ist Mitbesitzerin eines Rennpferdes ═ zu Geld zu machen.
Sie fährt ins Outback, um den Pferdetrainer Jed ausfindig zu machen, mit dem sie das kostbare Pferd teilt.
Sie ahnt nicht, was sie dort erwartet: Eine ganze Stadt lehnt sie als Eindringling ab. Jed ist unauffindbar. Skrupellose Buchmacher sind bereit, alles zu tun, damit ihr Pferd kein weiteres Rennen läuft. Und der ansässige Aborigines-Clan will das Verschwinden einer jungen Aborigine rächen
Meine MeinungIch habe mich sehr gefreut als letztes Jahr endlich wieder ein neuer Roman der australischen Schriftstellerin Elizabeth Haran herauskam.
Normalerweise nimmt mich ihr ruhiger, detailreicher Stil sofort gefangen.
Diesmal leider nicht.
Ich hatte von Beginn an Schwierigkeiten. Während auf die Protagonistin Ruby ein Problem nach dem anderen einstürmt (Verlobter untreu, Job weg, Arbeitssuche erfolglos, unbekannter Vater gerade gestorben, Familiengeheimnisse gelüftet

), hatte ich dafür nicht mehr als ein Gähnen übrig. Ich schaffte es einfach nicht mit ihr zu fühlen, zu konstruiert wirkte die ganze Situation auf mich.
Und das ist auch schon mein größter Kritikpunkt an diesem Buch. Alles wirkt viel zu gekünstelt und überkonstruiert!
Leider zieht sich das durch den gesamten Roman, wobei ich besonders zu Beginn und am Ende damit zu kämpfen hatte.
Nach dem (für mich) etwas zähen Anfang, macht sich Ruby auf ins Outback um ihren geerbten Anteil an einem Rennpferd zu verkaufen.
Wer Elizabeth Haran kennt, der weiß, was nun folgt: Unsere Heldin muss ein paar unangenehme Tage verleben, bis sie sich an das raue Leben im Outback gewöhnt.
Dafür lieben wir die Autorin und so seien ihr alle Wiederholungen und der fehlende Einfallsreichtum verziehen.
Tatsächlich konnte mich das Buch ab diesem Zeitpunkt endlich fesseln.
Die Autorin zündet nun ein wahres Feuerwerk an verschiedenen Ideen und Handlungssträngen.
Da gibt es das Problem der verlorenen Generation der Aborigines, eine Art Romeo und Julia- Geschichte zwischen zwei Stämmen, ein verschwundenes Mädchen, das von seinen Angehörigen gesucht wird (die schon einen Schuldigen ausgemacht haben), dubiose Geschäftemacher im Rennsport, skrupellose Gangster, Alkoholprobleme, Pferdetraining…
Leider bleiben die ganzen Handlungsstränge angesichts ihrer Fülle nahezu alle auf der Strecke. Für keine Nebenhandlung bleibt genug Zeit, damit sie ihr volles Potential entfalten kann.
Nicht so schlimm, macht es dennoch Spaß vom Leben in der kleinen Stadt mitten in der australischen Wüste zu lesen!
Geht es im Mittelteil des Romans also aufwärts, so stürzt er leider gegen Ende hin völlig ab.
Romantische Szenen sind nicht Harans Stärke, dennoch tummeln sich am Ende gleich etliche Liebespaare etwas unmotiviert herum. Während ich die urplötzliche Versöhnung des Hauptpaares nach den vorangegangenen Ereignissen schon nicht ganz nachvollziehen konnte, so wirkte die Zusammenführung eines der Nebenpaare komplett unglaubwürdig und war noch dazu für die Handlung völlig unnötig.
Nichts gegen Happy Ends (alle hier im Forum wissen, dass ich sie liebe), aber schlüssig und nicht völlig an den Haaren herbeigezogen sollten sie schon sein!
Fazit: Einer der schlechteren Romane der Autorin. Unglaubwürdig und überfüllt, aber mit guten Ansätzen im Mittelteil.
Hoffen wir, dass ihr nächstes Buch den Zauber Australiens wieder zurück bringen wird!
Auch wenn ich die Autorin mag, mehr als

kann ich keinesfalls vergeben.