

Arthur Valentin erfährt mitten im gemeinsamen Urlaub von seiner Frau Isabel, dass sie ihn verlassen wird. Seine Welt bricht zusammen und er versinkt im Schmerz - bis er in einer Ausstellung Werke von Francis Bacon sieht. Er begibt sich auf die Spuren des Malers und verliert sich in seiner Faszination, reist sogar in verschiedene Städte, um die Originale betrachten zu können. In der Londoner Tate Gallery trifft er dabei auf Isabel in Begleitung eines älteren Herrn. Er belauscht die beiden und meint, aus den Gesprächsfetzen herauszuhören, dass die beiden einen Kunstraub planen ...
Anfangs habe ich mich mit der Geschichte schwer getan. Der Protagonist suhlt sich in seiner Trauer und kapselt sich von seiner Umwelt ab, das war mir zu viel verletzte Männerseele. Doch sobald die Werke Bacons ins Spiel kamen, änderte sich das: Steiner hatte mich mit seinen Beschreibungen sofort gefangen genommen. So wie Arthur Valentin glaube auch ich, dass Bacons Werke nur im Original wirklich wirken, doch die Beschreibungen sagen unheimlich viel in wenigen Sätzen und transportieren die Stimmung der Gemälde hervorragend. Das gilt auch für die im weiteren Verlauf angesprochenen Werke von Lucian Freud und anderen Künstlern, und für literarische Werke (Valentin ist schließlich Antiquar). Steiner bedient sich neben Bezügen zur Kunst und Literatur auch häufig solchen zur Popkultur, besonders aus Film und Musik. So muss man den Film
Alien von Ridley Scott nicht gesehen haben, um das Buch genießen zu können, es rundet das Gelesene aber eindeutig ab.
Arthur Valentin steht nicht alleine vor dem Problem, seiner Exfrau und ihrem neuen Geliebten, Lohmeier, auf die Schliche zu kommen. Seine Geschäftspartnerin Maia, eine Kunsthistorikerin, steht ihm mit Eifer, Wissen und Kontakt zu einem Kunstfahnder zur Seite. Außerdem ist da noch Sebastian, ein Freund aus Studientagen. Keine dieser Personen bleibt ein Stereotyp, Steiner hat ihnen trotz der Kürze des Romans eigene Gesichter gegeben. Die Beziehung zwischen Arthur und Isabel erlangt dank einiger Rückblicke Tiefe, auch wenn die Handlung sonst fast Krimi-artige Züge annimmt.
Leider gab es auch Kleinigkeiten, die mich in der Handlung bzw. an den Personen gestört haben.
- Maias Bekannter, der Kunstfahnder, ist nicht nur eine Koryphäe auf seinem Gebiet, sondern der ermittelnde Superheld schlechthin. Natürlich.

- Maia war Malerin, bis nach einem Unfall und einer verkorksten Operation die Bewegungsfähigkeit ihres Handgelenks stark eingeschränkt wurde. Sie gab das Malen auf, doch in ihrem Alltag hat sie offenbar keine Probleme, dafür aber depressive Momente, weil ihr die Malerei fehlt. Was ist denn mit Krankengymnastik? Einer erneuten Operation? Malen mit Links?
Hier hat Steiner wohl auf ein Happy End gespart. - Eine private Sammlung wird bis zum Verkauf zwischengelagert, was noch einige Zeit dauern kann. Die aufgespannten Leinwände stehen aneinandergelehnt in einem Rollcontainer, nur mit einer Plane bedeckt, um vor Staub geschützt zu sein. Keine gesonderte Lagerung der einzelnen Werke, keine Überprüfung der Luftfeuchtigkeit, kein nix. Noch nicht mal eine ordentliche Alarmanlage

Grenzwertig fand ich auch die häufig auftretenden Traumsequenzen, die aber andererseits auch zu den Werken Bacons und der rundum vermittelten Stimmung passen.
Alles in allem machen die Werkbeschreibungen diese Schwächen für mich allemal wett und ich habe Lust bekommen, mal wieder in den Anblick eines der zutiefst verstörenden Gemälde von Bacon zu versinken. Die Hintergrundinformationen zu Francis Bacon, Lucian Freud und der (britischen) Kunstszene sind fundiert und ausführlich, ohne den Fluss des Romans zu stören. Wer sich auf menschliche Abgründe in der Kunst einlassen möchte, kommt an
Bacons Finsternis kaum vorbei.
großzügige

Viele Grüße
Breña