Heinz Ludwig Arnold - Meine Gespräche mit Schriftstellern. 1977-1999.

Die MP3-CD enthält 14 ausführliche Gespräche mit Schriftstellern und ein erst kürzlich geführtes Gespräch mit Arnold über sein Leben. Insgesamt sind so 23 Stunden Tondokument entstanden. Zudem gibt es noch zwei weitere MP3-CDs, die noch frühere Gespräche mit teilweise anderen Autoren dokumentieren. Alle Gespräche sind bisher unveröffentlicht und ermöglichen auf diese Weise, einen Schriftsteller im Original zu hören und zu erleben. Heinz Ludwig Arnold ist Literaturprofessor und der Herausgeber der Neuauflage des Kindler Literaturlexikons.
Eine Inhaltsangabe fällt schwer, man unterhält sich auf äußerst ernsthafte, tiefsinnige Weise, teilweise mehrere Stunden über gerade erschienene Werke des befragten Autors. Dieses enge Verbleiben am Werk oder an der Arbeit irritiert heute ein wenig.
Eine Auflistung der Autoren mit der ungefähren Dauer des Gesprächs zeigt die Vielfalt: Günter Grass (1 h), Dürrenmatt (4 h), Heissenbüttel (2 h), Kopelew (2 h), Peter Weiss (2 h), Jurek Becker (2 h), Wolfgang Hildesheimer (1 h), Hugo Dittberner (40 min), Günter Wallraff (1,5 h), Hans Werner Richter (2 h), Walter Kolbenhoff (2 h), Peter Rühmkorf (1 h), Walter Kempowski (45 min). Zum Schluss unterhält sich Frank Witzel mit Heinz Ludwig Arnold (1 h) über die Literatur der siebziger und achtziger Jahre.
Die Autoren und Gespräche sind in einem kleinen Beiheft mit hilfreichen Hintergrundinformationen kurz dokumentiert.
Überraschenderweise werden heute wohl eine Vielzahl der Autoren so gut wie gar nicht mehr gelesen, selbst mir, der sich für deutsche Gegenwartsliteratur interessiert, waren die Namen Dittberner oder Kolbenhoff bisher völlig unbekannt. Arnold gelingt es nicht, für unbekannte Autoren oder unbekannte Werke, Begeisterung beim Zuhörer zu entfachen. Dazu steigt man schnell zu tief in die Werke und die Arbeit des Autors ein. Günter Wallraff erzählt Hintergründe zu seinem Bestseller „Ganz unten“, den ich bei Erscheinen mit großer Betroffenheit als junger Erwachsener gelesen habe. Gibt es eine solche persönliche Beziehung zu einem besprochenen Werk, dann kann Arnold mit seiner nüchternen Art, ohne jeglichen Skandalierungsversuch, den Zuhörer fesseln. Auch wenn Hans Werner Richter über die Gruppe 47 spricht, auch wenn ich die damalige Zeit nicht aktiv miterlebt habe, gibt es interessante Einblicke in das Seelenleben von Schriftstellern. Nicht selten wird die Rolle der Kritik von den Autoren thematisiert und es zeigt sich die Empfindlichkeit so manchen Schriftstellers, auf der anderen Seite wird wohl auch so manche Kritik dem Buch nicht gerecht, wenn man hier die Ernsthaftigkeit sieht, mit der am Buch gearbeitet wurde.
Auf eine Bewertung verzichte ich, da dieses Hörbuch für Liebhaber der jeweiligen Autoren gemacht wurde. Allen anderen würde ich davon abraten.
Gruß, Thomas